Das Taj Mahal - Die schönste Liebeserklärung der Welt
Ein morgentlicher Spaziergang zu einem der sieben Weltwunder, das Taj Mahal in Agra, Indien.
Das Taj Mahal in Agra, Indien besucht man am besten zum Sonnenaufgang. Dieser Ratschlag unseres Tucktuck-Fahrers passte eigentlich nicht in unsere gemütliche Auffassung von Urlaub. Abholung um 5.30 Uhr am Hotel. Nüchtern. Frühstück gibt es so früh noch gar nicht, außerdem ist zum Essen hinterher Zeit. Zähneknirschend willigten wir ein, da ein Einheimischer, noch dazu einer, der auf unser Trinkgeld angewiesen war, sicher nur Gutes im Sinn hat. Die kleinen Unannehmlichkeiten haben sich mehr als gelohnt!
Morgens bei Sonnenaufgang ist erstaunlich wenig Betrieb um dieses berühmteste Bauwerk Indiens. Anscheinend gibt es nicht so viele Touristen, die freiwillig ihre Urlaubsnachtruhe unterbrechen. Oder andere Fahrer haben weniger Sinn für die Schönheiten ihrer Stadt. Nebelschwaden steigen vom Yamuna her auf. Dunstig zieht sich der Fluss durch die Landschaft. Agra wirkt verschlafen. Es ist frisch für Rajasthan-Verhältnisse. Am Eingang wird man kontrolliert, bezahlt Eintritt und steht dann völlig unvorbereitet vor einem roten Riesenbau. Und das ist nur das Eingangstor. Und wenn man das erst einmal durchschritten hat, dann sieht man es vor sich liegen. Wie in einem Bollywood-Traum. Schneeweißer Marmor, die vier Minarette, dazwischen die Kuppel des Hauptgebäudes, links und rechts gesäumt von zwei Moscheen. Davor erstreckt sich ein Park, geometrische Wasserläufe, Blumen, Bäume und Rasenflächen.
Um 6.00 Uhr morgens hält sich der Ansturm wirklich noch in Grenzen. Es gelingen uns Fotos, die Postkarten-Niveau haben. Für viel Geld kann man sich auch mit dem Taj Mahal fotografieren lassen. Beliebt sind Trickaufnahmen, die suggerieren man hielte das Taj auf der flachen Hand. Das können wir auch selber. Gesagt, getan. Und dann näheren wir uns dem Bauwerk. Fast ein bisschen ehrfürchtig. Es ist wirklich traumhaft schön, atemberaubend und romantisch zugleich.
Will man sich nicht nur von der traumhaften Kulisse hinreißen lassen, so hat man die Möglichkeit an einer Führung teilzunehmen. Die Geschichte des Taj Mahal ist wirklich hörenswert. Denn dieses schneeweiße Mausoleum ist eine einzige Liebeserklärung. Die Liebeserklärung eines Maharajas an seine verstorbene Frau. Hier ließ er sie begraben. Flankiert von zwei Moscheen, von denen nur eine wirklich als solche benutzt werden kann. Denn eine Moschee muss nach Mekka ausgerichtet sein (in diesem Fall nicht Osten, wie bei uns, sondern Westen). Die andere ist eine Attrappe, nur zu geometrischen Zwecken erbaut. Die Marmorplatten zieren arabische Inschriften. Zitate aus dem Koran. Der Maharaja war sehr gläubig. Und sehr verliebt. Die Einlegearbeiten bestehen aus Edelsteinen, schwarzer Onyx, grüne Jade und oranger Carneol. Im Inneren liegt die Grabkammer.
Doch was ist das? Nicht einer, sondern zwei Sarkophage stehen im Halbdunkel unter der Kuppel. Eigentlich wollte der Maharaja am anderen Ufer des Yamuna ein symmetrisches, schwarzes Taj Mahal bauen lassen. Sein eigenes Grabmal. Wenn man den Blick über die sanften Hügel entlang des Flusses schweifen lässt, sieht man es beinahe stehen. Schade, das es nie dazu kam. Der Sohn des Maharajas hatte Angst um sein Erbe, sah die Staatskasse in Gefahr und ließ den liebeskranken Vater kurzerhand einkerkern. Bis zu seinem Tod lebte der alte Maharaja in einem Turm im roten Fort von Agra, mit Blick auf das Taj Mahal, den zumindest gönnte der Sohn dem Vater. Und als er ebenfalls starb, ließ er ihn neben der Mutter beisetzen. Deshalb gibt es heute nur dieses eine Taj Mahal. Das weiße. Und das zählt zu Recht zu den sieben Weltwundern, den antiken und den frisch gekürten neuzeitlichen.
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