Die Cradle Mountains in Tasmanien

Die größte Fläche Tasmaniens besteht aus Nationalparks. Zeit für einen Ausflug zu den wiegenden Bergen. Sie stehen mitten im Paradies einer unberührten Pflanzenwelt.

Von Launceston aus buchte ich einen Ausflug zu dem Cradle Mountains. Die so genannten wiegenden Berge befinden sich in dem gleichnamigen Nationalpark. Zu fünft zogen wir los. Wir, das waren ein älteres italienisches Ehepaar, eine Japanerin, der einheimische Reiseführer und ich. Im Launceston, dem Ausgangsort waren dreißig Grad, an unserem Ziel neun Grad. Wir fuhren vom Sommer in den Winter, was ich bitterkalt spüren durfte, denn ich hatte mich in der Kleidung verwählt. Es war an diesem Tag regnerisch und diesig, wie so oft in Tasmanien. Wir fuhren durch eine gespenstige Landschaft. Die Bäume waren dunkelgrün, die Wiesen im Kontrast dazu hellgrün. Vereinzelt standen nackte Bäume skelettartig in der Landschaft. Die schöpferische Hand der Natur hat sich für Tasmanien etwas ganz besonderes ausgedacht. Bis heute weiß ich nicht, ob es eine solch eigentümliche Vegetation auch noch an anderen Orten der Erde gibt.

Tasmanien ist das Ende der Welt und gleichzeitig der Anfang. Auf dem Weg zu den Cradle Mountains hielten wir an einem Wald. Es war kein gewöhnlicher Wald, sondern ein Märchenwald. Wir hatten das Gefühl in eine Zeitschleife geraten zu sein. Und nicht nur das. Wir waren inmitten von einem Märchen der Gebrüder Grimm und warteten, dass der böse Wolf um die Ecke kommt. Nun - er kam nicht. Wir sahen uns umgeben von uralten, knochigen Bäumen, die so unnatürlich aussahen, als wären sie nicht von dieser Welt. Unter unseren Füßen befand sich ein dichter hellgrüner Moosteppich, passend zum Märchen. Wilde Sträucher wuchsen zwischen den Bäumen. In diesem Wald wächst eine einzige Blumenart. Das ist eine winzige weiße Glockenblume mit hängendem Köpfchen. Wir erfuhren, dass Teile vom Herr der Ringe in diesem Wald gedreht wurden. Wir liefen dann zu einem Holzhaus, dem Waldheim Lodge. Vor vielen Jahrzehnten ist ein weiser Herr der Meinung gewesen, dass in den Wald ein Haus gehört. Vor dem Haus sahen wir die ersten Tiere. In Tasmanien leben genau fünf Arten von Beuteltieren: Koalas,Kängurus, tasmanische Teufel, Wombats und Wallabys (die kleineren Kängurus). Ein Wallaby suchte vor dem Haus nach Nahrung. Es trug ein Baby im Beutel.

Unsere nächste Station war eine alte Höhle, die Marakoopa Cave. Der Höhlenführer erinnerte uns an einen Hobbit: klein, zwergenhaft mit einem Kopf voller Locken erklärte er uns die Höhle. In dieser haben sich kunstvolle Gesteinsformationen im Laufe von Jahrtausenden herausgebildet. In der Höhle herrscht absolute Dunkelheit. Und so haben unzählige Glühwürmchen am Höhlenhimmel einen eigenen Sternenhimmel gebildet. Sogar Sternzeichen ließen sich dort erkennen. Die Höhle befindet sich im Urwald. Inmitten von Riesenfarnen haben nur noch die Saurier gefehlt.

Danach ging unsere Tour weiter zu den Cradle Mountains. Wir kamen an einem Wanderpfad vorbei, der innerhalb von sechs Tagen durch den Nationalpark führt. . Die Temperaturen sanken auf vier Grad. Ich fror jämmerlich in kurzen Hosen. Eisregen peitschte uns ins Gesicht. Bald kamen wir den Cradle Mountains näher. Sie waren umhüllt von Nebel und lagen in der Ferne. Davor befand sich ein See, der Lake St. Clair. Das ist der tiefste natürliche Süßwassersee Australiens. Sein Strand besteht aus weißen Kieselsteinen. Die Stimmung wurde mysteriös, schwermütig und traurig - genau wie das Wetter - eine eindrucksvolle Kulisse. Der einheimische Reiseführer zeigte uns verschiedene Pflanzen. Einige rochen schwer und würzig wie ihre Umgebung.

Bei Sonnenlicht ist die Sicht auf die Berge klarer und man bekommt starke Eindrücke vom Zusammenspiel der Farben der Natur. Berggipfel, tiefen Schluchten, Seen und wilde Moore reichen vom Great Western Tiers im Norden bis zur Derwent Bridge auf dem Lyell Highway im Süden. Die meisten Gletscher Australiens finden sich hier hat, am Lake St. Clair, Australiens tiefstem natürlichen Süßwassersee. Die Cradle Mountains liegen inmitten einer Landschaft aus Steppe, Wanderwegen aus Holz, unberührten Kieselsteinstränden und Pflanzen, die riechen wie natürliche Badezusätze. Nachdem wir die Landschaft genossen hatten, traten wir den Rückweg an. Mit uns die Eindrücke einer märchenhaften,unberührten, abwechslungsreichen und einmaligen Natur.

Reisebericht als PDF
Autor: yvowe  16.08.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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