Aktivurlaub im Herbst: Olivenernte in Italien
Herbsturlaub auf die etwas andere Art: Die Olivenernte in Italien bietet die ideale Gelegenheit, um Erholung und Aktivität zu verbinden.
Der Spätherbst in Deutschland ist meist von kühlen und nebligen Novembertagen geprägt. Es regnet viel und abends wird es schon viel zu früh dunkel. Ich halte mich an solchen Tagen nur ungern draußen auf und verkrieche mich lieber mit einem guten Buch in der warmen Stube am Kamin. An einem dieser Regentage sitze ich mit einer Tasse Punsch auf dem Sofa und denke an den letzten Herbst zurück:
Anfang November stieg ich in den Zug und fuhr voller Vorfreude in die grüne Mitte von Bella Italia. Hier hatte ich vor, in der Nähe der umbrischen Hauptstadt Perugia, für einen Monat bei der Olivenernte zu helfen. Mein Ziel war eine kleine Gemeinschaft mitten in der Pampa. Soweit das Auge reichte, sah man dort silbrig schimmernde Olivenbäume und herbstliche Wälder. Der abgelegene Hof bestand aus mehreren alten Steinhäusern. Neben ihren Bewohnern waren dort noch allerlei Tiere zu finden: Zwei weiße Schäferhunde lagen träge im Schatten vor einer Wiese, auf der etwa dreißig Schafe mit ihren Lämmern weideten. Die Sonne machte das Urlaubsgefühl perfekt und ich vermutete, ich hatte meinen Wollpullover umsonst mitgenommen. Ich wurde freundlich in die Gemeinschaft aufgenommen und nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, lernte ich beim Abendessen eine nette junge Italienerin kennen, die im Bauwagen neben dem Schafstall wohnte und sich um die Schafe kümmerte.
Am nächsten Morgen ging die Olivenernte los. Auf dem Hof wurde noch alles von Hand gemacht und der Erhalt war dafür hochwertiges biologisches Olivenöl. In einer kleinen Gruppe schulterten wir die Leitern und Netze und marschierten in den ersten Olivenhain. Die Netze wurden unter die Bäume gelegt und dann wagten wir uns mutig in die Gipfel und pflückten die kleinen schwarzen Früchte. Der Himmel strahlte in schönstem Königsblau und mir war es im T-Shirt angenehm warm. Und das im November! Die Luft roch nach frischer Natur und weit und breit war kein Straßenlärm zu hören. Man hörte nur die Vögel zwitschern und die Schafe blöken. Ab und zu kamen die Kinder der Gemeinschaft vorbei, halfen mit, oder spielten im Gras und ich genoss den Klang der italienischen Sprache in meinen Ohren. Die Arbeit hatte etwas Entspannendes an sich, aber vielleicht lag es auch am tollen Wetter und der friedlichen Umgebung. Trotzdem ich mich den ganzen Tag bewegte, fühlte ich mich abends erholt.
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Die erste Bruschetta mit eigenem Olivenöl war ein Genuss. Der Monat ging viel zu schnell vorbei und ich hatte mir schon vorgenommen, im nächsten Jahr wieder zur Ernte zu kommen. Ab und zu kamen auch andere Wwoofer (Wwoof steht für Willing Workers On Organic Farms) und halfen ein paar Tage mit, sodass man die unterschiedlichsten internationalen Leute kennengelernt hat. Die Arbeit geschah auf freiwilliger Basis und der Lohn dafür waren freie Kost und Logis. Niemand schaute auf die Uhr oder zählte gar die Arbeitsstunden. Jeder arbeitete so lange, wie er Lust hatte. Zur Abwechslung erntete ich auch einmal die Mandeln im Garten oder machte erste Melkversuche im Schafstall.
Ich kann nur jedem einen aktiven Herbst dieser Art empfehlen. In ganz Italien werden im November Helfer für die Olivenernte gesucht. Über die Wwoof-Organisation oder Internetanzeigen hat man schnell eine Stelle gefunden und kann so dem trüben deutschen November entfliehen und den Winter noch ein wenig hinaus zögern. Dieses Jahr habe ich es nicht geschafft nach Italien zu fahren, doch mit dem dampfenden Punsch in der Hand hänge ich meinen Gedanken nach und es kommt mir fast so vor, als sei ich wieder dort.
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Kommentare zu Aktivurlaub im Herbst: Olivenernte in Italien
Mit Herz und Lebendigkeit geschrieben, und auch mir kam gleich der Gedanke, am besten sofort ober recht bald, dort einmal als Olivenerntehelfer zu dienen und Italienische Mentalität und Natur derweil kennenzulernen.
Einfach Klasse der Beitrag. (10.11.11)