Buchen Urwald in der Eifel - Wandern im Ruheforst Hümmel
Wo findet man ihn noch, den Buchen Urwald in der Eifel? Nun, beim Wandern im Ruheforst Hümmel unter uralten Bäumen in der Stille der Natur, denn Ruhe ist unter allen Wipfeln
Bildet man aus den drei Städten Blankenheim, Münstereifel und Adenau ein Dreieck, dann liegt mittendrin der kleine Ort Hümmel. Hümmel ist eingebettet in die Berge und Wälder, in die Wiesen und Felder des Mittelgebirges Eifel unweit des oberen Ahrtales. Hümmel, das habe ich doch schon mal gehört, mag sich der eine oder andere denken. Stimmt, denn Hümmel ist die Heimat eines modernen Weltreisenden. Andreas Kieling, der mittlerweile berühmte Tierfilmer, ist hier zu Hause, wenn er denn mal zu Hause ist. Aber Hümmel, das am äußersten westlichen Eck des nördlichen Rheinland-Pfalz Gebietes liegt, hat noch ganz andere Dinge vorzuzeigen. Zum Beispiel hat Hümmel einen Förster, der sich äußerst unbeliebt gemacht hat in seiner Zunft. Als er sein Buch "Wald ohne Hüter" veröffentlichte, stach der Förster Peter Wohlleben in ein Wespennest. Eine solche Nestbeschmutzung konnte und wollte sich die forstwirtschaftliche Obrigkeit nicht bieten lassen. Dabei war Wohlleben nur darauf aus, kritisch die Missstände der deutschen Forstwirtschaft aufzuzeigen.
Als Förster in Hümmel hat er seit über zehn Jahren zusammen mit der Gemeinde - und das dürfte einzigartig sein - ganz andere Wege beschritten und dort sein Traumrevier gefunden. Wer ist schon einmal auf einem Friedhof wandern oder spazieren gegangen? Ja, vielleicht auf einem uralten Parkfriedhof, aber niemals in einer solchen Umgebung, wie es sie hier in Hümmel gibt. Da steht ein Jahrhunderte alter Buchenwald, der nie ernsthaft die Motorsäge spüren musste, den keine Maschinenungetüme durchpflügten. Unter den Kronen der mächtigen Bäume ist es ganz still. Farne und andere Pflanzen, die allzu viel Licht scheuen, wachsen am Boden und auch junge Buchen, die sich ausgesät haben. Wo es eine Lichtung gibt, da grünt und blüht es mit Gräsern und Büschen und dem Buchennachwuchs. Naturverjüngung nennt man das, wenn die Bäume sich ganz natürlich fortpflanzen können und dürfen. Man läuft unter den uralten Wipfeln des Buchenwaldes auf verschlungenen Pfaden oder Forstwegen, wird eingeladen, durch den viele Hektar großen Wald zu gehen, ganz gezielt auch abseits der Wege.
Nachweislich geht dieser Buchenwald tatsächlich auf einen Eifelurwald zurück. Und aus diesem herrlichen Fleckchen Erde entstand der Ruheforst Hümmel. Die Bäume selbst sind so genannte Ruhebiotope, die als letzte Ruhestätten ausgewählt werden können. Jeder Baum hier trägt eine Nummer und ist grundbuchmäßig erfasst. Auf 99 Jahre kann man das Nutzungsrecht in Form eines Gemeinschaftsbiotopes mit zehn Beisetzungsstellen für Mitglieder verschiedener Familien oder ein Familienbiotop mit zehn Ruhestätten, nur für die eigene Familie, erwerben. Die Beisetzungen erfolgen in biologisch abbaubaren Urnen, Grabpflege gibt es nicht, ist auch nicht gestattet, denn alles soll hier den Gang der Natur gehen. Forstwirtschaft gibt es im Ruheforst Hümmel nicht. Lediglich Gefahren wie abgebrochene Äste werden aus den hohen Bäumen entfernt, zur Sicherheit der Fußgänger. Kein Gefühl von Friedhof kommt auf im stillen Forst und das soll auch so sein, hier findet man zu sich selbst und seinem Seelenfrieden.
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Solch ein Ruheplatz ist natürlich nicht umsonst. Die Gebühren für das 99-jährige Nutzungsrecht sind für Gemeinschaftsbäume, gestaffelt nach kleiner, mittlerer und großer Baumgröße 498,80 Euro, 800,- Euro und 997,60 Euro. Familienbiotope kosten in der Größenstaffelung 2900,-Euro, 4060,-Euro und 5220,- Euro. Beim Familienbiotop ist ein Namensschild enthalten. Ebenso enthalten ist der Eintrag in ein kundenspezifisches Biotopregister, das Hinzufügen zum Grundbuch sowie eine Urkunde mit der Einmessung und Darstellung in einer Karte. Hinzu kommen Gebühren in Höhe von 197,20 Euro für die Bestattung und 98,80 Euro für die biologisch abbaubare Urne.
Die Gemeinde Hümmel hat natürlich noch weit mehr Wald, als den des Ruheforstes, dessen Idee sich in Deutschland fortgepflanzt hat. Hümmel ist mit seinem forstwirtschaftlichen Konzept eigene Wege gegangen. Hat die Ausbeutung des Waldes hinter sich gelassen und ökologische oder zumindest waldbaulich unbedenkliche Wege eingeschlagen. Hier gibt es weder Kahlschläge noch Chemieeinsatz. Waldarbeiter und Pferde ersetzen Holzvollernter. Totholz wird erhalten und nicht aus dem Wald geräumt und es gibt auch keine Trophäenjagd mehr. Konsequent wird aus einem 'normalen' Wald wieder ein urwaldähnlicher Wald geschaffen, indem man ihn sich, wo immer es geht, selbst überlässt. Das Motto des Ruheforstes ist sinngemäß: Ruhe ist unter allen Wipfeln, so man dem Förster und seiner Gemeinde Hümmel die selbige lässt. Den Ruheforst und seinen Förster Wohlleben erreicht man im weltweiten Netz, Hümmel aus dem Ahrtal über die L 73 und die L 74 oder über Tondorf auf der B 51. Im ersten Fall 400 Meter hinter dem Ortsteil Falkenberg, im zweiten 3 km nach Tondorf ist der Parkplatz des Ruheforstes ausgeschildert. Für den Autoverkehr ist am Parkplatz Schluss, aber Wanderer sind im Ruheforst herzlich willkommen.
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