Australien – Eine Reise durch die Kimberleys - Teil 2–Gibb River Road
Die Gibb River Road erstreckt sich über 700 Kilometer durch die Kimberleys, eines der einsamsten Gebiete der Welt. Sie bietet eine abenteuerliche Reise durch die unberührte Natur Australiens.
Von Kununurra im Nordosten des australischen Bundesstaats „Western Australia“ bis zur östlichen Einfahrt in die berühmte Gibb River Road, sind es 53 Kilometer. Ein Katzensprung für australische Verhältnisse. An diesem ersten Tag meiner Kimberley Reise begann es zu dämmern, als ich die Abfahrt erreichte. So beschloss ich für den Tag weiter nach Norden zu fahren, Richtung Wyndam. Westlich von diesem Ort liegt eine Farm mit dem Namen Diggers Rest. Dort ist ein netter, kleiner Campingplatz mit sauberen WCs und Duschen eingerichtet. Das Panorama mit den Felsformationen am Horizont und den Pferden auf den Weiden versetzt einen in den Wilden Westen. Für Freunde des Reitens werden hier Ausritte angeboten. Zum ersten Mal fand ich es bedauerlich, Angst vor Pferden zu haben. Leute, die sich für wwoofing interessieren und eine Zeit lang für freie Kost und Unterkunft bei der Farmarbeit helfen wollen, ist dieser Ort ebenfalls interessant. Als ich dort eintraf, arbeiteten gleich mehrere junge Leute dort. So muss man sich auch nicht vor zu viel Einsamkeit fürchten. Für mich sollte dies die letzte Nacht auf einem kommerziellen Campingplatz in den Kimberleys werden.
Am nächsten Tag ging es zurück zur Gibb River Road. Ein riesiges Schild wies darauf hin, dass alle Flüsse zum passieren freigegeben waren und dass uns LKW von bis zu 65,5 Metern Gesamtlänge entgegenkommen könnten. Ein staubiger Weg von über 700 Kilometern unbefestigter Straße lag vor mir und meinen Mitreisenden. Und so machte ich mich auf, die Gibb River Road zu bereisen. Meine ersten zwei Stops befanden sich relativ am Anfang der Straße. Das Emma Gorge Resort und die El Questro Gorge liegen beide auf Privatgrundstücken und sind ziemlich teuer. Von organisierten Grillabenden bis Hubschrauberrundflügen, wird einem alles geboten. Um zu den Wasserfällen, angelegten Allradstrecken und anderen Sehenswürdigkeiten zu dürfen, musste man bezahlen. Meine Entscheidung fiel dagegen aus. Das waren nicht die wilden Kimberleys , die ich suchte, sondern ein ziemlich großer Ausverkauf. Also zurück auf die Gibb River Road und weiter Richtung Westen.
Von nun an kam eine Weile nichts. Das heißt, Sehenswürdigkeiten, die auch als solche ausgeschildert sind. Aber für Menschen, die sich für Abgeschiedenheit, Weite und Ruhe begeistern können, gibt es dort reichlich zu entdecken. Über Nacht scheint Mensch sein Lager instinktiv in der Nähe von Gewässern aufzuschlagen. Ich habe mich häufig gefragt, welcher Urinstinkt dafür verantwortlich ist. Natürlich sollte man sein Lager nicht zu nahe am Wasser aufschlagen, wegen der im ersten Teil erwähnten Leistenkrokodile. 50 Meter, so lautet die Regel, sollte man wenigstens vom Wasser weg sein, besonders dann, wenn man zeltet. Ich entzündete jede Nacht ein Feuer. Feuer ist ein gutes Mittel sich ungebetene Gäste vom Leib zu halten. Jedoch sollte man auch hier Warnungen unbedingt ernst nehmen. Wenn die Gegend zu trocken ist, reicht ein kleines bisschen Funkenflug um infernale Buschfeuer zu entzünden. Zudem ist darauf zu achten, dass das Feuer, bevor man ins Bett geht, vollständig gelöscht ist. Sand drüber reicht nicht! Womit man wieder bei dem Problem mit der Wasserbesorgung wäre. Dazu habe ich im ersten Teil einiges geschrieben. Auf keinen Fall im Dunkel Wasser holen. Wenn es Zweifel zur Sicherheit gibt, sollte man immer lieber mal früh ins Bett gehen und kein Feuer machen.
Meine Erfahrung ist, dass man an Flussüberquerungen meistens ziemlich schöne Plätze für ein Nachtlager findet. In der Regel kann man sehen, dass schon Leute vor einem dieselbe Idee hatten. In dem Fall sollte man bereits vorhandene Feuerplätze für das eigene Feuer wählen, da sonst auf kurz oder lang der ganze schöne Platz von Feuerstellen verunstaltet ist. Es versteht sich auch von selbst, dass man keine lebenden Bäume absägt. Das Beste ist, wenn man sein Holz bereits auf dem Weg sammelt. Das gilt überall in Australien. Wenn die Leute immer an denselben, bevorzugten Plätzen sammeln, ist das auf Dauer ein schwerer Eingriff in das Ökosystem und man schädigt die Natur, wegen der man eigentlich da ist, nachhaltig.
In einigen Nächten war mir klar, dass ich auf Privatbesitz campe. Das wird in manchen Fällen nicht gerne gesehen aber meistens wird es gar nicht gesehen, da es bei so viel Fläche unwahrscheinlich ist, dass ausgerechnet in der Zeit in der man dort nächtigt, jemand vorbei kommt. Solange es nicht überhand nimmt, stört sich auch eigentlich keiner daran. Nach ca.230 Kilometern auf der Gibb River Road, führt eine Abfahrt Richtung Norden. Ich selbst bin nicht in diese Gegend gereist. Je nachdem wo man hin möchte, sind einige Genehmigungen nötig, da große Gebiete Privatbesitz sind oder aber Aborigine Land. Diesen Teil der Kimberleys zu bereisen dürfte weit größerer Planung bedürfen als ein Trip über die Gibb River Road selbst. Spannend wäre es aber sicherlich.
Folgt man von dort weiter der Gibb River Road Richtung Westen, passiert man viele sehr sehenswerte Orte. Die Barnett River Gorge, die Galvans Gorge und die King Leopold Ranges in denen sich die Bell Gorge befindet. Diese ist nur mit Fahrzeugen zu erreichen, die dafür ausgelegt sind, tiefes Wasser zu durchqueren. Jedoch habe ich selten einen Ort gesehen, der so schön war. Dort ist es sicher schwimmen zu gehen, da die Wasserfälle und Rockpools hoch gelegen und damit für Krokodile unerreichbar sind. Am Ufer sonnen sich dutzende Wasserwarane und die Felsen sind im Laufe von Millionen Jahren so glatt geschliffen worden, dass natürliche Rutschen entstanden sind. Es lohnt sich wirklich sich eine Weile von der Strömung durch die Schluchten und Felsformationen treiben zu lassen. Das Ende wird einem durch einen ca. 10 Meter hohen Wasserfall gesetzt, an dem es keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Bell Gorge ist also ein Muss.
Ca. 80 Kilometer nach der Einfahrt zur Bell George verließ ich die Gibb River Road Richtung Süden. Nach weiteren 130 Kilometern wäre ich in Broome an der Westküste angekommen. Auf den 170 Kilometern bis zum Highway sind die zwei größten Sehenswürdigkeiten der Windjana Gorge National Park und der Tunnel Creek National Park. Die Windjana Gorge ist eine über 300 Millionen Jahre alte Felsformation, durch die eine Schlucht führt, deren Grund zum Teil mit Wasser bedeckt ist. Hier kann man aus der Nähe Süßwasserkrokodile beobachten und in den Felsen Fossilien von Schalentieren und Fischen entdecken. Bei Sonnenuntergang ist der Eingang zur Schlucht in ein atemberaubendes Licht gehüllt, dass sich im Wasser reflektiert.
Der Tunnel Creek ist, wie der Name vermuten lässt, ein Fluss, der durch eine Höhle führt. Ohne Taschenlampe kommt der Besucher hier nicht weit. So watet man durch bis zu hüfttiefem Wasser durch die Höhle, in der es seltene Fledermäuse wie die Gespenstfledermaus und andere Höhlentiere sowie Felsmalereien zu entdecken gibt. Gelegentlich, so wie bei meinem Besuch, verirren sich Süßwasserkrokodile in die Höhle. Durchquert man aber das Wasser mit genügend Abstand, sind diese Tiere froh, wenn sie ihre Ruhe haben. Der Tunnel Creek Nationalpark ist auch geschichtlich interessant. Ende des 19.Jahrhunderts versteckte sich der Aborigine Widerstandskämpfer Jandamarra in der Höhle und plante von dort Überfälle auf weiße Siedler und Polizisten. Nach einigen Jahren erschoss ein anderer Aborigine ihn, der von der Polizei angeheuert wurde. Fährt man weiter, ist der Highway nicht mehr weit und in Fitzroy Crossing, dem ersten Ort, traf ich nach elf Tagen das erste mal wieder auf Zivilisation.
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Diggers Rest
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Süßwasser-Krokodil
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Aborigine Felsmalereien nahe Diggers Rest
River crossing auf der Gibb River Road