Alice Springs – die Stadt im Nirgendwo
Dieser Bericht stellt die Attraktionen und Erlebnismöglichkeiten dar und gibt Tipps in Sachen Essen, Kultur und Natur.
Nein, eine Metropole wie Sydney ist das kleine Alice Springs mit seinen gerade einmal 30.000 Einwohnern nicht, aber dafür kann es von sich behaupten, tatsächlich mitten im Herzen des roten Kontinents zu liegen. Über tausend Kilometer Outback muss der Reisende durchqueren, um den ehemaligen Telegrafen-Stützpunkt zu erreichen – warum also zieht es so viele Leute jährlich dorthin? Und lohnt sich diese Reise wirklich?
Gegründet 1872, damals noch unter dem Namen „Stuart Town“ und mit nur einigen Wissenschaftlern als Siedlern, blieb das Örtchen viele Jahrzehnte weitgehend abgeschnitten von der Zivilisation - also tatsächlich eine "Stadt im Nirgendwo". 1929 gab es dann mit dem „Great Northern Railway“ endlich eine direkte, schnelle Verbindung zum Rest Australiens – und Alice Springs wurde zu einer Stadt mit florierendem Bergbau und einer Kamelzucht. Im Zuge dieses Aufstiegs erhielt es auch seinen heutigen Namen, den es einem der Mitarbeiter der Telegrafen-Station verdankt: Er hatte in der Nähe eine Wasserstelle entdeckt und sie zu Ehren der Frau seines Vorgesetzten „Alice Springs“ getauft.
Heute leben die Einwohner von Alice Springs, darunter auch viele Aborigines, hauptsächlich vom Tourismus. Dies führt zwangsläufig dazu, dass sich in der Einkaufszone Souvenirläden mit allerlei Kitsch aneinander reihen, doch wenn man sich nur ein bisschen Mühe gibt, kann man ihn in Alice Springs erleben – den „Australian way of life“. Interessanter Ausgangspunkt für eine Erkundung der Stadt bietet eine Stärkung im „Bojangles“, einem Restaurant, das eigentlich mehr aussieht wie eine Mischung aus Saloon und Museum: Zwischen alten Flugzeugteilen, Krokodilsköpfen und Schwarz-Weiß-Fotos kann man hier Känguru-Steak, gegrillte Schlange und Krokodil in Auberginen-Sauce genießen. Vielleicht nicht Jedermanns Geschmack – aber gut für ein kulinarisches Abenteuer!
Nach dieser Buschmahlzeit lohnt es sich, etwas aus der Stadt hinaus zu fahren und den Flying Doctor Service zu besuchen: Ärzte fliegen von hier aus zu Einsätzen überall im Outback, schließlich besitzt Alice Springs die einzigen Krankenhäuser im Umkreis von 1500 Kilometern! Nicht weit entfernt und auch einen Ausflug wert, ist die ehemalige Telegrafen-Station – auch, wenn man sich bei den im Sommer mörderischen Temperaturen von weit über 30 Grad manchmal so gar nicht bewegen möchte. Geht man abends aus, heißt es aber: Aufgepasst, denn nachts sinkt das Thermometer auch schon mal unter 10 Grad.
Was nach dem Kultur-Programm noch fehlt, ist natürlich die einheimische Tierwelt. In und um Alice Springs herum leben viele der bekannten Outback-Bewohner, doch da es zu anstrengend – und zuweilen auch gefährlich – wäre, den Busch selbst nach Känguru, Skorpion und Wallaby zu durchsuchen, gibt es in Alice Springs den „Desert Park“: Zwar ist er künstlich angelegt, doch nirgendwo anders hat der Besucher die Chance, so viele Tiere der australischen Wüste zu sehen. Vom Thorny Devil, einer kleinen, stacheligen Echse, bis hin zum Dingo – all diese Bewohner des roten Kontinents kann man dort bestaunen. Für den Besuch sollten mindestens drei bis vier Stunden eingeplant werden.
Hat man diese Attraktionen alle gesehen, dann hat man auch schon einen guten Eindruck von Alice Springs bekommen – und ist vielleicht bereit, seine Tour nun mit einer Safari durchs Outback fortzusetzen. Ideal ist die Stadt im Nirgendwo natürlich auch für Ausflüge (ein- oder mehrtägig) zu den wohl bekanntesten Attraktionen des Red Centre: Sowohl der Ayers Rock, das Wahrzeichen Australiens, als auch die berühmte Felsformation "The Olgas" und der Kings Canyon lassen sich von dort aus prima erreichen. Hier ist es ratsam, eine Tour mit Übernachtung im Zelt oder dem so genannten "Swag", einem geschlossenen Schlafsack, zu wählen - denn das ist nicht nur ein besonderes Schlaf-Erlebnis, sondern gibt einem auch die Chance, das Outback bei Sonnenaufgang zu erleben. Wenn die Erde und Felsen dann angestrahlt werden, versteht man, warum dieses Land den Namen "Rotes Herz" verdient.
Wenn man sich in der "Stadt im Nirgendwo" und ihrer Umgebung also gut umschaut und nicht von zu viel Touristen-Kitsch ablenken lässt, dann ist Alice Springs ein guter Ort, um sich der Geschichte und Natur Australiens zu nähern. Und auch wenn es dort nur trockene Eukalyptus-Bäume und ein kleines Flussbett gibt – nach einer langen Reise durch die Wüste kommt es vielen Reisenden doch fast wie eine Oase vor. Denn das größte Manko von Alice Springs ist vermutlich auch sein größter Reiz: Die Abgeschiedenheit.
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