Cayma – ein charmanter Stadtteil von Arequipa in Peru
Arequipa in Südperu ist ein wahrer Touristenmagnet. Der Stadtteil Cayma vereint Eleganz und Rustikalität - ein charmantes Viertel in einer lebendigen Stadt.
Die Herkunft des Namens Cayma ist nicht allzu poetisch. Denn vermutlich leitet sich der Name dieses Viertels von Arequipa von dem Quechua-Wort "q’ayma" ab. Das bedeutet nämlich so viel wie „schlecht gewürzt, geschmacklos“. Besonders gegenwärtig ist den Bewohnern von Arequipa diese Bedeutung aber nicht. Ähnlich wie sein pittoreskes Nachbarviertel Yanahuara hat der Stadtteil Cayma für Touristen wie Einheimische eine ganze Menge Schmackhaftes zu bieten – nicht nur im übertragenen Sinne.
Hoch über Arequipa – das Viertel von Cayma
Um aus dem Zentrum von Arequipa nach Cayma zu kommen, muss man den Río Chili überqueren. Der am häufigsten genutzte Zugang ist die wuchtige Steinbrücke Puente Grau, über die täglich endlose Blechkolonnen von Taxis und Kleinbussen fahren. Im Vergleich zum Zentrum liegt Cayma etwas höher, fast schon an den Flanken des Chachani, eines der drei Vulkane von Arequipa. Wenn die Bewohner von Cayma sich im Zentrum von Arequipa verabreden, dann sagen sie deshalb: „Ich fahre mal runter.“ Und wenn ein Caymeño sagt, dass er auf dem Weg „nach oben“ ist, dann heißt das für gewöhnlich: nach Hause.
Vom Puente Grau führt die vielbefahrene Avenida Ejército zunächst noch durch den Ortsteil Yanahuara, bis sie von der steil ansteigenden Avenida Cayma geschnitten wird. Fast genau an der Ecke befindet sich das Kaufhaus Saga Falabella, von den Einheimischen kurz „Saga“ genannt. „Vamos a Saga“, wir gehen ins Saga, das hört man immer wieder in Arequipa, und jeder weiß, was damit gemeint ist. Unter Jugendlichen fungiert das Saga oft als Treffpunkt - egal, ob man jetzt vorhat, darin letztlich einkaufen zu gehen oder nicht.
Shoppen im Saga Falabella – Die luxuriöse Seite von Cayma
Das Saga ist in gewisser Weise ein Symbol für die elegante Seite von Cayma, das Gesicht der Bessergestellten. Es ist ein für Peru recht untypisches Kaufhaus, bei dessen Betreten man sich eher in einer Filiale von Galeria Kaufhof und Konsorten vermuten würde. Hochglanz, wohin das Auge blickt, teure Markenartikel, die teilweise sogar in Deutschland günstiger zu bekommen ist – wer im Saga einkaufen geht, der kann es sich wirklich erlauben, und deswegen ist das Shoppen an der Avenida Cayma für viele auch ein Statussymbol.
Ansonsten befindet sich im Saga auch ein Kino, das Cineplanet, in dem sich nahezu die gesamte Kinokultur der Stadt abspielt. Zu sehen sind hauptsächlich Blockbuster und Hollywoodfilme, für viele Peruaner ist der Kinobesuch ein kleiner Luxus. Gegenüber des Kinos bieten Burger King und KFC frittiertes Fastfood feil: Für das Geld, das man hier drinnen für einen Hamburger bezahlt, kann man direkt vor der Tür zehn Burger vom Straßenhändler verdrücken.
Cayma rustikal – Rund um die Plaza de Cayma
Das Saga und seine Geschäfte spiegeln den Teil von Cayma, der einer wohlhabenden Oberschicht gehört, die am liebsten nach europäischen Idealen leben möchte. Es ist zugleich das moderne und urbane Gesicht eines Stadtteils, der bei näherem Hinsehen viel komplexer ist – ein anderes Cayma wartet in unmittelbarer Nachbarschaft. Folgt man nämlich der Avenida Cayma, findet man jene pittoresken Zonen des Stadtteils, die ihn nicht nur bei seinen Bewohnern so beliebt machen.
Herz des Viertels ist die Plaza de Cayma, ganz im matten Weiß des vulkanischen Tuffsteins namens sillar gehalten, aus dem in Arequipa viele koloniale Bauten sind. Die kleine Kirche an der Plaza de Cayma und die Fassade des Rathauses, der Municipalidad, sind gleichermaßen mit steinernen Reliefs verziert. Cayma, das sind gedrungene flache Steinhäuser und romantisch enge und schattige Gassen mit teils holprigem Kopfsteinpflaster, in denen es sich gut und recht sicher flanieren lässt.
Adobo essen in Cayma, ein kulinarischer Geheimtipp
Hier bewahrt Cayma noch viel von seinem dörflichen Charakter, hier spürt man, wie es nur an die Stadt Arequipa herangewachsen ist. Am Sonntag öffnen die Lokale rund um die kleine Plaza ihre Türen: Dann gibt es Adobo, eine Art schweres Gulaschgericht, das traditionell am Sonntag gegessen wird, weil es so schwer im Magen liegt, dass es einem unter der Woche das Arbeiten erschweren würde. Guter Adobo wird mit einem Gläschen Pisco heruntergespült, und in Cayma ist man stolz auf Tradition und Ruf des sonntäglichen Adobos: Keine Spur von q’ayma, von Geschmacklosigkeit!
Zuwanderung aus dem Colca-Tal
Andererseits darf nicht vergessen werden, dass der Stadtteil mit seinen malerischen Gässchen und grünen Kuhweiden mitten im Stadtbild auch ein Zentrum der Migration ist. Die Straße aus der Provinz Caylloma führt seit langem über Cayma nach Arequipa, deswegen lassen sich besonders viele Migranten aus dieser Hochlandregion hier nieder – Caylloma, das ist das Gebiet des Colca-Tals, das die meisten Touristen von Arequipa aus besuchen. Je höher man kommt, je kleiner das Stadtzentrum in der Ferne wird, desto ärmer wird auch das Viertel: Viele Bewohner von Alto Cayma („Hoch-Cayma“) haben noch nie in ihrem Leben das Saga von innen gesehen.
Mit Bus und Combi nach Cayma
Für Streifzüge bleibt Cayma ein lohnender Ort. Vom Zentrum aus ist das Viertel mit zahlreichen Kleinbussen (combis) zu erreichen, die alle an dem Schriftzug „Cayma“ auf der Frontscheibe zu erkennen sind, der Fahrpreis liegt unter einem Sol (rund zwanzig Cent). Ein Taxi bis zur Plaza Cayma sollte nicht mehr als vier Soles (einen Euro) kosten. Die meisten Combis aus dem Zentrum fahren über die Avenida Ejército und lassen einen auf Wunsch auch ganz bequem gegenüber vom Saga aussteigen.
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