Australien mit dem Auto - Roadtrip
Auto kaufen oder mieten für den Road Trip in Australien? Wie teuer ist welche Variante und welches Auto ist für mich das Richtige? Wie sieht das Prozedere Auto in Australien aus?
Die wohl beste Art und Weise Australien kennenzulernen, ist geradewegs darauf los zu fahren. Wohin und wie lange ist jedem individuell überlassen, doch die große Frage die sich stellt ist, wie? Wie stelle ich es an, an ein Auto zu kommen ohne dass ich meine ganzen Reichtümer dafür opfern muss? Nun, es gibt tatsächlich sehr teure Varianten und im Vergleich sehr billige Varianten.
Mietwagen
Wenn man sich ein Fahrzeug mietet um Australien zu erkunden, sollte man sich vorher genauestens über alle Anbieter informieren, denn es gibt sehr billige und sehr teure Angebote. Die teure Variante ist, sich einfach bei einem Wohnmobil Vermieter ein wegfahrbereites Fahrzeug zu mieten, dass alles beinhaltet: Kühlschrank, Campingausrüstung inklusive Tische, Stühle, Geschirr etc. Der Vorteil dieser Variante ist, dass ein solches Fahrzeug technisch keine Probleme bereiten sollte, da es regelmäßig überholt wird. Diese sorgenfreie, jedoch abenteuerlose Variante kann bis zu 400 AUD pro Tag kosten. Der Vorteil ist, es geht schnell. Hat man also nicht soviel Zeit zur Verfügung, ist dies eine gute Möglichkeit Australien zu erobern. Der Nachteil ist, es tut weh soviel für seinen fahrbaren Untersatz bezahlen zu müssen.
Die billigere Variante ist, sich bei einem Anbieter wie Wicked Campers oder Backpacker Vans ein Mobil zu mieten. Hier hat man verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten zur Auswahl, die sich auch im Preis reflektieren, angefangen bei 60 AUD pro Tag. Man hat also die Möglichkeit zu kombinieren. Sich einen eher ausstattungslosen Van billiger mieten und selbst Campingausrüstung kaufen, um diese dann am Ende des Trips selber wieder zu verkaufen ist eine sehr geldfreundliche Variante. Auf diese Weise ist es möglich wieder etwas Geld herein zu bekommen. Ganz Schlaue haben es schon geschafft, ihre Dinge mit Gewinn wieder zu verkaufen.
Achtung bei der Miete
Im Großen und Ganzen sind die Standardpakete, und somit die billigere Mietvariante, ausreichend. Auf Australiens Straßen herrscht so wenig Verkehr, dass die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls sehr gering ist. Das Risiko ist nicht sehr groß und die Selbstbehalte sind in Ordnung. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, dies abzuwägen und zu entscheiden, denn nicht jedermann ist ein guter Autofahrer und das Linksfahren ist für einige sicher gewöhnungsbedürftig. Alle Standardpakete sollten ohnehin eine Grundversicherung enthalten, sowie Road Side Assistance. Man sollte sicher gehen, dass diese Dinge im jeweiligen Angebot enthalten sind.
Man sollte sich überdies im Klaren darüber sein, wohin die Reise gehen soll. Viele Straßen Australiens, sogenannte Dirt Roads, sind nur mit Four-Wheel-Drive (4WD) Fahrzeugen zu befahren. Entscheidet man sich also für eine Route, die Dirt Roads beinhaltet, ist man besser beraten sich ein 4WD Fahrzeug zu mieten. 4WD Autos sind teurer als normale Vans und verbrauchen mehr Benzin. Man kommt ohne 4WD natürlich auch durch das Land, denn alle Hauptrouten sind gut ausgebaut und entlang dieser gibt es genug zu sehen. Noch dazu sind auch die meisten Nationalparks gut ausgebaut und zum größten Teil ohne 4WD befahrbar. Es ist allerdings sehr zu empfehlen, auch abseits der ausgebauten Straßen zu fahren, und sich die abgelegenen Regionen anzusehen. Außerdem erhöht dies den Abenteuer Faktor.
Four Wheel Drive
Sollte man sich für die 4WD Variante entscheiden, ist es wirklich wichtig eine Road Side Assistance zu besitzen (vor allem wenn man technisch nicht sehr versiert ist). Dirt Roads verlangen teilweise sehr viel von den Fahrzeugen, dafür darf man durch Flüsse und Gorges fahren. Auf jeden Fall ist es zu empfehlen, eine gut ausgerüstete Werkzeugkiste und einen Kompressor zusätzlich zu den mindestens zwei Reservereifen mitzunehmen. Man weiß ja nie wie lange es dauert, bis die Road Side Assistance wirklich kommt, wenn man weit abseits von allem ist, oder wie lange es dauert bis man diese kontaktieren kann. Erhältlich sind diese technischen Hilfsmittel am besten im Internet oder bei Bunnings (Baumarkt in Australien). Es lohnt sich auf jeden Fall zu vergleichen, denn es ist möglich diese Dinge richtig billig zu bekommen. Am Ende des Trips kann man diese Dinge sehr gut wieder verkaufen. Die Reisekultur in Australien ist unglaublich ausgeprägt und es gibt immer jemanden, der die Reise, die man selbst gerade beendet, erst beginnt. Ist man selbst technisch eher unbegabt, lohnt es sich trotzdem diese Dinge mitzunehmen, da es nie allzu lange dauert, bis das nächste Auto an einem vorbeifährt. Die Hilfsbereitschaft in Australien auf der Straße ist unglaublich groß, was auch notwendig ist. Es schadet also nicht das richtige Werkzeug schon mal bereit zu haben. Man sollte sich auf jeden Fall vor dem Trip erklären lassen, wie man einen Reifen wechselt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man das mal tun muss ist ziemlich groß.
Ein Auto kaufen
Wenn man viel Zeit zur Verfügung hat und die Reise einige Monate dauern kann, lohnt es sich auch ein eigenes Fahrzeug zu kaufen. Man kann es zum Ende der Reise wieder verkaufen, meist ohne Verlust, und bezahlt somit nur für die Betriebskosten des Wagens. Zum Vergleich: Mietet man einen 4WD Landcruiser der mittleren Preiskategorie um 125 AUD pro Tag, so kostet dies zuzüglich aller Taxen, wie zum Beispiel der One-Way-Fee ca. 8000 AUD (ca. 5500 EUR) für zwei Monate. Für dasselbe Geld, kann man bereits einen guten Landcruiser kaufen und danach wieder verkaufen. Selbst wenn man 1000 AUD beim Verkauf draufzahlt, so hat man sich theoretisch doch 7000 gespart.
Achtung beim Kauf
Zu bedenken beim Kauf ist natürlich, dass die Betriebskosten nicht nur Benzin inkludieren, wie beim gemieteten Wagen, sondern schon auch mal einen Ölwechsel bei all den Kilometern die man fährt oder sonstige Dinge die anfallen, wie Scheibenwischerflüssigkeit oder ein zusätzlicher Reservereifen sowie geplatzte Reifen. Über Versicherungen sollte man sich erkundigen, jedoch haben registrierte Autos in Australien eine Grundversicherung. Auf jeden Fall muss man sich in der zuständigen Behörde erkundigen, um genaue Informationen zu erhalten. (wie z.B. VicRoads im Bundesstaat Victoria). Jedes Auto, dass man kaufen oder verkaufen möchte, benötigt ein Road Worthy Certificate (TÜV Überprüfung). Es ist ab dem Tag der Überprüfung 30 Tage lang gültig. Verkauft man sein Auto innerhalb dieser Zeit nicht, muss man eine neue Überprüfung machen. Möchte man ein Auto kaufen, ist es auf jeden Fall ratsam, das Auto in eine Werkstatt zu einer Pre-Purchase Inspection (Ankaufsüberprüfung) zu stellen. Das ist nicht all zu teuer und kann vor bösen Überraschungen bewahren.
Um die sogenannte Rego, so nennen die Australier die Registration, zu bekommen muss man oft beweisen, dass man in dem jeweiligen Staat ansässig ist oder Freunde hat. Diesen Prozess erfolgreich zu beenden scheint oft schwieriger, als er dann im Endeffekt ist. Oft reicht es, das Auto auf eine P.O. Box zu registrieren. Und auch wenn die Behörde eine lokale Führerscheinnummer verlangt, so reicht oft die internationale oder eigene von zuhause. Es lohnt sich auf mit anderen Reisenden zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. Dinge ändern sich oft und es gibt immer jede Menge Leute, die das gleiche was man gerade durchmacht erst vor kurzem selbst durchgemacht haben. Man findet in jedem Hostel wertvolle Tipps, man darf nur nicht all zu scheu sein.
Verkauf
Wenn man vor hat sein Fahrzeug in einem anderen Staat zu verkaufen, als man es gekauft hat, oder in dem es registriert ist, so sollte man sich das noch einmal überlegen. Am einfachsten ist das Auto im dem Staat, in dem es registriert ist wieder zu verkaufen. Alles andere bringt nur Sorgen und Schwierigkeiten mit sich. Verkauft man ein Auto in einem registrierungsfremden Staat, so ist es ein Ding der Unmöglichkeit, ein Road Worthy Certificate zu bekommen, welches man aber unbedingt für den Verkauf benötigt. Bekommt man kein Certificate, muss das Auto abgemeldet werden und im jeweiligen Staat neu registriert werden. Das ist viel aufwändiger und teurer als eine simple Rego Überprüfung, denn dafür muss das Auto auf die Pits. Das bedeutet, dass das Auto einer sehr genauen Überprüfung unterzogen wird, die auch nicht sehr billig ist. Jeder Staat hat andere Registrierungsvoraussetzungen (in Western Australia benötigt man zum Beispiel eine Wegfahrsperre, in anderen Staaten nicht) und so kann es sein, dass man auch noch zusätzliches einbauen muss. Kein Mensch kauft gerne so ein Auto. Man kann natürlich auf alle möglichen Art und Weisen tricksen, jedoch ist dies nicht empfehlenswert und auch nicht gut für die Nerven. Man sollte nach Möglichkeit seine Reise danach planen und sie so enden lassen, dass der Verkauf kein Problem ist. Man sollte für den Verkauf des Autos 2 bis 3 Wochen einrechnen, also sich für eine Stadt entscheiden, die man gerne besser kennenlernen würde. Die Vehicle Registration wird in jedem Staat von Australien separat gehandhabt. Alle Informationen dazu findet man aber auf den jeweiligen Webseiten der Staaten in Australien.
Betriebskosten
Zuzüglich zur Miete des Fahrzeugs kommen auch Betriebskosten. Die Miete stellt nur sicher, dass man ein Fahrzeug zur Verfügung hat. Das Benzin in Australien zählt nicht zu den billigsten der Welt. Natürlich ist es billiger als in Europa, jedoch gilt das oft nur für die großen Städte. Je weiter man in die Einsamkeit fährt, umso teurer wird der Sprit. Oft ist er mehr als doppelt so teuer wie in einer Stadt, und bei mehr als zwei AUD pro Liter auch oft teurer als in Europa. Wenn man bedenkt, dass ein 4WD mindestens ca. 12- 15 Liter verbraucht und je nach Tankgröße ca. alle 500 km vollgetankt werden muss, kommt es einem am Ende doch Recht teuer. Es lohnt sich auf jeden Fall es auszurechnen. Eine gute Faustregel ist: Man benötigt immer mehr als man denkt, deshalb sollte man gleich mehr einkalkulieren.
Geht man zum Beispiel von der Route Melbourne – Perth über Darwin aus, so rechnet man grob mit 8.000 km. Dazu rechnet man einen Puffer von 3.000 km ein, den man auf Nebenstraßen und kleineren Zwischenwegen verbringt, so kommt man auf 11.000 km. Rechnet man mit einem 60 Liter Tank, den man alle 500 km auffüllt, so kommt man auf einen Verbrauch von 12 Litern pro 100 km. Auf 11.000 km sind dies 1.320 Liter. Rechnet man dies durchschnittlich mal 1,80 AUD, so kommt man auf eine Summe von 2.475 AUD (ca.1.700 EUR). Dies ist durchaus realistisch und Geld, das einfach weg ist sobald man es verfahren hat. Je nach Verbrauch des Wagens kostet es natürlich mehr oder weniger. Für einen 4WD muss man jedoch mit ungefähr diesem Verbrauch rechnen und mit mehr, wenn man viel Zeit auf Dirt Roads verbringt.
Zubehör zum Auto
Wenn man vor hat, sich für einige Zeit aus der Zivilisation zurück zu ziehen, benötigt man einiges an Zubehör. Auf keinen Fall vergessen sollte man folgendes:
Campingausrüstung
Sehr wichtig ist ein Gaskocher. Man möchte trotz allen Abenteuers die Möglichkeit haben zu kochen. Überraschenderweise ist es möglich mit wenigen Ressourcen die besten Mahlzeiten zu zaubern. Ein zwei-flammiger Herd ist Mindestausstattung, dazu die passende Gasflasche. Man sollte diese der Autogröße anpassen, aber auf keinen Fall eine zu große kaufen. Sie halten in der Regel sehr lange wenn man ganz normal kocht und man möchte ja nicht den ganzen Platz im Auto der Gasflasche opfern. Dazu benötigt man natürlich Geschirr und Besteck (mind. 2 Töpfe, Pfanne, Schüssel, Rührwerkzeuge, Messer, Gabel, Löffel, Becher zum Trinken, Utensilien zum abwaschen). Man kann dies ganz praktisch alles in eine Plastikbox packen und im Auto verstauen.
Auch sehr wichtige Mitglieder der Campingausrüstung sind zusammenklappbare Stühle und ein Tisch. Man will auf jeden Fall dazu in der Lage sein, abends draußen zu sitzen, zu essen, zu trinken und die Umgebung und die Leute (wenn welche da sind) zu genießen.
Wassertank
Ein Wassertank sollte mindestens 80 Liter beinhalten. Er erlaubt es einem flexibler und sorgenfreier zu sein. Man kann sich auch mal spontan niederlassen, ohne sich über die Versorgung groß Gedanken zu machen. Man kommt damit zu zweit auch einige Tage aus, wenn man sparsam ist.
Roofrack (Dachgepäckträger – Korbversion, nicht Schienen)
Sollte auf jedem Autodach montiert sein. Durch dieses Utensil kann man das Auto von unnötigen Dingen bzw. Dingen, die man nur selten braucht (Benzinkanister, Wasserkanister, Tisch, Stühle, Boogy Board etc.) frei und geräumig halten.
Benzinkanister
Ein Benzinkanister sollte auf jeden Fall mit von der Partie sein, am besten zwei. Nicht vergessen auch vollzufüllen. Oft sind die Distanzen zwischen zwei Tankstellen größer als man denkt. Vor allem auf Dirt Roads sehr zu empfehlen, da es oft hunderte von Kilometern kein Benzin gibt. Man ist auch in diesem Fall flexibler und sorgenfreier unterwegs, wenn man einen dabei hat. Er erlaubt es einem auch, an Tankstellen Benzin mitzunehmen, an denen es billiger ist, wenn man zum Beispiel weiß, man wird in eine Region fahren in der es sehr teuer sein wird.
Musik
Es ist unerlässlich, viel und gute Musik auf einen Road Trip nach Australien mitzunehmen. Die Distanzen sind wahnsinnig groß und die Landschaft dazwischen oft nicht sehr abwechslungsreich. Adapter, falls im Auto keine Mp3-Player Vorrichtung vorhanden ist, gibt es im Elektro-Geschäft. Man kann all dies sehr günstig gebraucht erstehen. Immer nur in den lokalen Hostels die Aushänge checken oder im Internet suchen. Grundsätzlich gilt: Wenn man vor Ort ist, einfach jemanden fragen. Es gibt immer jemanden, der die Antwort weiß.
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