Bremen - eine Stadt der Geschichten
In Bremen ist die Wirklichkeit durchwoben von kleinen Geschichten, Sagen und Legenden prägen das Stadtbild und werden seit Jahrhunderten weitererzählt.
In Bremen ist die Wirklichkeit durchwoben von kleinen Geschichten. Sagen und Legenden prägen das Stadtbild und werden noch heute weiter überliefert. Inwieweit die Geschichten auf einem wirklichen Geschehen beruhen, ist mir - das sei vorweg gesagt - egal. Sie sind den meisten Einwohnern bekannt und werden seit Jahrhunderten weitererzählt. Es gibt mehr als nur die Bremer Stadtmusikanten, denen der Künstler Gerhard Marks ein Denkmal gesetzt hat. Die blank glänzenden Hufe des Esels zeugen von der Lebendigkeit einer weiteren Überlieferung: Es soll Glück bringen, beide Hufe anzufassen.
Sie stehen neben dem gotischen Rathausgebäude, diesem und dem Bremer Roland wurde 2004 der Status des UNESCO-Welkulturerbes der Menschheit zugesprochen. Sie beide sind Wahrzeichen der städtischen Unabhängigkeit. Sollte der Bremer Roland einmal fallen, so behauptet es eine Überlieferung, werde das Ende dieser Freiheit gekommen sein. Angeblich gibt es für diesen Fall eine Reservestatue, der norddeutsche Pragmatismus lässt auch diese Behauptung wahrscheinlich erscheinen. Der Kopf des Wahrzeichens wurde bereits erneuert.
Über den symbolischen Gehalt der Statue hinaus, hat der Bremer Roland auch lange Zeit einen sehr praktischen Zweck erfüllt: An dem Abstand seiner Knie konnte nachvollzogen werden, ob die Händler des dort stattfindenden Marktes ihre Stoffe ehrlich abgemessen haben. Sie markieren nämlich eine Bremer Elle, die Länge in denen die Textilien in Bremen über Jahrhunderte hinweg gemessen wurden.
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Zwischen seinen Füßen ist eine weitere Figur abgebildet: Der "Krüppel". Es gibt zwar die Behauptung, dass der Krüppel signalisiere, dass der Bremer Roland Schutzpatron Verkrüppelter und Obdachloser der Stadt sei, mir persönlich gefällt eine andere Überlieferung besser - Schutzpatrone gibt es meiner Ansicht nach genug. Direkt hinter dem Bremer Hauptbahnhof erstreckt sich ein sehr schöner und großer Stadtpark. Dieser sei ehemals im Besitz der Gräfin Emma gewesen, die den Bremer Bürgern versprochen habe, ihnen das Stück Land abzugeben, das der am stärksten verkrüppelte Bewohner der Stadt an nur einem Tag ablaufen könne. Der Krüppel am Bremer Roland erinnere an die erstaunliche Leistung des verkrüppelten Mannes, dem es gelang ein zweihundertundzwei Hektar großes Gebiet abzugehen und somit in den Besitz der Stadt zu bringen.
Neben dem Rathaus steht der beeindruckende St.-Petri-Dom. Nördlich, im Domshof findet sich ein Spuckstein, der an die letzte Hinrichtung in der Stadt erinnert. Gesche Gottfried hatte zuvor fünfzehn Menschen - zunächst Familienmitglieder, später auch Freunde und ihre Vermieterin - mit Arsen tödlich vergiftet, weiteren Menschen geringere Dosen verabreicht. Auch die gruselige Geschichte dieser Frau, die ihre Opfer hingebungsvoll pflegte, wird gerne erzählt und weitergegeben. Der Abscheu gegen Morde findet heute noch Ausdruck, in der Gewohnheit auf diesen Stein beim Vorübergehen zu spucken.
Ein kleines Stück weiter in Richtung Weser befindet sich das Schnoor-Viertel, Bremens ältestes Stadtviertel, in dem schmale verwinkelte Gassen zwischen Häusern des 15. und späterer Jahrhunderte hindurchführen. Ein Spaziergang hier entlang gibt einem das Gefühl in einer anderen Zeit zu leben und regt dazu an, sich selber Geschichten auszudenken und Märchen zu erzählen. Am Wochenende sind hier viele Touristen unterwegs.
In die andere Richtung, an der alt-ehrwürdigen Bremer Handelskammer vorbei, führt der Weg zur Böttchergasse. Im Mittelalter wurden hier die Waren zwischen Weser und Markt transportiert, heute beeindruckt die Architektur, die selber an alte Märchen erinnert. Das Haus der Sieben Faulen und der Sieben-Faulen-Brunnen von Hoetger am Paula-Modersohn-Becker-Haus erinnern an das Märchen. Jeder, der es noch nicht kennt, sollte sich spätestens hier von den faulen Brüdern erzählen lassen. Als sie nach ihrer Wiederkehr technische Verbesserungen an dem heimatlichen Hof vornehmen, werden sie von den Nachbarn ausgelacht, die diese Verbesserungen nur als Ausdruck von Faulheit verstehen. Die Architektur vom Haus Atlantis ist inspiriert durch die gleichnamige Utopie.
Es gibt noch so viele verschiedene Geschichten rund um den Bremer Stadtkern, aber auch um die anderen Bezirke, dass ich sie hier nicht alle erzählen kann. Und auch heute noch werden verschiedenste Geschichten überliefert. Nicht alle Legenden ruhen in der mittelalterlichen Vergangenheit, wie zum Beispiel die Entstehungsgeschichte des "Viertels" in seiner jetzigen Form zeigt. Ein eingeschränktes Sanierungsverbot der Stadt sollte hier die Grundstückspreise fallen lassen, damit die Stadt sich den Aufkauf für den Bau eines Straßenprojektes leisten könne, wurde mir einmal erzählt. Jedoch sei nicht damit kalkuliert worden, dass dabei auch die Mietpreise fallen und die neueingezogene Studentenschaft über Zeit und Vernetzungsmöglichkeiten verfüge. Es sei ihnen gelungen, das Bauvorhaben zu vereiteln und das beliebte Viertel zu etablieren. Die Zeit des billigen Wohnens zumindest ist vorbei.
Mittlerweile erzählen natürlich auch die BremerInnen nicht mehr nur urtümlich Bremer Geschichten weiter. Kostproben gibt es zum Beispiel auf einem nachbarschaftlich-internationalen Erzählfestival, "Feuerspuren" in dem Stadtteil Gröpelingen Anfang/Mitte November. Dies ist ein Geheimtipp für alle, denen die Legenden der Stadt noch nicht ausreichen und die sich lustvoll Märchen und Geschichten aus aller Welt hingeben können.
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