Burg Sponheim in Kastellaun im Hunsrück
Burg Sponheim in Kastellaun im Hunsrück ist ein Zeitzeuge des Mittelalters, in dessen aufgebauten Gemäuern heute das Treiben und der Frohsinn der früheren Jahrhunderte für Kurzweil sorgt.
Weit zurück in der Geschichte reichen die ersten Siedlungsnachweise im Hunsrück. Kelten waren bereits 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung dort, zwischen Nahe und Mosel, zu Hause. Später folgten die Römer, doch auch deren Zeit im Siedlungsraum Hunsrück ging irgendwann ihrem Ende entgegen. Liegt auch viel Dunkelheit im Wissen über das erste Jahrtausend so folgte der zentrale Bereich des Mittelalters im Anfang des 2. Jahrtausends, der heute zunehmend transparent ist. In diese Zeit fällt die Herrschaft des Geschlechts der Grafen von Sponheim. Diese war seit spätestens 1237 unterteilt in die Vordere und die Hintere Grafschaft, beide Bereiche hatten Besitztümer vom Nordpfälzer Bergland bis an die Mosel. Der Wechsel einzelner Burgen und Besitze in der Zugehörigkeit zu den Grafschaften unterlag später auch familiären Einschnitten durch Heirat, Tod und Erbfolge.
Einer der Sitze der zunächst Vorderen Grafschaft war die Burg in Kastellaun. Sie entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und war Sitz des Grafen Simon II. und seiner Frau Elisabeth. Durch Erbschaft wurde 1417 die Hintere Grafschaft Besitzer von Burg und Stadt Kastellaun, nach Aussterben der Sponheimer gelangte der gesamte Besitz in die Hände der Markgrafen von Baden, Teile später an die Pfalzgrafen. Ende des 18. Jahrhunderts fiel Kastellaun an das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, ab 1798 war es durch Napoleon französisch besetzt und wurde 1815 Teil des Deutschen Reiches.
Die Burg ist eine Spornburg oder Höhenburg, die auf einem zirka 20 Meter hohen Schieferfels über der Stadt erbaut wurde. Sie war Teil der Stadtmauer, die im Mittelalter der Sicherung des Marktfleckens Kastellaun diente. Bereits 1305 bekam Kastellaun durch Graf Simon II. Stadtrechte, im Jahr 1309 erteilte Kaiser Heinrich VII. Kastellaun das Marktrecht. Im 17. Jahrhundert versuchte Ludwig XIV., der französische Sonnenkönig, die Kurpfalz zu unterjochen, wobei seine Soldaten zahlreiche Burgen und Siedlungen zerstörten. Dieser Zerstörungswut fiel auch Burg Kastellaun 1689 zum Opfer. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Nichts als spärliche Ruinengemäuer blieben über den Fundamenten.
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Als die Stadt 1884 die damals in Privatbesitz befindliche Burg kaufte, begannen bald umfangreiche Restaurierungsarbeiten. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte erneut ein Wiederaufbau, 1999 und 2005 baute man das erste und zweite Burghaus neu auf. Dort in der Unterburg gibt es seit 2007 eine Dauerausstellung unter dem Namen Haus der regionalen Geschichte, die die Siedlungsgeschichte des frühen Hunsrücks bis in die heutige Zeit belegt. Die Burgbühne ist Ort von Theateraufführungen, Konzerten und Krippenspielen. In den Gemäuern der Ruine finden mittelalterliche Märkte und ritterliches Treiben ihren Platz.
Ob geschulte Burgführer Wissenswertes für den Gast aufbereiten oder der Nachtwächter die Kinder durch dunkle Gassen der Altstadt zur Ruine hinaufführt, über Langeweile kann man sich in Kastellaun sicher nicht beschweren. Zur Sättigung hungriger Mägen und wohlverdientem Durstlöschen laden die Burgrestaurants ein zum Kerkeressen im Kellergewölbe oder bei schönem Wetter in den Biergarten. Wer's so richtig mittelalterlich mag, dem winkt die Taverne mit echtem Flair vergangener Jahrhunderte.
Kastellaun liegt an der Bundesstraße B 327, die in Koblenz beginnt, die Autobahn A 61 kreuzt und 20 km weiter auf den Flughafen Hahn trifft. Die Stadt ist somit verkehrsgünstig angebunden sowohl zum Rheintal wie auch ins Rhein-Main-Gebiet und an den Trierer-Luxemburger Raum. Unweit Kastellauns liegt das Wiesengelände Beller Markt, das bereits seit Jahrhunderten Markt- und Viehhandelsplatz im engen Zusammenhang mit der Stadt Kastellaun ist. Spätestens seit 1925 wurde daraus ein Jahrmarkt, der neben dem Markttreiben und dem immer noch präsenten Viehhandel als Kirmes seit 1950 jährlich am vorletzten Mittwoch im Juli stattfindet. Früher war der Mittwoch nach dem Jakobstag - das ist der 25. Juli - der Markttag, doch war man der Meinung, dass es an diesem Tag zu oft regnete. So verlegte man den Markttag auf den vorletzten Mittwoch im Monat. Nun regnet es an genau diesem Tag in acht von zehn Fällen. Der Beller Markt ist für die angrenzenden Gemeinden so etwas wie ein Nationalfeiertag, der zigtausende von Besuchern aus nah und fern anlockt.
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