Architektur in Chemnitz - Die Vielseitigkeit der Architekturlandschaft
Die Architektur in Chemnitz lädt den Betrachter zu einem Besuch in die Vergangenheit und Gegenwart ein und besticht durch ihre Vielseitigkeit.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt von Chemnitz beinahe vollständig zerstört. Trotz alledem bietet die Architektur in Chemnitz dem Besucher eindrucksvolle Bauwerke und die Vielseitigkeit der Architekturlandschaft hält für jeden Geschmack etwas bereit . Nicht nur Architektur aus der industriellen Vergangenheit der Stadt, sondern auch Gründerzeit- und Jugendstil-Villen sowie Bauhaus und Neoklassizistische Bauten laden zur Besichtigung ein. Ebenso vertreten sind Postmoderne und Moderne.
Die ehemaligen Fabrikhallen aus dem 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden saniert und umfunktioniert. So konnte die Industriearchitektur erhalten werden und man findet heute beispielsweise in der ehemaligen Werkzeugfabrik der Gebdrüder Escher AG in der Zwickauer Straße 119/125 das sächsische Industriemuseum. Die sächsische Webstuhlfabrik Louis Schönherr, Schönherrstraße 8, die ab 1800 eine der ersten Maschinenspinnereien beherbergte, wird heute noch industriell genutzt, wurde aber an die Moderne angepasst, denn man findet dort auch eine Wellnesslandschaft und Cafés sowie ein Theater. Ein besonders schönes Beispiel der Chemnitzer Industrieachritektur ist die Strumpfwarenfabrik Moritz Samuel Esche. Der viergeschoßige, mit aufwendigem Klinkerdekor und Turmaufbau versehene Komplex befindet sich in der Goethestrasse 5 und beherbergt heute, erweitert durch einen modernen Anbau, verschiedene medizinische Einrichtungen.
Aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts sind vor allem die Villa Esche, erbaut durch den belgischen Architekten Henry van de Velde, sowie das Wohnhaus des Tintenfabrikbesitzers Dr. Theodor Koerner oder die Villa Quisiana bemerkenswert. Henry van de Velde gilt als einer der vielseitigsten Künstler des Jugendstils und Wegbereiter der Moderne. Die Chemnitzer Kaufleute und Großindustriellen haben auf dem Kassberg eines der größten zusammenhängenden Gründerzeit- und Jugendstilviertel Europas hinterlassen, das ebenfalls einen Besuch wert ist.
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Ein besonderes Ensemble findet sich am Theaterplatz, wo die 1888 fertiggestellte St. Petrikirche im neogotischen Stil und das vom Architekten Heinrich Straumer im Bauhausstil errichtete Hotel Chemnitzer Hof sich in das sandsteinfarbenen Gebäudeensemble des Platzes einpassen. Ein schönes Beispiel des Neoklassizismus ist das Bankhochhaus der Deutschen Bank am Falkenplatz, 1920 erbaut vom Architekten Erich Basarke. Der Architekt Fred Otto erbaute zwischen 1925 und 1935 – verzögert durch die Wirtschaftskrise – das Stadtbad an der Müllerstrasse, das damals zu den modernsten Europas gehörte.
Nach dem zweiten Weltkrieg, Ende der 50er Jahre, wandte sich die Architektur in Chemnitz der Postmoderne zu. Das IHK-Gebäude an der Straße der Nationen 25, entworfen von Rudolf Wesser und Hans Förster, ist eindrucksvoller Ausdruck dieser Entwicklung. Auch das Interhotel Moskau gegenüber – seit 2008 “Hotel an der Oper” -, sowie das Hochhaus von Moritz Schunk an der Promenadenstrasse und die Gesamtheit der breiten Allee stehen für die Ideale der postmodernen Architektur einer sozialistischen Musterstadt. Bestens in dieses Bild fügt sich auch die von Lew Kerbel entworfene, überdimensionale Karl Marx Büste. Im Zentrum der Stadt trifft der Besucher auf die 1974 eröffnete moderne Mehrzweckhalle inklusive Hotelhochhaus, die bis heute vom kulturellen Leben der Stadt erfüllt ist.
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