Der Fledermaustempel Wat Khao Chong Pran- ein seltenes Naturschauspiel
Jeden Abend strömen Millionen Fledermäuse aus einer Höhle in der thailändischen Provinz Ratchaburi. Bei einem Besuch des Wat Khao Chong Pran kann man hier Zeuge eines einzigartigen Naturschauspiels werden.
Einer der wahrscheinlich sehenswertesten Orte der Provinz Ratchaburi ist der Wat Khao Chong Pran etwa 45 Autominuten südöstlich der Kleinstadt Ban Pong gelegen. Es ist aber auch ein lohnenswerter Ausflug, wenn man sich auf die etwa einstündige Fahrt von Kanchanaburi gen Süden begibt. Der Tempel liegt an einem circa 50 Meter hohen, bewaldeten Hügel und ist auf den ersten Blick von den meisten thailändischen Tempeln nur schwer zu unterscheiden. Auffällig jedoch sind die Säulen, auf denen Fledermausstatuen befestigt sind und auch dieser seltsam beißende Geruch, der die ganze Umgebung vereinnahmt. Der Wat Khao Chong Pran ist ein Tempel, der sich an eine Höhle angliedert, welche Abermillionen von Fledermäusen beherbergt, die jeden Abend den angereisten Touristen ein wirklich erstaunliches Schauspiel bieten.
Wir waren mit unserer thailändischen Gastfamilie zwei Stunden vor Dämmerung angereist und auf dem riesigen Parkplatz vor dem Tempel gab es noch unzählige freie Plätze. Die Bewohner des nahegelegenen Dorfes verkauften Cola, Eis und einige selbstgemachte Leckereien. Außer uns waren vielleicht noch 20 Thais angereist, um sich das Spektakel, welches hier in einer oder zwei Stunden stattfinden sollte, anzusehen. Da noch Zeit war, beschlossen wir zunächst die Tempelanlage zu erkunden. Nur wenige Mönche saßen am Eingangsportal und starrten auf die sich jagenden Straßenhunde. Wir bestiegen ein paar Treppen und langsam nahm der beißende Geruch, der auch schon auf dem Parkplatz zu vernehmen war stetig zu.
Ein Höhleneingang war der Schlund, aus dem sich dieser so ungewohnte Geruch ergoss. Tapfer hielten wir uns die Nasen zu und traten einige Schritte in die spärlich beleuchtete Höhle. Weit kamen wir nicht und nach unserem Ermessen gab es da drin auch nicht viel zu sehen. Einige Buddhastatuen standen an den Wänden und an der Decke konnten wir einen Teppich von Fledermäusen erahnen. Als dann aber die ersten kakerlakenartigen Käfer über unsere Flip-Flops krochen; verließen wir die Höhle flinken Fußes und beschlossen uns lieber die kleine Pagode, die auf dem Gipfel des Hügels stand, zu beschauen.
Die Treppe hinauf war steil und teilweise schon von den Wurzeln der Bäume aufgebrochen. Auf dem Gipfel des Hügels verlief der Weg nun mehr oder weniger eben in Richtung der kleinen goldenen Pagode. Immer wieder drang aus den Ritzen im Gestein der faulige Gestank der Fledermäuse. Ich war unserer kleinen Wandergemeinschaft ein wenig enteilt und unsere thailändische Gastfamilie hatte den Weg nach oben erst gar nicht angetreten, da baute sich vor mir eine Schlange auf. Ich sprang auf, schrie als hätte mich etwas gestochen und sprang gleich noch mal, aber diesmal einige Meter zurück. Die Schlange hatte sich zum Glück genau so erschrocken wie ich und glitt davon. Ich konnte gerade noch ein Foto von ihr schießen. Später identifizierte der Großvater unserer Familie dieses Ungetüm als eine junge Kobra, auf die ich da fast getreten wäre. Zum Glück ist alles noch einmal gut gegangen, von einer Kobraattacke hätte ich mich wahrscheinlich nicht so schnell erholt.
Nach diesem Schreck war die Aussicht dann eine willkommene Ablenkung. Da die Sicht klar war, konnte man weit ins Land schauen und die Reisfelder glitzerten in der sich senkenden Sonne. Nach ein paar Schnappschüssen wanderten wir wieder zum Fuße des Berges, wo unsere thailändische Familie schon auf das Schauspiel wartete. Wir mussten noch eine ganze Weile warten und mit uns warteten inzwischen gut 50 Menschen. Ein kleiner Junge war sogar in einem Fledermauskostüm angereist. Eine Gruppe Thai-Boxer aus dem Dorf drehte gerade ihre Runden zur Erwärmung auf dem Parkplatz, als die erste Fledermaus aus einer Öffnung im Hügel herausgeflattert kam. Aus einem Lautsprecher erklang eine Stimme die erklärte, dass es nun losginge und in den nächsten zwei Stunden nun mehrere Arten Fledermäuse zu Millionen aus der Öffnung strömen würden um in der Region auf Nahrungssuche zu gehen.
Aus dieser einen Fledermaus wurde ganz langsam eine Wolke von Fledermäusen und allmählich begann dieser Schwall, der aus der Höhle strömte, wie eine schwarze Welle zu wirken, die sich über den Horizont ergoss. Das ganze wurde von einem stetigen Surren der kleinen Flügel begleitet und natürlich strömte mit den Tieren auch eine Woge des Gestankes, an den wir uns einfach nicht gewöhnen konnten, mit aus der Höhle heraus. Wir saßen sicherlich eine Stunde auf einer Bank und starrten fasziniert von der Menge an Fledermäusen in den Himmel. Irgendwann wurde es für unsere thailändische Gastmutter dann zu viel und wir fuhren mit dem Auto durch die Felder Ratchaburis nach Hause.
Jedes Mal wenn wir nun eine Fledermaus sehen, denken wir daran zurück, wie wir vor der Höhle am Wat Khao Chong Pran saßen und nicht eine, sondern Millionen Fledermäuse über den Himmel zogen. Das war ein wirklich überwältigendes Naturerlebnis, das man definitiv nicht überall bestaunen kann und ein wirklich guter Grund ist sich auch einmal in eine etwas unbekanntere thailändische Provinz, wie Ratchaburi, zu begeben.
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