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Auf den Spuren eines großen Linzers Am 20. September 2009 hatte sie Premiere: die „Kepler“ Oper. Philipp Glass hat eigens für das Landestheater Linz und Linz09 eine Oper, die der Gedankenwelt des großen Astronomen Johannes Kepler nachspürt, komponiert, die bis Jänner 2010 im Landestheater Linz zu sehen sein wird. Dies ist Anlass genug, um sich auf die interessanten Spuren dieses außergewöhnlichen Linzers zu begeben. Der weltberühmte Johannes Kepler war ein großer Astronom, Mathematiker und viele Jahre seines Lebens auch Linzer. Johannes Kepler hat nicht nur in Linz, sondern in ganz Oberösterreich Spuren hinterlassen, die gerade jetzt im Kulturhauptstadtjahr sichtbar werden. Von außen ist dem dreistöckigen Haus in der Linzer Altstadt nicht anzusehen, dass es ein geschichtsträchtiger Ort ist. Nur wer seinen Blick über die Eingangstür des Gebäudes wirft, bekommt eine Ahnung davon, was sich in diesen Gemäuern einst abgespielt hat. Ein schmuckes, aber einfaches Schild weist darauf hin: „In diesem Haus wohnte Johan-nes Kepler“. Die Rathausgasse 5 beherbergte also 14 Jahre lang einen der größten und bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten – Johannes Kepler. Er gehört mit Galilei und Newton zu den wichtigsten Begründern und Vertretern der Naturwissenschaften und fun-giert heute als Patron der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Wissenschaft für alle Von 1612 bis 1627 ging Kepler also in diesem Haus aus und ein. Auch heute herrscht hier reges Treiben. Es ist Montag, kurz vor halb acht und schnell huschen noch die letzten Besucher durch die Eingangstür: In wenigen Minuten wird das Wohnhaus des Universal-genies wieder einmal zum Ort der Wissenschaften. Im sogenannten Kepler Salon treffen sich im Kulturhauptstadt-Jahr ein- bis zweimal wöchentlich Fachleute, Interessierte, Laien oder einfach nur Neugierige zum wissenschaftlichen Dialog. „Was ist Mechatronik?“, „Hat der Mensch einen freien Willen?“ oder „Wie funktioniert eine Herzklappe?“. In ungezwun-gener Atmosphäre wird im Kepler Salon vorgetragen, diskutiert, getüftelt, hinterfragt. Die Gelegenheit für „Otto-Normal-Verbraucher“, auf unterhaltsame Weise in die Welt der Wis-senschaften einzutauchen. Die Veranstaltungen bei freiem Eintritt sind heiß begehrt. Nur wer rechtzeitig dort ist, hat auch noch die Chance, ein Plätzchen zu ergattern. Von Graz über Prag nach Linz Aber wie kam es eigentlich dazu, dass sich Linz heute mit dem großen Namen Johannes Keplers schmücken kann? Was verschlug das Genie damals nach Oberösterreich? Viele Zufälle. 1571 im deutschen Weil in der Nähe von Stuttgart geboren, studierte Kepler spä-ter in Tübingen evangelische Theologie. Er wollte eigentlich Pfarrer werden. Doch es kam anders. 1549 wurde Kepler überraschend als Mathematiklehrer an die protestantische Stiftsschule nach Graz berufen. Sein Theologiestudium brach er ab, von diesem Zeitpunkt an widmete er sich ausschließlich der Mathematik und Astronomie. Die gewaltsame Rekatholisierung der Steiermark zwang Kepler 1600 schließlich, Öster-reich wieder zu verlassen. Er übersiedelte nach Prag. Dort schaffte er es - nach zunächst jahrelanger Durststrecke geprägt von wirtschaftlicher Not und ständiger Krankheit - schließlich zum kaiserlichen Mathematiker: In Prag konnte er die Richtigkeit des koperni-kanischen Systems wissenschaftlich fundiert beweisen. Dann neigte sich Keplers Wirken in Prag langsam dem Ende zu. Politische Wirren, Seu-chen und die Pockenerkrankung seiner Kinder, die eines davon nicht überlebte, brachten die Rückkehr nach Österreich: Kepler bewarb sich als Lehrer an der Landschaftsschule in Linz. Kurz bevor er Prag verließ, starb seine Frau – der Witwer und alleinerziehende Vater erreichte Oberösterreich im Mai 1612. Relikt aus historischer Zeit Im Gepäck Johannes Keplers auf seiner Reise nach Linz waren zahlreiche seiner wissen-schaftlichen Instrumente. Darunter auch eines, das Oberösterreich nie wieder verlassen sollte: Ein eiserner Sextant, mit dem Kepler in Prag seine Himmelsbeobachtungen durch-führte. Dieses Instrument ist heute gut verwahrt, aber dennoch für die Öffentlichkeit zu-gänglich: Der berühmte Sextant wird in der Sternwarte Kremsmünster gehütet und ausge-stellt und lockt jährlich tausende Besucher an. Die Sternwarte gehört zur beeindrucken-den Benediktinerabtei Kremsmünster, die auf unglaubliche 1200 Jahre Vergangenheit zurückblickt und auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Die Sehenswürdigkeiten sind zahl-reich, eines der Highlights ist aber sicher der „Mathematische Turm“, in dem sich neben der Sternwarte auch die bemerkenswerte naturwissenschaftliche Sammlungen finden. Aufstieg in die Vergangenheit Keplers Sextant hat eine magische Anziehungskraft auf alle, die auf seinen Spuren wan-deln. Beim Betreten des 44 Meter hohen „Mathematischen Turms“ mit seinen sieben Stockwerken weht einem regelrecht der Geruch nach Geschichte, Geheimnissen und Entdeckungen entgegen. Doch zunächst muss noch der „Aufstieg“ bewältigt werden. 270 Stufen sind es, die zu überwinden sind, bevor man das Relikt besichtigen kann. Die Trep-pe wird mit jedem Stockwerk steiler, gegen Ende zu, ist es nur noch eine schmale Wen-deltreppe, die verheißt, dass es nicht mehr weit sein kann. Geschafft. Das Astronomische Kabinett im 7. Stock des „Mathematischen Turms“ ist erreicht. Der alte Holzboden knarrt beim Betreten des nicht sehr großen, aber doch sehr hohen Raums – große Fenster sor-gen für viel Licht und bieten eine herrliche Aussicht über das Kremstal bis zum Toten Ge-birge. Und inmitten vieler historischer ehrfurchtgebietender Exponate steht er auch schon: Jener Sextant, mit dem Kepler den Himmel vermessen und sogar auf ein neues Sternbild ge-stoßen ist – jenes des „Schwans“. So erzählt es zumindest die Geschichte und so gibt es auch der Direktor der Sternwarte, Mag. Dr. Pater Amand Kraml, weiter und er erklärt sehr anschaulich die Funktionsweise des über 400 Jahre alten Ausstellungsstückes. Ein aufre-gendes und durchaus prickelndes Gefühl, dem großen Genie auf diese Weise näher zu kommen! Wer dieses kleine „Abenteuer“ in der Sternwarte angemessen ausklingen lassen möchte, der hat in und rund um Kremsmünster übrigens ausreichend Gelegenheit dazu - die Tou-rismusregion Bad Hall-Kremsmünster hat naturliebenden Besuchern einiges zu bieten: kilometerlange Wander- und Radwanderwege, Erholungsgebiete, die Tassilo-Therme in Bad Hall und nicht zu vergessen jede Menge hervorragender Gasthäuser, in denen nicht nur gutes Essen und Trinken, sondern auch die Geselligkeit sehr groß geschrieben wird. Auf Brautschau in Eferding Wer sich mit Johannes Keplers wissenschaftlichem Wirken in Oberösterreich befasst, kommt auch an seinem Privatleben nicht vorbei. Und schon führt die Reise auf Keplers Spuren in das kleine Städtchen Eferding. Etwa 25 Kilometer von Linz entfernt begab sich der große Wissenschaftler dorthin auf Brautschau. Kein Zufall, denn auf Schloss Eferding lebte Keplers guter Freund, Erasmus von Starhemberg. In diesem Kreis lernte er seine zweite Frau, die Tischlerstochter Susanne Reuttinger, kennen. Hochzeit wurde in Eferding gefeiert. Auch heute steht vieles in Eferding noch ganz im Zeichen von Johannes Kepler. Das Se-minarhotel Brummeier direkt am Stadtplatz etwa hat vor Jahrzehnten als einfaches Re-staurant „Kepler Stuben“ begonnen – heute steht diese Bezeichnung für die hervorragen-de Küche und das angenehme Ambiente. Besonders Verwöhnten hat das Vier-Sterne-Hotel die „Kepler Suite“ zu bieten. Bekannt ist das Haus vor allem durch seine kulinari-schen Genüsse: Die regionale Küche steht im Vordergrund – Gemüse aus dem Raum Eferding kommt, täglich frisch und raffiniert zubereitet, auf den Tisch. Aber Eferding hat noch mehr zu bieten, als die Erinnerung an Johannes Kepler oder gute Gastronomie. In der drittältesten Stadt Österreichs liegt das Schloss Eferding – eine histo-rische Stätte, das heute als Kulturzentrum fungiert. Konzerte, Ausstellungen, Präsentatio-nen, Tagungen. Johannes Kepler hätte sicher seine Freude mit dem kulturellen Treiben in der Heimatstadt seiner Frau. Tragischer Abschied aus Linz Vierzehn Jahre waren es insgesamt, die Johannes Kepler in Linz verbrachte. In dieser Zeit verfasste er etliche seiner 23 Schriften und Werke in Astronomie, Mathematik und Physik und beeinflusste die Wissenschaft nachhaltig. So erfolgreich sein Wirken in Linz war, so tragisch war sein Abschied: 1624 erließ Kaiser Ferdinand II. sein „Reformations-patent“. Alle evangelischen Prediger und Schulmeister wurden ausgewiesen. Hunderttau-sende Menschen, die nicht römisch-katholisch werden wollten, verließen das Land. Dar-unter auch Johannes Kepler und seine Familie, nachdem seine Schule und seine Biblio-thek geschlossen wurden: „ Was soll ich arbeiten, wenn mir der Zugang zu den wissen-schaftlichen Grundlagen verwehrt wird“, schrieb er damals. Am 20. November 1626 – vor genau 383 Jahren – verlässt er die Stadt. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen der größten Linzer aller Zeiten, einen Weltstar.
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