Autofahren in Lissabon ist nichts für schwache Nerven
Autofahren in Lissabon macht einfach keinen Spaß. Das Parken auch nicht. Autofahren in Lissabon ist nichts für schwache Nerven, schon gar nicht im Urlaub.
Im Großen und Ganzen erreicht man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Lissabon jedes Ziel. Taxis sind außerdem reichlich vorhanden und oft ist ein kurzer Fußmarsch die schnellste Lösung. Trotzdem können oder wollen manche Lissabon-Besucher nicht darauf verzichten, sich in den Straßenverkehr der portugiesischen Hauptstadt zu wagen. Im Folgenden nun einige Tipps, um die Abenteuer auf Lissabonner Straßen einigermaßen unbeschadet zu überstehen.
Nein, es herrscht keine völlige Anarchie auf den Straßen Lissabons. Die meisten Autofahrer legen den Gurt an, so gut wie alle Motorradfahrer sind mit Helm unterwegs. Seit einigen Jahren gibt es auch in Portugal eine Art TÜV, die Anzahl der uralten Rostlauben auf Lissabons Straßen hat dadurch sichtbar abgenommen. In der Regel wird an roten Ampeln angehalten, und sogar Zebrastreifen werden meistens beachtet. In Rom oder Athen geht es bestimmt schlimmer zu.
Warum macht es trotzdem keinen Spaß, in Lissabon Auto zu fahren? Der Gründe sind zahlreich: Es ist viel Verkehr. Fast immer und fast überall. Auf ein paar besonders notorischen Verbindungen ist der tägliche Dauerstau zur Normalität geworden. Besonders die Tejo-Brücke "Ponte 25 de Abril" samt ihrer Zufahrten ist permanent überladen. Auf der "Segunda Circular" zwischen Flughafen und Benfica ist es nicht besser, ebenfalls ständig überlastet ist die "Avenida Marginal", die von Lissabon an der Küste entlang Richtung Cascais führt. Die gesamte Lissabonner Innenstadt ist auch ständig überfüllt; dazu kommt eine komplizierte Verkehrsführung mit vielen Einbahnstraßen, Abbiege-Verboten und ewig wandernden Baustellen. Viele Straßen sind holprig, da sie aus Kopfsteinpflaster bestehen, dazu kommen Straßenbahnschienen und Schlaglöcher. Fahrbahn-Markierungen sind oft schlecht, verblichen und unklar. Fährt ein Ausländer langsam, weil er sich unsicher ist oder etwas sucht, wird das sofort mit Protesthupen einheimischer Fahrer bestraft.
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Die Lissabonner haben eine ausgesprochene Abneigung gegen das Blinken. Ob Abbiegen, Halten, Hakenschlagen oder Einparken: geblinkt wird allenfalls sporadisch. Umso häufiger wird der Warnblinker eingeschaltet, vor allem als Entschuldigung beim - mehr oder weniger - kurzen Anhalten an den unmöglichsten Stellen. Ebenso ungern schalten die portugiesischen Autofahrer die Scheinwerfer ein. In der Dämmerung wird gern mit Standlicht gefahren, erst wenn es gar nicht mehr anders geht, also bei völliger Dunkelheit, wird notgedrungen das Abblendlicht eingeschaltet. Diese vornehme Zurückhaltung wird mehr als ausgeglichen durch den Dauergebrauch der Hupe, führend dabei sind Lissabons Taxifahrer. Aber auch die anderen Lissabonner Autofahrer haben es fast immer eilig und fahren recht sportlich und mit intensivem Hupen-Einsatz. Drängeln, Kurvenschneiden und Überholen an den unglaublichsten Stellen sind Alltag auf Lissabonner Straßen. Für Ausländer ungewohnt sind die vielen Motorräder und Roller, deren Fahrer sich an Ampeln oft waghalsig durchschlängeln und die grundsätzlich dort auftauchen, wo man sie nicht erwartet. Fahrräder dagegen sind absolute Raritäten in Lissabon.
Hat man trotz allem unversehrt sein Ziel erreicht, so bleibt immer noch ein Problem: wo parken? Es gibt nicht ansatzweise genug legale Parkplätze für die Lissabonner Automassen. Im Zentrum gibt es einige Tiefgaragen, z.B. Restauradores oder Praca de Comercio, wo man außerhalb der Stoßzeiten gewisse Aussichten auf einen Parkplatz hat. Wer erstmal einen Platz gefunden hat, wird sich wundern: die Lissabonner Parkgebühren sind weit weniger exorbitant als etwa in London oder Paris, aber zu dem freudigen Erlebnis, einen Parkschein für einen legalen Parkplatz ziehen zu dürfen, kommt es oft gar nicht.
So hat sich eine tagtägliche Falschpark-Kultur entwickelt, deren Leidtragende hauptsächlich die Fußgänger sind. Geparkt wird rücksichtslos und überall, auf Zebrastreifen, Gehwegen, Verkehrsinseln, Grünflächen und natürlich in zweiter oder sogar dritter Reihe. Kein freies Fleckchen, das dem scharfen Blick des Lissabonner Kraftfahrers nicht entginge. Trotzdem sollte man sich nicht dazu verführen lassen, ebenso leger zu parken wie die Lissabonner. Die meisten Parkverstöße bleiben ungeahndet, aber wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Der Einsatz von Abschleppwagen und Radkrallen ist verbreitet - auch schon bei vergleichsweise geringen Verstößen wie Überschreiten der Parkzeit. Zwar versuchen die Behörden unentwegt, die Parkerei in halbwegs geordnete Formen zu lenken, der Erfolg der Bemühungen ist aber eher mäßig und selbst die Androhung drakonischer Strafen beeindruckt die Lissabonner Autofahrer offenbar nicht sonderlich.
Wer glaubt, dass sein Auto abgeschleppt wurde, kann eine SMS an die Nummer 3838 schicken, um sich zu vergewissern. Man tippt "reboque" und seine Autonummer ein und erfährt dann, falls das Auto abgeschleppt wurde, wo es sich befindet. An vielen Ecken stehen selbsternannte Parkplatz-Einweiser, manchmal sogar in pseudo-offiziellen Phantasie-Uniformen. Sie dirigieren die Autofahrer mit großen Gesten in Parklücken und erhoffen sich dafür ein Trinkgeld. Einige Stadtviertel wie Alfama und Santa Catarina sind nur für Anwohner befahrbar. An den Zufahrten gibt es versenkbare Poller. Selbst wenn diese für längere Zeit unten sind, was oft vorkommt, sollte man nicht der Versuchung nachgeben und einfach in eine gesperrte Straße einfahren. Entweder gelangt man nicht wieder hinaus, weil bei der Rückfahrt der Poller wieder oben ist, oder man verirrt sich in einem Labyrinth aus engen und steilen Gassen. In anderen Stadtteilen gibt es Ansätze eines Anwohner-Parksystems. Die Parkplatz-Beschilderung "para residentes com distico da zona" bedeutet, dass die Plätze nur für Anlieger bestimmt sind.
Die Verkehrsregeln in Portugal sind im Wesentlichen so wie überall in Europa auch. Das Tempolimit auf Autobahnen ist 120, auf Landstraßen 90 und innerorts 50. In Lissabon gibt es, sehr zum Verdruss der einheimischen Autofahrer und äußerst ungewöhnlich für Portugal, ein paar fest installierte Radar-Anlagen zur Geschwindigkeits-Kontrolle, z.B. im Marques-Pombal -Tunnel. Die meisten portugiesischen Autobahnen kosten eine Mautgebühr ("Portagem"), die Autobahnen und Schnellstraßen in Lissabon sind allerdings kostenlos. Auf beiden Lissabonner Tejobrücken wird Maut für stadteinwärts-fahrende Autos erhoben. Der Preis für einen PKW ist 1,40 Euro auf der Ponte 25 de Abril und 2,35 Euro auf der Ponte Vasco da Gama. An den Mautstationen möglichst Kleingeld bereithalten und nicht auf die "Via Verde" Spur fahren, denn diese ist Vielfahrern mit einem Windschutzscheiben-Aufkleber zur automatischen Abbuchung vorbehalten. Achtung: Beim Befahren der Ponte 25 de Abril nicht über laute Geräusche und seltsames Fahrgefühl wundern. Beides wird dadurch verursacht, dass die Fahrbahn größtenteils nicht aus Asphalt, sondern aus Gitter-Stahlmatten besteht.
Die Benzinpreise sind etwas höher als in Deutschland. Benzin heißt Gasolina, der Zapfhahn dafür ist grün markiert. Ein Liter Gasolina 95 kostet etwa 1,40 Euro. Das teurere Gasolina 98 braucht kaum ein Motor. Diesel wird auch "Gasoleo" genannt und ist schwarz markiert. Der Abstand zwischen Benzin und Dieselpreis hat sich in den letzten Jahren immer mehr verringert, im Augenblick kostet Diesel auch schon über 1,20 Euro. Aus der Zeit, als Diesel noch spürbar billiger war, rührt die Tatsache her, dass über drei Viertel aller portugiesischen PKWs einen Dieselmotor haben. Auch vom Diesel gibt es eine teurere und angeblich leistungsfördernde Variante, "Ultimate" genannt. Etwas billiger ist der Treibstoff an freien Supermarkt-Tankstellen. Entlang der spanischen Grenze gibt es einen regen Tank-Tourismus ins Nachbarland.
In Lissabon sind alle internationalen und eine Reihe örtlicher Autovermietungen vertreten. In den Flughafen-Büros, wo die meisten Autos übergeben werden, ist es oft laut und hektisch. Wer mehr Zeit und Ruhe bei der Auto-Übernahme haben möchte, sollte sich überlegen auf ein Büro anderswo in der Stadt auszuweichen. Viele Firmen haben beispielsweise Büros in den großen Hotels. Bei der Übernahme unbedingt abklären, ob das Auto mit vollem oder leerem Tank übergeben und zurückgebracht wird! Manche Firmen versuchen auch, für die erste Tankfüllung bei der Übergabe Geld zu verlangen, natürlich oft mit gepfeffertem Aufschlag. Die Notrufnummer bei Unfällen, egal ob Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr, lautet 112. Der Pannenhilfsdienst hat in Portugal leider keine einheitliche Nummer. Viele Autovermietungen haben eigene Pannen-Hotlines - bei der Übergabe danach erkundigen! Wie überall auf der Welt sollte man keine Wertsachen im Auto lassen, auch wenn sich in Lissabon für Großstadtverhältnisse die Kriminalität noch in Grenzen hält.
Die Wegweiser sind manchmal etwas unübersichtlich, dazu kommt die portugiesische Vorliebe für Abkürzungen. Die äußere Lissabonner Autobahnumgehung heißt CREL bzw. A9, die innere Umgehung nennt sich CRIL oder IC 17. Auf manchen Wegweisern steht nur lapidar "Ponte / Sul", das ist dann ein Hinweis auf die Ponte 25 de Abril und die A2 in Richtung Alentejo und Algarve. Theoretisch ist Handy-Benutzung während der Fahrt verboten und wird mit mehreren Hundert Euro Strafe geahndet. Praktisch aber telefonieren die Lissabonner nach Herzenslust während der Fahrt, oft unter den Blicken der desinteressierten Polizei. Und nun viel Glück auf den Straßen von Lissabon und "Boa Viagem"!
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