Bummel durch die Bukarester Altstadt
Die Altstadt von Bukarest bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten, Läden mit Glaskunst und Antiquitäten.
Die Bukarester Altstadt erreicht man besten vom Piata Unirii (U-Bahn Station) zu Fuß in Richtung Casa Poporului und biegt die erste Querstraße rechts ein. Die Altstadt ist nur tagsüber während der Geschäftszeiten (9:00-18:30, samstags 9:00 bis 14:00) einen Besuch wert, abends wirkt sie eher ausgestorben. Der heutige Altstadtkern stellt nur einen kleinen Kern der früheren Altstadt Bukarests dar, die leider von Ceausescu fast vollständig demoliert wurde. Die aus mehreren Parallelstraßen bestehende Fußgängerzone mit Kopfsteinpflaster und architektonisch interessanten Häusern präsentiert sich als gewagtes Konglomerat aus alt und neu. Neben verstaubten Geschäften und billigen Imbissbuden mit Plastikstühlen eröffneten in den letzten beiden Jahren mehrere moderne Läden, Lokale und Straßencafes.
Ein Bummel durch die Altstadt von Bukarest lohnt sich vor allem wegen der vielen Glasgeschäfte, die für jeden Geschmack etwas bereit halten, von Kitsch bis zu hochwertiger Kunst. Dort findet man Gläsersets, aufwändige Lampenschirme und dekorative moderne Kunstobjekte. Die Preise sind, verglichen mit Deutschland, extrem günstig. Herumschnuppern lohnt sich, denn unter der auf den ersten Blick mangels Präsentationstalent kitschig wirkenden Warenfülle findet sich so manches wirklich schöne Stück.
Auch ein Besuch der in der Bukarester Altstadt dicht gesäten Antiquitätenläden, in denen Kunst und Ramsch fließend ineinander übergehen, bietet einen reizvollen Zeitvertreib. Die Antiquitätenpreise sind allerdings überhöht, die Objekte meist stümperhaft oder gar nicht restauriert. Vom Kauf von Antiquitäten wird eher abgeraten, zumal Rumänien eine Ausfuhr von „Patrimoniu“ verbietet und der Käufer durch ein kompliziert zu beschaffendes Dokument beweisen muss, dass es sich bei dem erworbenen Gegenstand nicht um rumänisches Kulturerbe handelt. Auffallend und typisch für Rumänien sind die vielen Hochzeitsgeschäfte, in deren Auslagen üppige Brautkleider – meist aus billigen glänzenden Materialien - zur Schau gestellt werden.
Sehenswürdigkeiten im Bereich der Altstadt von Bukarest
Lipscani Straße: Die bekannteste Straße ist die sogenannte Lispcani, die ihren Namen den früher hier Handel treibenden Leipziger Geschäftsleuten verdankt. Das als Erweiterung des alten Fürstenhofes erbaute Lipscani Viertel galt zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert als wichtigstes Handelszentrum der Walachei und existierte bereits vor der Gründung der Stadt Bukarest (20. September 1459). 1692 wurde die Lipscani Straße auf Anordnung des Fürsten Constantin Brancoveanu mit Eichenblöcken gepflastert, um eine Verbindung zwischen dem Herrenhof und dem „Podul Mogosoaia“ (der heutigen Calea Victoriei) herzustellen, die direkt zur Sommerresidenz des Fürsten in Mososoaia führte. Die Eichenblöcke können heute im Eingangsbereich des Hanul lui Manuc (direkt neben dem alten Fürstenhof befindlich) bestaunt werden.
Unter dem Pflaster der Lispcani Straße wurden die Überreste zahlreicher mittelalterlicher Gasthäuser ausgegraben. Davon ist heute allerdings nichts mehr zu erkennen. Die Gebäude der Bukarester Altstadt, teils im neoklassischen und neobarocken Stil, wurden im kommunistischen Regime als Wohnhäuser an Zigeuner vergeben und befinden sich in desolatem Zustand. Die Lipscani stellt heute eine kuriose Mischung aus üppiger Dekadenz und Verfall, Glanz und Miserie dar und erinnert an Marktviertel in orientalischen Ländern.
Hanul lui Manuc (1808): Beim "Gasthof des Manuc" handelt es sich um eine alte Karawanserei mit Lokal, Weinstube und Hotelbetrieb. Sehenswert ist der rustikale Innenhof, der leider derzeit wegen Renovierung geschlossen ist. Dem 1769 geborenen Gründer Manuc Marzaian wurde von Sultan Mustafa IV. im Jahre 1808 die Würde eines Bei von Moldova verliehen. Manuc hatte sich 1806 infolge des russisch-türkischen Krieges in der Walachei niedergelassen und begann noch im selben Jahr mit dem Bau des Gasthofes, der 1808 fertig gestellt wurde. Das Gelände gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dem Fürstenhof an. Beschreibungen aus dem frühen 19. Jahrhundert zufolge soll die Anlage über 15 Weinkeller, 23 Läden, 10 Lager, zwei große Salons, Küche und Dienstzimmer sowie einen Tunnel verfügt haben, in dem 500 Personen Platz fanden. Für die Unterbringung der Gäste standen 107 Kammern zur Verfügung. Im Innenhof gab es ein Cafe und einen kleinen Garten mit Springbrunnen.
Consignatie Hanul Tei (1833): Über die Lipscani Straße gelangt man in einen reizvollen rustikalen Innenhof, in dem sich mehrere Kunst- und Farbengeschäfte befinden. Hier findet man Antiquitäten, Ölbilder und Malereizubehör.
Curtea Veche: Curtea veche bedeutet "alter Fürstenhof", dessen Ruinen heute in der Bukarester Altstadt bestaunt werden können. Irgendwann in den Jahren 1386-1418 errichtete hier Fürst Mircea Cel Batran (Mircea, der Alte) eine Burg aus Ziegeln mit Wassergraben. Im 15. Jahrhundert erhob Vlad Tepes die Burg – neben der in Targoviste - zum Herrschersitz der Walachei. Der alte Fürstenhof, bestehend aus dem Voievodenpalast, einer Kirche, Häusern mit Empfangssalons, Scheunen und Gärten wurde 1718 nach einem Brand und 1738 nach einem verheerenden Erdbeben in Bukarest unbrauchbar. Im 18. Jahrhundert wurde der neue Fürstenhof, Curtea Noua, errichtet. Die Ruinen des Voievodenpalastes gehören heute zum Museum Curtea Veche.
Sticlarie veche (alte Glaserei): Leider gibt es den alten Glashof nicht mehr, in dem man rumänischen Glasbläsern vor einem altmodischen Schmelzofen bei der Arbeit zusehen konnte. Heute befinden sich dort statt dessen Glasgeschäfte, eine Tiffany-Kunstwerkstatt und ein Restaurant.
Stavropoleos Kirche (1724): Die im Brancoveanu-Stil von dem griechischen Mönch Ioanichie erbaute kleine Kirche in der gleichnamigen Stavropoleos Straße zeichnet sich durch Säulen, florale Dekorationselemente und einen ruhigen steinernen Innenhof mit Grabsteinen, Säulen und Statuen aus. Der Innenhof wurde von einem der bekanntesten Bukarester Architekten, Ion Mincu, entworfen, der im Jahre 1899 die Kirche restaurierte.
Caru cu Bere (Bierwagen): An der Kreuzung der Stavropoleos Straße mit der Calea Victoriei am Rande der Altstadt von Bukarest gelegenes altes Bierhaus im neogotischen Stil, wegen seiner Innenarchitektur und Dekoration unbedingt sehenswert. Im Restaurant kann man auch einfach nur ein Glas Bier aus der hauseigenen Brauerei trinken. Früher trafen sich hier Schriftsteller, Politiker und Intellektuelle zu Diskussionen.
CEC Palast: Das an der Calea Victoriei gelegene, architektonisch imposante Glaskuppelgebäude der Privatbank CEC (sprich: tschek) konnte man früher auch innen besichtigen. Heute ist es für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich und lohnt daher kaum noch einen Besuch.
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