Christmas-Shopping in New York
Es weihnachtet sehr - und ganz besonders in New YorkCity. Zwischen Shoppingwahn und Superlative. Mehr Weihnachten geht nicht.
Jedes Jahr nach dem Thanksgiving-Dinner klettern alle New Yorker bei Nacht und Nebel auf Balkon und Fensterbank, um Lichterketten zu installieren. Ebenso haben sämtliche Dekorateure der Stadt eine Feiertagsschicht eingelegt und sind in ihre Schaufenster gestiegen. Eine konzentrierte Aktion, die New Yorküber Nacht in dieses Christmas-Klischee verwandelt, das man aus den alten Metro-Goldwyn-Meyer Filmen kennt: lebensgroße Weihnachtsmänner in den Schaufenstern, ein rot-grün leuchtendes Tannenbaum-Empire-State-Building und Engelschöre aus jedem Lautsprecher dieser Stadt.
Die Lichterketten in den Bäumen funkeln wie ein Millionenheer von Glühwürmchen und bereits ab dem 25. November wünscht man sich "Frohe Feiertage". Weihnachten in den USA ist nicht kitschig - es hat Tradition. Die großen Kaufhäuser auf der Fifth Avenue liefern sich jedes Jahr ein wahrlich weihnachtliches Wettschmücken. Während der Adventszeit sind die Schaufenster-Dekorationen der renommierten Manhattaner Kaufhäuser Gesprächsstoff in der ganzen Stadt. Barney’s an der Madison Avenue rührt alljährlich mit großen Orchester die Werbetrommel.
Shoppingwahn und Superlative
Auf der Suche nach einem passenden Geschenk landet man bei FAO Schwarz (767 5th Avenue/ U-Bahn 5th Ave Station) einem mehrstöckigen Spielzeug-Kaufhaus an der Fifth Avenue, dessen Besuch gemeinhin als wahre Prüfung im vorweihnachtlichen Shopping gilt. Vorsorglich läuft im New Yorker Spielzeugparadies zur Beruhigung der Nerven ein verdächtig nach James Last klingendes Potpourri aus immer wieder gerne gehörten Evergreens: „Jingle Bells“, Mary’s Boychild“, „Rudolf the Red-Nosed Reindeer“. Letzteres passt ganz gut, immerhin ist es die Spezialität von FAO Schwarz, Stofftiere im Originalmaßstab zu verkaufen – was bei Rentieren und Geiern ja noch vertretbar sein mag, bei Kamelen und Giraffen aber bedrohliche Formen annimmt. 200 Mann Personal wachen mit Argusaugen über den Ausnahmezustand auf drei Etagen, leisten im Ernstfall Erste-Hilfe bei vorübergehenden Schwächeanfällen und preisen Neuigkeiten an.
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Da die Kaufhäuser und alle anderen Gebäude im Winter völlig überhitzt sind (im Sommer ist es umgekehrt), sollte man unter seiner dicken Jacke etwas Leichtes tragen, ansonsten geht es einem schnell wie einem sündhaft teurem Weihnachtsmann aus edelster Schweizer Schokolade in der Konfiserie-Abteilung bei Bloomingdales - er schmolz dahin. Wenige Tage darauf hatten schlaue Mitarbeiter ihn (oder seinen Nachfolger) dann in eine klimatisierte Acryl-Kiste verfrachtet. Also erst einmal raus und durchatmen!
In der Vorweihnachtszeit genießt der New Yorker traditionell eine Portion heiße Maronen. in der dampfenden Tüte knacken die Kastanien und aus den Kanaldeckeln der Fifth Avenue steigt der Wasserdampf hervor, der sich mit den ersten Schneeflocken des Winters vermischt. Wer noch immer nicht genug vom weihnachtlichen Zauber hat, sollte noch im weltgrößten Konsumtempel vorbeischauen. Macy's zählt mit einer Gesamtverkaufsfläche von 198.500 m² als das größte Kaufhaus der Welt. Zum Vergleich: das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin hat eine Verkaufsfläche von 60.000 m². Die rund 3.000 Macy's-Mitarbeiter verteilen sich auf zehn Etagen. Nach so viel überhitzter Heizungsluft tut ein bisschen frischer Wind um die Nase ganz gut. Gleich nebenan liegt das Empire State Building, dessen Spitze traditionell zur Weihnachtszeit in den Season Colors leuchtet. Bei gutem Wetter heißt es hier allerdings oft Schlangestehen, in den ewig langen Fluren des Empire State Building. Ist man dann aber erst einmal oben wird man mit einer herrlichen Aussicht über ganz Manhattan belohnt.
Ein paar Blöcke weiter befindet sich das Epizentrum des vorweihnachtlichen New Yorks: das Rockefeller Center. Hierhin verfrachtet ein gewaltiger Sattelschlepper Ende November eine in Kanada oder im Westen der USA gefällte Tanne wobei die letzten Meilen der Strecke morgens live im Fernsehen übertragen werden. Hier stecken Bürgermeister und Gouverneur am ersten Dezember-Tag jenen Stecker in die Dose, der 20.000 Lichter am größten Weihnachtsbaum der Welt zum Leuchten bringt.
Noch wichtiger als die Umsätze aber sind die Schaufenster - wenn man in den vier Adventswochen Gespräche der New Yorker belauscht, kann man schnell den Eindruck gewinne, dass diese Schaufenster wichtiger als alles andere auf der Welt sind: Die von Tiffany's zum Beispiel. Und natürlich Saks an der Fifth Avenue, die selbst ernannten Weltmeister im dekorieren, sechs Fenster voll mit bewegtem Puppentheater. Beispielsweise eine animierte Weihnachtsgeschichte wie aus der Augsburger Puppenkiste, ein Märchen, in dem ein kleiner texanischer Junge mit einer von Santa gesandten Flugmaschine über die Kontinente hinweg zur Bescherung fliegt. Wer Weihnachten liebt, sollte einmal in seinem Leben ein New YorkChristmas erlebt haben. Mehr Weihnachten geht nicht!
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