Augsburger Christkindlesmarkt - ein unvergessliches Erlebnis

Der Augsburger Christkindlesmarkt - ein unvergessliches Erlebnis. Man wird bezaubert von einer historischen Altstadt, einem Engelesspiel und lebender Krippe, und man wird Zeuge eines einzigartigen Schauspiels

Jedes Jahr wieder freut sich Groß und Klein auf die vielen Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland. Ob man sich nun auf eine leckere Bratwurst freut, eine süße Zuckerwatte oder doch lieber ein Glas heißen Glühwein, für vier Wochen im Jahr kann man diese wunderbare Zeit richtig auskosten. Besonders hervorzuheben ist hier der Augsburger Christkindlesmarkt in Bayern, der mit über einer Million Besucher jährlich zu einem der beliebtesten Märkte Deutschlands zählt. Und das nicht zu Unrecht. 1498 begann die Geschichte dieses Weihnachtsmarktes als Lebkuchenmarkt, auf dem die "Lebzelter" Markt hielten und zur Weihnachtszeit Lebkuchen zum Kauf darboten. Kurze Zeit später kam es zu einem regelrechten Eklat, da sich die Budenbesitzer gegenseitig beschuldigten, den größeren Stand zu haben, so dass am 22. Dezember 1498 in einer Ratssitzung in Augsburg beschlossen wurde, dass sämtliche Buden von der Stadt gestellt werden und alle Buden die selbe Größe haben sollen.

Nach der Reformation durch Martin Luther King blühten die Weihnachtsmärkte regelrecht auf, da der Reformator unter anderem die neue Sitte eingeführt hatte, Kinder nicht mehr am 6. Dezember vom heiligen Nikolaus oder am 11. November von St. Martin beschenken zu lassen, wie es damals noch der Brauch war, sondern am 24. Dezember vom "Heiligen Christkind". In der Barockzeit war es üblich, den Kindern neben Leckereien und Süßigkeiten auch Spielsachen und Puppen aus Ton zu schenken, was dazu führte, dass die Märkte ein größeres Sortiment anbieten konnten und sich der Augsburger Christkindlesmarkt stetig erweiterte. Neben dem eigentlichen Markt halten gab es um 1600 in Augsburg noch einen weiteren Brauch, und zwar das "Lebzeltenstreichen".

So zogen jedes Jahr am 28. Dezember die jungen Gesellen mit Ruten umher, um damit den Jungfrauen der Stadt auf die Waden zu schlagen, was den holden Jungfrauen Glück bringen sollte. Diesen Brauch nannte man auch "um den Lebkuchen streichen". Als Dank dafür erwarteten die Rutenstreicher von den Mädchen einen Lebkuchen. Da dieser Brauch im Laufe der Zeit allerdings auszuufern drohte, versuchte der Stadtrat, das Treiben zu verbieten, wie Berichte aus den 1760ern jedoch zeigen waren diese Verbote ohne Erfolg.

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Heute gibt es diese Tradition zwar nicht mehr, der Augsburger Weihnachtsmarkt oder Christkindlesmarkt, wie er von den Einheimischen genannt wird, erfreut sich trotzdem großem Andrang. Über 150 Stände reihen sich vor dem Perlachturm, eines der Augsburger Wahrzeichen, und dem Hollischen Renaissance-Rathaus auf, um die Besucher mit zahlreichen Leckereien zu verwöhnen. Heiße Dampfnudeln, gebrannte Mandeln, Steaksemmeln, heiße Maroni, Augsburger Reiberdatschi, duftender Glühwein oder ein Apfelpunsch für die Kleinen, für jeden ist das Passende dabei. Überall duftet es nach Äpfeln, Zimt und Bratwurst, und die vielen Lichter versüßen die schöne Zeit vor Weihnachten.

Neben reichlich Kulinarischem bietet der Augsburger Weihnachtsmarkt natürlich auch eine Vielzahl an weihnachtlichen Erzeugnissen an. Wer z.B. noch eine Krippe sucht, wird hier nicht enttäuscht, es ist alles von Blech bis hin zu handgefertigen Figuren aus Holz vertreten. Wunderschöner Christbaumbehang, handgemacht oder mundgeblasen, Nussknacker und Räuchermännchen, Spielzeug für Jung und Alt. Für Jeden ist etwas dabei. Daneben gibt es alljährlich wieder die lebende Krippe zu bewundern. In einem kleinen Stall neben dem riesigen, hell beleuchteten Weihnachtsbaum stehen Maria und Josef mit ihrem Christkind, umgeben von einem Esel, um den Menschen die Weihnachtsgeschichte so nah wie möglich zu bringen. Einmalig und besonders hervorzuheben, ist bei dem Augsburger Christkindlesmarkt natürlich das "Engelesspiel".

Jeden Freitag-, Samstag- und Sonntagabend erscheinen 24 Engel in den Fenstern des wunderschönen Rathauses, die von hinten beleuchtet aussehen wie ein lebensgroßer Adventskalender. Die Engel spielen Instrumente und singen Lieder, und machen diesen einzigartigen Weihnachtsmarkt zu einem atemberaubenden Erlebnis der besonderen Art. Am 23. Dezember treten die jungen Engel dann die Stufen des Rathauses hinab, um vor dem faszinierten Publikum noch einmal Weihnachtslieder zum Besten zu geben.

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen sei erlaubt, die reizenden Engel sind junge Augsburgerinnen, die jedes Jahr eigens für diese Aufgabe ausgewählt werden. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf einen lieblichen Gesichtsausdruck gelegt, sowie auf die Anmut der Bewegung und natürlich auf die Musikalität. Ab dem 22. November haben die Pforten des Augsburger Christkindlesmarkt geöffnet, dieses einmalige Erlebnis muss man einfach gesehen haben.

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Autor: RSeipelt  23.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (4) | Nein

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