Der Muskauer Faltenbogen – Geologie und Kultur in zwei Ländern
Wie eine Klammer fasst der U-förmige Muskauer Faltenbogen Sachsen, Brandenburg und Polen zusammen. Am Übergang von Nieder- und Oberlausitz lädt er zu Streifzügen durch Geologie und Kultur in zwei Ländern ein.
Der Muskauer Faltenbogen ist eine geologische und landschaftliche Besonderheit in Deutschland und Polen. Er entstand, als die eiszeitlichen Gletscher nach Süden vordrangen und dabei das Land nicht immer nur platt walzten, sondern auch Material vor sich her schoben oder regelrecht stauchten. Dass dabei tiefer liegende Braunkohleflöze bis an die Oberfläche gedrückt wurden, ist das prägende Merkmal des welligen Höhenzugs. Einerseits wurde die weiche Kohle über Tage einfach vom Regen ausgewaschen. Andererseits entdeckten Menschen die Vorräte und bauten sie in Gruben ab. So entstanden die charakteristischen schmalen, langen Seen, Gieser genannt, die sich in Gruppen oder Ketten über den gesamten Faltenbogen ziehen. Diese Erscheinung, die in ihren Farbtönen von Grün und Grau über Gelb bis Rot und Braun reicht, ist so faszinierend und schützenswert, dass ein informativer und für Wanderer wie Radfahrer attraktiver Geopark eingerichtet wurde.
Mit seinem westlichen Ende im Spree-Neiße-Kreis und den östlichen Ausläufern bei Teuplitz (Tuplice) in Polen verbindet der Muskauer Faltenbogen nun Geologie und Kultur in zwei Ländern. Entlang seines kiefernbestandenen, sandigen Kammes gibt es vielfältige Kultur- und Freizeitangebote. Döbern war lange Zeit von Bergbau und Glasindustrie geprägt und bietet jetzt in seiner Umgebung auch schöne Badestellen, wie im Ortsteil Eichwege oder am Felixsee. Über diesem steht ein Aussichtsturm mit Blick auf Bohsdorf. Dort ist der „Laden“, der zugleich Titel und Inhalt eines bekannten Romans des Schriftstellers Erwin Strittmatter ist, als Museumsgebäude zu finden. Sehr beliebt ist weiter südlich der Halbendorfer See. In Schleife gibt das sorbische Kulturzentrum Einblicke in das teils noch aktive slawische Leben der Region. Die Oberlausitzer Glasmacherstadt Weißwasser ist quer durch den Muskauer Faltenbogen über die Waldeisenbahn mit Kromlau verbunden. Gegenüber vom Schloss ist der Park mit der märchenhaften Rakotzbrücke besonders zur Rhododendronblüte eine wahre Schönheit.
Vereinzelt zeigen sich in den Dörfern alte Bauernhäuser in der markanten, schwarzen Schrotholzbauweise. Geologie und Kultur liegen hier nie weit auseinander. Mit der kleinen Eisenbahn gelangt man zwischen Giesern hindurch weiter nach Bad Muskau, das für seinen Pückler-Park berühmt ist. Das Neue Schloss ragt über die Baumkronen und bildet eine malerische Silhouette. Seit 1945 liegt der Park in zwei Ländern und ist kürzlich auch auf der polnischen Neißeseite in Lugknitz (Leknica) wieder hergerichtet worden. An der Neiße schwenkt der Muskauer Faltenbogen nach Norden ein. Das Dorf Groß Särchen (Zarki Wielkie) besitzt eine hübsche Kirche und einen mittelalterlichen Wohnturm in den Neißewiesen. Bei Zibelle (Niwica) befand sich vor dem Krieg sogar ein Erdölbohrturm. Der übrige polnische Teil des Muskauer Faltenbogens ist vor allem eine stille Waldlandschaft, die schließlich an der Autobahn und Fernbahnlinie von Berlin nach Breslau (Wroclaw) endet.
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