Das Sternberger Land – Entdeckungen jenseits der Oder

Fernzüge und die Autobahn von Berlin nach Warschau (Warszawa) passieren das Sternberger Land. Abseits des Fernverkehrs ist die stille Wald- und Seenlandschaft hinter Frankfurt/Oder noch immer ein Geheimtipp.

Sternberger Land, Ziemia Torzymska: ein deutscher und ein polnischer Name bezeichnen die geruhsame Region im Westen Polens voller Wälder und Seen, umrahmt von den Flüssen Warthe (Warta), Obra und Oder. Jenseits des Grenzflusses gibt es zahlreiche Entdeckungen zu machen. Bis 1945 war auch das Sternberger Land ein Teil von Brandenburg. Seit der politischen Wende von 1989/90 entdecken und bergen die jüngeren polnischen Einwohner an vielen Orten Fragmente der früheren Geschichte ihrer Heimat. Und auch deutsche Hobbyhistoriker kommen in diesem Landstrich auf ihre Kosten. Zum Beispiel wurden die Reste der Altstadt von Küstrin (Kostrzyn) wieder zugänglich gemacht. Von Küstrins Vergangenheit als Festungsstadt zeugen außerdem vier Außenforts, die weit im Vorfeld der eigentlichen Befestigungsanlagen entstanden.

Flussaufwärts wurde einst das Warthebruch wie das Oderbruch kolonisiert und die Menschen nannten ihre Siedlungen Neu-Dresden, Jamaika, Pensylvanien, Korsika oder Malta. Kunersdorf (Kunowice) ist von Frankfurt aus die erste Bahnstation östlich der Oder und war 1759 Schauplatz der Schlacht bei Kunersdorf. Am Ostrand des Sternberger Landes zeugt der Ostwall als Museum und Fledermausquartier von umfangreichen Verteidigungsplänen in den 1930er Jahren. Viele Dörfer zwischen ausgedehnten Feldern haben sich bis heute ihren märkischen Charakter mit Kopfsteinpflaster, roten Ziegelhäusern und alten Kirchen bewahrt, auch Orte wie Reppen (Rzepin) oder Sonnenburg (Slonsk) sind einen Stopp unterwegs wert. Drossen (Osno Lubuskie) war für seine fast komplett erhaltene Stadtbefestigung bekannt.

Geschichtlicher und baulicher Höhepunkt des Sternberger Landes ist das Städtchen Lagow mit seiner urigen Johanniterburg, einzigartig zwischen zwei eiszeitlichen Rinnenseen und ausgedehnten Wäldern gelegen. Überhaupt ist die Natur der größte Trumpf des Sternberger Landes. Der Nationalpark Warthemündung (Ujscie Warty) bei Küstrin ist ein Paradies für zahlreiche Vogelarten. Im Süden, auf die Oder zu, lädt das Bachtal der Griesel (Gryzynka) zum Wandern ein. Ausgedehnte Buchen- oder Kiefernwälder sind ein Markenzeichen der Region. Obendrein lockt im Osten viel Wasser zum Baden, Segeln und Entspannen: Die malerischen Seen in Königswalde (Lubniewice), Lagow und der Große Nischlitzsee (Nieslysz) runden einen gelungenen Kurzurlaub oder Tagesausflug ins Sternberger Land so richtig ab.

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Autor: Nordostblick  25.03.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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