Brancoveanu Palast in Mogoşoaia bei Bukarest

Der Brancoveanu Palast, 15 km nordwestlich von Bukarest, im venetianischen Stil bietet ein reizvolles Ziel für einen mehrstündigen Ausflug.

Anfahrt zum Brancoveanu Palast aus Bukarest

Mogoşoaia eignet sich für einen Halbtagesausflug aus Bukarest und gehört zu den wenigen Sehenswürdigkeiten, die auch bei Schlechtwetter reizvoll sind. Der kleine Ort Mogoşoaia liegt etwa 15 km nordwestlich von Bukarest und ist über die Ausfallstraße Richtung Flughafen zu erreichen. Direkt nach der Brücke vor Otopeni biegt man rechts in die Zufahrt zur „Centura“ (Lkw- Umfahrung Bukarest) ab und folgt dieser in westlicher Richtung bis Mogoşoaia. Die Anlage des Brancoveanu Palastes liegt auf der linken Seite der Hauptstraße und ist durch ein altes, leicht zu übersehendes Hinweisschild ausgezeichnet. Die holprige Zufahrtsstraße führt direkt zum Eingang des Komplexes, der innen über einen großen Besucherparkplatz verfügt.

Der Schlosspark von Brancoveanu

Das Schloss Brancoveanu ist von einem  Park mit großzügig angelegten Wiesen und beeindruckenden uralten Bäumen umgeben, der zum Spazieren oder Picknicken einlädt. Leider ist das Ufer zum See verwildert und eher ungepflegt. Im Park befindet sich auch die Gruft der Herrscherfamilien Brancoveanu und Bibescu. Die dem Brancoveanu Palast gegenüberliegende Seeseite ist mittlerweile mit protzigen Villen in kunterbunt gemischten Stilen zugebaut.

Vor dem Tor der Umfriedung des Gebäudekomplexes liegt links eine kleine weiße Kirche, die  dem heiligen Gheorghe gewidmet ist. Sie wurde 1688 von Fürst Constantin Brancoveanu, dem späteren Voievoden der Walachei, erbaut und einen Monat vor dessen Thronbesteigung geweiht. Im Pronaos beherbergt sie ein Votivbild mit einer Darstellung des Fürsten, rechts in Begleitung seiner vier Söhne Constantin, Stefan, Radu und Matei. Auf der linken Seite ist dessen Ehefrau Maria mit ihren sieben gemeinsamen Töchtern  Stanca, Maria, Ilinca, Safta, Ancuta, Balasa und Smaragda abgebildet. Auf der rechten Seite des Pronaos liegt der letzte Inhaber des Brancoveanu Palastes, Prinz George Valentin Bibescu (gest. 1941), begraben. Seine Ehefrau Martha hat sich vor allem um die Restaurierung und Erhaltung des Palastes in Mogoşoaia verdient gemacht.

Veranstaltungsort für Kunst und Musik

Im Hof des Brancoveanu Palastes besticht von Frühling bis Herbst  ein gepflegter, fast immer üppig  blühender Blumengarten, in dem gelegentlich Kunstobjekte aus temporären Ausstellungen zur Schau gestellt sind. Das Schlösschen beherbergt rund ums Jahr wechselnde  Ausstellungen zeitgenössischer rumänischer Künstler. Die Themenpalette reicht von abstrakten modernen Skulpturen über Malerei, Töpferei oder folkloristisch inspirierte zeitgemäße Kunst. Außerdem werden Sommer wie Winter  Musikveranstaltungen angeboten, entweder im Musiksaal des Brancoveanu Palastes oder im Freien. Hier dominiert im Gegensatz zur darstellenden Kunst das Thema Klassik. Über die aktuellen Veranstaltungen erfährt man am besten in der wöchentlich erscheinenden Veranstaltungsbroschüre „Sapte Seri“ (sieben Abende), die in Bukarest in allen Restaurants und Kneipen kostenlos ausliegt.

Die alte Schlossküche

Links vom Eingangstor befindet sich die sogenannte „Kuhnia“, ein quadratisches Backsteingebäude, welches früher die Küche beherbergte, heute jedoch als Ausstellungsraum fungiert. In der Brancoveanu Zeit war es üblich, die Küche weit ab vom Hauptgebäude unterzubringen, um die Gefahr eines Brandes für das Wohnhaus zu minimieren. Zeitgenössische Gäste aus dem Ausland kommentierten diese Merkwürdigkeit oft kritisch, zumal die aufwändig zubereiteten Mahlzeiten stets ausgekühlt waren, bis sie auf den Tisch kamen. Noch heute ist es übrigens in Rumänien auf dem Lande üblich, im Sommer eine Außenküche in Form eines kleinen Häuschens im Hof zu benutzen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes befindet sich ein massiver Gebäudekomplex, der heute als Restaurant und Veranstaltungsort für Hochzeiten benutzt wird.

Der Brancoveanu Palast

Der am See gelegene Palast aus rotem Backstein erweist sich außen wie innen als architektonisches Kleinod von besonderem Reiz. Er gilt als die am besten erhaltene Residenz  des Fürsten Brancoveanu, der weitere Wohnsitze in Potlogi, Doicesti, Brancoveni und Sambata de Sus unterhielt. Der eigenwillige Baustil mit seinen venezianischen Fenstern, orientalisch anmutenden Ornamenten und gedrungenen Säulen wird heute als Brancoveanu Stil bezeichnet. Eine weiße, von Löwenfiguren umrahmte, terrassenartige Treppe führt direkt zum Seeufer. Links und rechts umrahmen Pinien den massiven Prachtbau.

Im Inneren beherbergt der Brancoveanu Palastes auf zwei Etagen verteilt Ausstellungen von  Bildern verschiedener Stilrichtungen, folkloristischen Webteppichen und einigen Kunstgegenständen. Eine begehbare, extrem eng gewundene steinerne Wendeltreppe verbindet die beiden Etagen. Sie fungierte früher angeblich als Geheimaufgang. Die Innenarchitektur besticht durch Säulen, orientalisch anmutende geschwungene Durchgänge, Intarsienböden aus farbigem Marmor und einen strahlend goldenen Mosaiksteinboden in der oberen Etage. Im massiven Kellergewölbe aus rotem Ziegel sind alte Statuen und Fundstücke aus den verschiedenen Renovierungsphasen des Schlosses ausgestellt.

Geschichte des Palastes

Der 1654 geborene walachische Fürst Constantin Brancoveanu erbte das Grundstück von seinem Großvater Preda. Fasziniert von der schönen Lage erbaute er 1688 zuerst die weiße Kirche, bevor er sich entschloss, am Seeufer einen seines Standes würdigen Palast für den Empfang ausländischer Gäste zu errichten - obwohl in Bukarest und Targoviste bereits Höfe existierten. Mogoşoaia wurde bald darauf zum Hauptwohnsitz der Familie Brancoveanu. Das schillernde gesellschaftliche Leben endete jäh am 4. April 1714 mit der gewaltsamen Entthronung Constantin Brancoveanus durch die Türken. Kurz darauf wurde er mit seiner Familie nach Konstantinopel verbracht und dort zusammen mit seinen vier Söhnen  geköpft.

Der Brancoveanu Palast wurde von den Türken konfisziert und ausgeschlachtet, sämtliche Kostbarkeiten wie Tafelsilber, Teppiche und Möbel gingen dabei verloren. Der neue walachische Fürst Stefan Cantacuzino kaufte das Anwesen noch im selben Jahr von den Türken und verwandelte es in einen Gasthof. 1717 geriet der Palast erneut in den Besitz der Nachfahren Brancoveanus, die aus dem von den Türken auferlegten Exil in Kleinasien zurückkehrten. Für kurze Zeit wurde er wieder bewohnt, bis er unter Nicolae Brancoveanu in der Zeit des russisch-türkischen Krieges 1769-1774 wiederum verwüstet wurde - als Racheakt der Türken für Brancoveanus Unterstützung der Russen. 

Der letzte Erbe des Brancoveanu Geschlechtes, Grigore, verließ den Palast 1821 und flüchtete vor dem Eroberer Tudor Vladimirescu nach Brasov. Der Brancoveanu Palast wurde eingenommen und durch einen Brand weitgehend zerstört. 1826 heiratete Zoe Mavrocordat, die Adoptivtochter des kinderlos gebliebenen Grigore Brancoveanu, den neuen Voievoden Gheorghe Dimitrie Bibescu. Nachdem sie 1932 den Brancoveanu Palast in Mogoşoaia erbte, nahm sich Bibescu der Renovierung an, die von 1842-1848 dauerte. Während der Revolution von 1848 dankte Bibescu ab und zog sich ins Exil nach Frankreich zurück. Der Palast blieb im Besitz seines zweitältesten Sohnes Nicolae, der die Renovierung 1860-1880 mithilfe eines französischen Architekten fortsetzte.

Als nach dem Tode von Nicolae Bibescu dessen Tochter Marie-Nicole den Brancoveanu Palast erbte, verfiel dieser aufgrund ihres Desinteresses wieder völlig. 1911 verkaufte sie das gesamte Anwesen an ihren Cousin George Valentin Bibescu und dessen Ehefrau Martha. Martha Bibescu nahm sich erneut der Renovierung an und der Palast wurde mithilfe italienischer Baumeister unter Leitung eines venezianischen Architekten umgestaltet. Mogoşoaia avancierte schnell wieder zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Eine der häufigsten Gäste von Martha Bibescu war ihre Freundin Prinzessin Maria, die spätere Königin Rumäniens, Ehefrau von König Ferdinand I.

1916 unterbrach der Krieg die Restaurationsarbeiten, in deren Zuge Martha zwar in Mogoşoaia blieb, jedoch täglich nach Bukarest fuhr, um in einem von Königin Maria gegründeten Krankenhaus zu arbeiten. Im November 1916 wurde der Brancoveanu Palast von der Deutschen Luftwaffe bombardiert und in weiten Teilen zerstört. 1920 nahm Martha Bibescu erneut die Renovierungsarbeiten auf, die bis 1927 andauerten. Die Innenrenovierung unter der Leitung eines venezianischen Architekten erstreckte sich von 1930-1935. Im Hof wurde ein italienischer Garten angelegt, Pfauen stolzierten dekorativ auf den Wegen. Aus dem Ausland reisten illustre Besucher an: Diplomaten, Schriftsteller (z.B. Antoine de St. Exupery), Künstler, Politiker. Während des Krieges 1940 wurde Mogoşoaia Treffort zahlreicher Diplomaten, die dort als Gäste von Martha Bibescu konferierten.

1945 wurde Martha Bibescu enteignet und verließ Rumänien für immer. Der Brancoveanu Palast wurde zum historischen Monument erklärt. 1949 ging er in den Besitz des rumänischen Staates über. Erneut ging die wertvolle Innenausstattung durch Plünderung verloren. 1957 wurde aus dem Brancoveanu Palast ein Kunstmuseum.

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Autor: Nina May  29.04.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (2) | Nein

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