Bukarest einmal ganz anders - Geheimtipps
Bukarest, einmal abseits der ueblichen Pfade und mit anderen Augen gesehen: Nobelviertel Dorobant, Chinesenmarkt, Vergnuegungspark Herastrau
Bukarest einmal ganz anders
Rumäniens Hauptstadt Bukarest liegt im Zentrum der walachischen Tiefebene und wird von den Flüssen Dambovita und Colentina durchkreuzt. Bukarest hat durchaus interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten, wird jedoch kaum zum Zentrum touristischer Aktivitäten avancieren. Bausünden, Schmutz und unsägliche Staus nahmen der Stadt Bukarest, die in vorkommunistischer Zeit oft mit Paris verglichen wurde, viel von ihrem früheren Charme. Dennoch ist Bukarest erlebenswert – vor allem, wenn man sich neben den klassischen Sehenswürdigkeiten auch einen Eindruck der in den üblichen Reiseführern nicht erwähnten Viertel verschafft. Hier drei Geheimtipps, die Bukarest einmal von einer ganz anderen Seite zeigen...
Dekadentes Nobelviertel Piata Dorobantilor
In Bukarest prallen Gegensätze aufeinander wie in keiner anderen rumänischen Stadt: im sogenannten Nobelviertel im Norden, der Piata Dorobantilor (sprich: Piazza dorobantzilor) verkehren Jaguar- und Maibachfahrer, die sich gerne mit stöckelbeschuhten, leichtbekleideten Stadtschönheiten in den angesagten In-Cafes zeigen. Die Luxuswägen werden von selbsternannten Parkwächtern im Bettlerstatus in die knappen freien Parklücken eingewiesen, die hierfür gnädig einen kleinen Schein zugesteckt bekommen. Im Glaspalast des Einkaufszentrums „Mario“ kann man handgemachte Vanilleseife kaufen, die wie Eiscreme aussieht, oder eine Handtasche für einen durchnittlichen rumänischen Monatslohn. Vor dem Dorobant Markt, der glattpolierte Importfrüchte zu mehr als stattlichen Preisen bietet, hockt ein altes Mütterchen am Boden und verkauft selbstgesammelte Kräuter. Ein paar Schritte weiter säugt eine struppige Straßenhündin unter einem protzigen Geländewagen ihre Jungen, umgeben von Essensresten und Wasser in abgeschnittenen Plastikflaschen, von mitleidigen Bukarestern gespendet.
Die Straßen brillieren hier durch tiefe Schlaglöcher wie überall, die Häuser sind häßlich grau, dafür gibt es einen gigantischen Werbefernsehschirm an der Hauswand direkt vor der Kreuzung, gleich über dem Sushi Laden und der französischen Bäckerei, in der ein Teilchen soviel kostet, wie eine rumänische Bäuerin in einer Woche ausgibt. Westlich des Piata Dorobantilor befindet sich ein – noch – sehenswertes Villenzentrum, in dem sich zahlreiche diplomatische Niederlassungen befinden. Die zum Teil aufwändig renovierten Häuser brillieren durch alte Stuckelemente und Säulen, romantische Türmchen und Erker, gepflegte Vorgärten und edles Schnitzwerk. Leider werden immer mehr alte Villen abgerissen, weil sich deren Bewohner den Erhalt oder die Renovierung nicht leisten können. An deren Stelle greifen bauliche Todsünden um sich: mitten hineingepferchte Glaspaläste und Bürotürme, errichtet von Spekulanten, denen nicht selten noch während der Bauphase das Geld ausgeht...
Der Bukarester Chinesenmarkt
Ein krasser Gegensatz dazu ist der sogenannte Chinesenmarkt (Dragonul rosu) am anderen Ende der Stadt. Im Bukarester Stadtviertel Colentina bei der Ausfahrt Richtung Urziceni parkt man am besten rechts vor der Brücke und begibt sich zu Fuß auf Entdeckungsreise. Den Geldbeutel sollte man in dieser Gegend gut festhalten, Schmuck und teure Brillen lieber zuhause lassen. Dennoch ist der Chinesenmarkt einen Streifzug wert! Er ist Umschlagplatz sämtlicher legaler, halblegaler und illegaler Aktivitäten von in Bukarest ansässigen Ausländern. Neben Chinesen tummeln sich hier türkische, kurdische und arabische Geschäftsleute, die auf winzigen Ständen exotische Lebensmittel, Billigkleidung, gefälschte Uhren und anderen Ramsch zu absoluten Spottpreisen anbieten. Hier kann man Tofu oder getrocknete Tintenfische erwerben, neben Kinderunterwäsche, Herrenjacken im Military Look und edel aussehenden Lederstiefeln, die trotzdem nur ein paar Euro kosten.
Kinder-Vergnügungspark am Herastrau See
Ein Bummel durch Bukarester Parks zeigt schnell, wie kinderfreundlich Rumänen sind. Fast überall gibt es Rutschen, Karussels, Klettergerüste oder ähnliche Vergnügungen. Wer Kinderspaß in Bukarest hautnah erleben will, begibt sich am besten am Wochenende in den Vergnügungspark, der gleich hinter dem Dorfmuseum liegt. Man erreicht diesen entweder von der Kiseleff Straße aus, oder vom Herastrau Park aus (links nach dem Bootsanlegesteg die Treppe hoch). Dort beobachtet man zuckerwatteschleckende, verklebte, aber glückliche kleine Wesen, die einer anderen Welt zu entstammen scheinen. Buben wagen übermütige Saltos in einer Hüpfvorrichtung mit elastischen Seilen. Mädchen strahlen mit fliegenden Zöpfen aus dem achterbahnähnlichen Fahrzeug, dessen freundlicher Ungeheuerkopf eher an einen grinsenden Hund erinnert. Die ganz Kleinen werfen sich übermütig in die schwankenden Wülste einer Hüpfburg, vor der perfekt geschminkte, entzückend gekleidete „Mamicas“ geduldig ausharren. In Bukarest macht man sich noch richtig schick für den Sonntagsausflug! An zahllosen Ständen kann man rosa Zuckerwatte, geröstete Nüsse und Popcorn erwerben, oder bunte Kreisel, Luftballons und neonfarbene Stachelbälle, die aufblinken, wenn man sie zusammendrückt.
Bukarest – Rumäniens untypische Hauptstadt
Keinesfalls darf man von dem Eindruck aus Bukarest Rückschlüsse auf das übrige Rumänien ziehen! Man stelle sich vor, dass das Schicksal dieses weitgehend aus Bauern und Hirten hervorgegangenen Volkes, das teilweise noch auf dem Niveau des vorigen Jahrhunderts stehen geblieben ist (auch im positiven Sinne), von dieser völlig gegensätzlichen Hauptstadt aus gelenkt wird. Während in weiten Landesteilen ganze Dörfer ohne Kanalisation, Gas oder Leitungswasser auskommen (man heizt mit Holz, kocht mit Gasflaschen, schöpft Wasser aus dem Ziehbrunnen und geht noch wie zu Uromas Zeiten auf das Häuschen im Hof), mangelt es den Bukarestern in den letzten Jahren an nichts mehr. Einkaufen nach Herzenslust kann man im Baneasa Einkaufspark im Norden von Bukarest, der an verregneten Wochenenden ganze Familien anlockt, die sich zum Schauen und Staunen durch IKEA, Carrefour oder die Baumärkte wälzen. Zwei moderne Malls bieten der Jugend neben dem üblichen modischen Schnickschnack Kinos und Fastfoodbuden als beliebte Treffplätze. Der oft unerfüllbare Konsumrausch schmerzt in Bukarest ganz anders als auf dem Lande, wo man mit einem paar Badeschlappen und Gummistiefeln locker durchs ganze Jahr kommt...
Gefährlich ist Bukarest übrigens nicht: Tagsüber kann man sich überall hin wagen, sollte jedoch an belebten Plätzen auf Handtasche und Geldbeutel (niemals in der Gesäßtasche tragen) gut aufpassen. Auch Trickbetrüger gibt es in Bukarest gelegentlich, vor allem in der von Touristen frequentierten Innenstadt. Diese suchen sich gezielt ratlos herumstehende Ausländer aus und bitten diese um Geldwechsel oder täuschen eine Zivilpolizeikontrolle vor - danach fehlt ein Schein im Geldbeutel oder das Handy, das auf einem Second Hand Markt landet. Aktive Bettler sind in Bukarest übrigens weniger präsent als in anderen europäischen Städten (Rom, Paris). Es empfielt sich eventuell, ein paar Ein-Lei Scheine in der Hosentasche mitzuführen, damit man den Geldbeutel nicht auspacken muss.
