Abseits des Tourismus - Wedding

Wer auf Pfaden abseits des Tourismus wandern und einmal die alltäglichere, rauere Seite Berlins erfahren möchte, sollte sich in den Wedding begeben.

Dass in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Hanns Eislers „Roter Wedding“ durch die Gegend um die Müllerstraße hallte, machte den Berliner Bezirk zwar gemeinhin bekannt, trug aber nicht unbedingt dazu bei, Menschen in diese Gegend zu locken. Trotz der recht zentralen Lage, beliebt wie Mitte, Prenzlauer Berg und seit neustem auch Kreuzberg war der Wedding nie. Das mag bedauerlich klingen, kann jedoch auch als wahrer Glücksfall für diejenigen betrachtet werden, die sich für das etwas rauere, wirklichkeitsnähere Berlin interessieren. In jedem Reiseführer über Berlin sträflich vernachlässigt, wird einem hier kaum ein Tourist über den Weg laufen. Dabei gibt es in dieser geschichtsträchtigen Ecke Berlins viel zu entdecken. Für denjenigen, der sich für eine kleine Tour durch den ehemaligen Arbeiterbezirk, in dem heute Arbeiter, Studenten und Gastarbeiter wild durcheinander schwirren, interessiert, sei folgendes empfohlen:

Steigt man am U Bahnhof Leopoldplatz aus werden sich unabhängig von dem Ausgang, den man benutzt, sobald man das Tageslicht sieht auch eine unzählige Anzahl von Obstständen auftun. Hat man sich für den Tag mit Obst versorgt, lohnt es sich einen Blick auf den Leopoldplatz zu werfen, der von der Alten Nazarethkirche geprägt ist, die der Architekt Karl Friedrich Schinkel im Jahr 1835 dort errichten ließ. Je nach Laune kann man nun etwa die Müllerstraße hinunterschlendern und sich bei Coffeestar in Müllerstraße 146 einen leckeren Kaffee aus frisch gerösteten Bohnen genehmigen oder eine Station mit der U-Bahn fahren.

Vorbei an türkischen Bäckern und großartigen Nussläden gelangt man bald zum U-Bahnhof Seestraße, von dem die Brüsseler Straße links abgeht. Es lohnt sich diese bis zum Ende zu laufen, an dem sich bei Hausnummer 21 das Anti-Kriegs-Museum, das täglich bei freiem Eintritt von 16-20 Uhr geöffnet hat, befindet. Das kleine private Museum, das seine Ursprünge im Jahr 1925 hat, mehrmals zerstört und immer wieder aufgebaut wurde und heute noch vom Enkel des damaligen Gründers betrieben wird, zeigt Bilder und Gegenstände vergangener Kriege und eine Übersicht über Friedensaktivisten von der Antike bis heute. Besonders interessant ist jedoch der Original-Luftschutzbunker, in dem man einen nachgestellten Bombenangriff mitfühlen kann.

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Wer ein Kontrastprogramm möchte, kann der Brüsseler Straße weiter folgen, trifft auf die Amrumer Straße und damit auf das Zuckermuseum in der Amrumer Straße 31, das ebenfalls unentgeltlich ist. Von Geschichte, Gewinnung bis hin zur Verarbeitung erfährt man hier alles über das Lebensmittel. Wessen Füße nun noch mitmachen, der kann der Amrumer Straße am Virchowklinikum ungefähr 10 Minuten lang folgen, bis man die Spree erreicht. Ein halbstündiger Spaziergang an dieser entlang führt einen über den Invalidenfriedhof bis hin zum Hauptbahnhof zurück in Berlins Mitte.

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Autor: The Wumbaba  29.09.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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