Der Herastrau Park in Bukarest
Der Herastrau Park im Norden von Bukarestist das beliebteste Naherholungszentrum der Städter am Wochenende und bietet Freizeitspaß, Restaurants und Nachtleben.
Der 1,1 Quadratkilometer große Herastrau Park im Norden von Bukarest stellt das größte und beliebteste Naherholungsziel der Bukarester Stadtbewohner an Schönwetter-Wochenenden dar. Man erreicht ihn mit der Metro (Station Aviatorilor) oder über den Bulevardul Kiseleff bzw. den Bulevardul Aviatorilor. Im Sommer ist der Herastrau Park oft so überlaufen, dass man kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen kann. Hier finden sich Kinder auf Rädern und Rollschuhen, spazierende Familien, Hundebesitzer, Jogger, alte Leute auf Parkbänken und unzählige Straßenhunde, die vor allem unter den dichten Büschen des Eingangsbereichs wohnen.
Parkeingang
Der Eingang des Herastrau Parks am Piata Charles de Gaulles ist an der überlebensgroßen Statue des französischen Politikers zu erkennen. Dieser Bereich ist glatt geteert und daher ein beliebter Tummelplatz für Inline-Skater und Kinder bzw. Jugendliche auf Fahrrädern – man muss aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Mehrere Springbrunnen und Wasserbecken, üppige Blumenbepflanzung und diverse Statuen beleben diesen Teil des Herastrau Parks. An kleinen Ständen werden Eiscreme, Getränke, Popcorn und billige bunte Spielzeuge feilgeboten. Häufig finden hier Werbe- und Verkaufsveranstaltungen mit unterhaltsamen Darbietungen (z.B. öffentliches Frisieren, massiver Eisberg mit von den Besuchern mit Spitzhacken auszugrabenden Erfrischungsgetränken) oder kulturelle Ereignisse (Musik, Tanz, Theater) statt.
Rundgang um den Herastrau See
Bewegt man sich geradeaus in Richtung Herastrau See, kommt man an einem Ausstellungspavillon für Bilder, an Tischtennistischen und dem sogenannten Japanischen Garten vorbei. Die Wiese vor dem Herastrau See brilliert vor allem im Frühling mit einer unerschöpflichen Pracht an verschiedensten Blumen. Wählt man hingegen den bewaldeten Weg links vom Haupteingang, kommt man an einer ausgedehnten Skater- und Skateboardlandschaft mit Halbröhren und Sprungschanzen vorbei, in der sich stets Kinder tummeln und rhythmische Musik aus rundum angebrachten Lautsprechern dringt. Buden und kleine Lokale bieten einfache Gerichte wie die berühmten „Mici“ (fingerlange gegrillte Hackfleischwürstchen, auch „Mititei“ genannt – beides bedeutet „die Kleinen“) und Erfrischungsgetränke an. Links geht es in weiter in Richtung Dorfmuseum, der Weg geradeaus führt direkt zum Herastrau See. Dort kann man sich entscheiden, ob man den See von links oder rechts umrunden will. Wer einen flotten Schritt hat, braucht hierfür etwa eine dreiviertel Stunde.
Die Roseninsel
Man geht zunächst links über eine kleine Brücke direkt auf die Roseninsel zu. Hier blüht es üppig in allen Farben: Rote, weiße und rosa Rosen ranken auf vorgegebenen Gestellen und Säulen empor. Links und rechts blickt man auf den See, auf dem sich blaue Tretboote tummeln. Am Ufer wachsen Weiden und dekorative blühende Büsche, zwischen denen man häufig verliebte Pärchen überraschen kann. Über den ästhetischen Reiz des mitten auf der Insel errichteten „EU-Denkmals“ lässt sich streiten. Hier ruhen im Kreis aufgebaut die überdimensionalen Köpfe der Gründungsväter der europäischen Union. Die ursprüngliche glänzende Goldlackierung hat man schnell durch matten braunen Lack ersetzt, nachdem die ersten Köpfe bei Nacht und Nebel gestohlen wurden. Auf der linken Seitesieht man die alten Häusern des am anderen Ufer gelegenen Dorfmuseums.
Von der Roseninsel aus führt eine kleine Brücke an bunten Verkaufsständen und einem einfachen Lokal vorbei, aus dem stets laute Unterhaltungsmusik dröhnt, zum Bootsanlegeplatz. Hier kann man Tretboote und Ruderboote mieten, oder mit einem kleinen Ausflugsschiff für wenig Geld eine Rundfahrt auf dem Herastrau See unternehmen. Auf der Brücke sitzt seit Jahren ein alter Mann mit einer Personenwaage, auf der man sich für wenige Münzen wiegen lassen kann. Folgt man links des Weges den flachen Treppen nach oben, so erreicht man den Ausgang des Dorfmuseums (der Eingang befindet sich an der Kiseleff Straße) und einen Vergnügungspark für Kinder mit allerlei Fahrgeschäften, Hüpfburgen und Imbissbuden.
Stille und Natur
Der Weg um den Herastrau See führt am Diplomatenclub mit Golfplatz vorbei, wo es allmählich ruhiger wird. Hier kann man sich auch mal geruhsam ins Gras setzen – lieber nicht zu nahe am See, sonst wird man von den Wellen der Ausflugsschiffe vollgespritzt. Von einem Bad im kühlen Nass ist dringend abzuraten: der Herastrau See ist stark verschmutzt. In der schlimmsten Hitzeperiode im Sommer kippt er sogar regelmäßig um und stinkt unerträglich. Wer sich frühmorgens aufmacht, kann an den ruhigeren Ecken des Herastrau Sees interessante Tiere antreffen, z.B. Wasserschildkröten, Seeschlangen, Eichhörnchen und Igel.
Restaurantmeile und Nachtleben
Über eine Eisenbahnbrücke gelangt man ans andere Ufer des Herastrau Sees, an dem sich eine Sport- und Freizeitanlage, die Kinderinsel (Insula Copiilor) mit Attraktionen für die Kleinen und zahllose Lokale befinden, in denen man an belebten Wochenenden kaum einen Platz ergattern kann. Hier tobt von Mai bis September das Bukarester Nachtleben. Wo früher Plastikstühle auf einfachen Holzplattformen über dem Wasser zu einem Bier aus der Flasche einluden, findet man heute knallrote Plastiksofas unter Blumentopfpalmen, eine Cocktailbar auf dem Piratenschiff oder die schummrige Lounge mit kuscheligen Sofaschaukeln für Verliebte.
Auf der Restaurantmeile des Herastrau Parks trifft man die Schickimickis von Bukarest. In den zahllosen Lokalen kann man meist sehr gut Essen - Reservierungen sind unbedingt zu empfehlen. Von Mücken wird man trotz der Nähe zum Wasser kaum geplagt, da der Herastrau See in regelmäßigen Abständen abends von einem Giftsprühfahrzeug umrundet wird. Eine Go kart-Rennbahn bietet Kindern und Erwachsenen aktiven Fahr- oder passiven Zuschauerspaß. Nach der Restaurantmeile gelangt man über eine kürzlich aufwändig renovierte Schleusenanlage wieder an den Ausgangspunkt des Seespaziergangs.
Im Winter kann man am Herastrau See gelegentlich Eisfischer oder Schlittschuhläufer beobachten. Etwas lästig sind in den Schlechtwettermonaten die vielen Straßenhunde, die sich dort zu Banden zusammenrotten und von Joggern oder ängstlichen Menschen mitunter als aggressiv empfunden werden. Sie ernähren sich im Sommer von weggeworfenen Essensresten oder werden von alten Leuten gefüttert, die im Winter natürlich ausbleiben.
Sehenswürdigkeiten im Umfeld des Herastrau Parks
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des Herastrau Parks sind der Bukarester Triumphbogen sowie das Freiluft-Dorfmuseum „Dimitrie Gusti“, in dem alte Bauernhäuser, Mühlen und Kirchen aus allen Teilen des Landes zusammengetragen und originalgetreu aufgebaut wurden. Manche Häuser kann man auch von innen besichtigen. Vor dem Dorfmuseum findet man Stände mit folkloristischen Handarbeiten. Im Laden des Museums gibt es Schnitzkunst, preiswerte landestypische Töpferarbeiten, aber auch Wanderführer, Reisezeitschriften, Postkarten, Informationsmaterial und Bücher. Spaziert man den Bulevardul Kiseleff in Richtung Piata Victoriei hinunter, so kommt man an gleich drei Museen vorbei: dem Naturkundemuseum „Grigore Antipa“, dem Geologiemuseum und dem sehenswerten Bauernmuseum „Muzeul Taranului“ mit seiner umfassenden Ausstellung an folkloristischen Exponaten.
Geschichte des Herastrau Parks
Anfang 1800 war der Herastrau See beliebtes Ziel von eleganten Bukarester Spaziergängern. Vor der Gründung des Herastrau Parks im Jahre 1936 befand sich an der Stelle ein ausgedehnter Sumpf, der zwischen 1930 und 1935 trocken gelegt wurde. Der Park wurde zuerst unter dem Namen „Nationaler Park“ eröffnet, hieß später Park Carol II und I. V. Stalin Park, bis 1956 die Statue von Stalin niedergerissen wurde. Der sogenannte Japanische Garten wurde 1998 mit Unterstützung der japanischen Botschaft angelegt, ist jedoch heute etwas verwildert.
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