Die Kaiserpfalz zu Aachen
Kaiser Karl der Große machte Aachen um 800 zum Mittelpunkt seines europäischen Reiches - zum "zweiten Rom" und baute hier seine zentrale Residenz mit der Pfalzkapelle.
Vermutlich wurde Karl der Große 742 bei Herestal in Belgien geboren und am, 9.10.768 in Noyon zum fränkischen König gekrönt. Am Weihnachtsfest 800 krönte man ihn in Rom zum Kaiser, wodurch ein mittelalterlich-abendländisches Kaisertum nördlich der Alpen entstand. Seine Idee dabei war die Synthese aus Germanentum, Christentum und der Antike. Mittelpunkt seines Reiches war dabei die Pfalz in Aachen, die er zu einer „Roma secunda“ machte – ganz nach Vorbild der römischen Antike. Karl der Große wurde am 28.01.814 beigesetzt. In seiner fast 50-jährigen Herrscherzeit brachte er die Volksstämme Mitteleuropas unter seine Herrschaft. Er übernahm 768 das Frankenreich seines Vaters Pipin und verdoppelte bis zu seinem Tode sein Herrschaftsterritorium. Sein Reich umfasste das heutige Frankreich, Italien und Deutschland bis zur Elbe. Da Aachen die heißesten Quellen Nordeuropas besitzt und Karl der Große an Rheuma litt, fiel die Standortwahl für die Kaiserpfalz schnell auf Aachen.
Der streng symmetrische Grundriss der Anlage stand in einem krassen Kontrast zu den vorherigen römischen Anlagen, die noch überall in der Stadt zu sehen waren. Auch wenn sich bis heute nicht alle Teile des gewaltigen Baukomplexes rekonstruieren lassen, so ist jedoch sehr offensichtlich, dass es Karl dem Großen um mehr ging als eine repräsentative Unterkunft. Allen Maßen des Planschemas liegen geheiligte Zahlenverhältnisse zu Grunde, die darauf schließen lassen, dass es bildhafte Aufgabe der Architektur sein sollte, ein Abbild der mittelalterlichen Idealstadt zu verwirklichen. Der himmlische Ordo, die himmlische Stadt war es, die Karl der Große sich erträumte. Doch um diese architektonische Wirklichkeit zu schaffen, bedurfte diese Vision einer besonderen technischen und baukünstlerischen Planung.
Es wird vermutet, dass der Frankenkönig prominente Ratgeber hatte, die sich der europäischen Baugeschichte nicht nur auskannten, sondern auch wussten, wie sie diese historischen Erfahrungen in Aachen umsetzen könnten. Die Pfalz bestand aus einer Palastula nach römischem Vorbild, sowie aus zusätzlichen Gebäudeteilen, in welchen der Kaiser mit seiner Familie wohnte. Das Pfalzgebäude bestand aus einem Wohnquartier, Repräsentationsbauten, Wirtschaftsräumen Lokalitäten für Reichs- und Pfalzverwaltungen, einen Platz zur Rechtssprechung sowie der Palastschule. Ein zweigeschossiger Verbindungsbau führte von dort aus direkt in die Marienkirche im Süden der Anlage. Im oberen Teil des Verbindungstraktes war die Hofschule untergebracht, während der untere Bereich der Garnison vorbehalten war. Der Verbindungsgang ermöglichte es dem Herrscher trockenen Fußes von der Königshalle zur Pfalzkapelle zu gelangen.
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Kristallisationspunkt der Anlage war die königliche Halle, die mit Wandmalereien in nasser Kalkfarbe nach antikem Vorbild gezeichnet wurden und Darstellungen aus dem Neuen und Alten Testament zeigten. Sowohl christliche als auch heidnische Helden sowie die sieben Freien Künste lassen sich auch noch heute in den Fresken wieder erkennen. Die Königshalle war vermutlich mit dem Granusturm verbunden und weitete sich an den Nord- und Südseiten in zwei Konchen aus. Das heutige gotische Rathaus steht auf den Fundamenten der karolingischen Königshalle.
Gleichzeitig wurde an der Pfalzkapelle gearbeitet, für die Karl sogar Marmor aus Ravenna und Säulen aus Rom heranschaffen ließ. Der Rohbau des Sakralbaus wird vermutlich 798 abgeschlossen worden sein, da noch im selben Jahr die Säulenstellungen der Arkaden in das Oktagon eingesetzt wurden. Vollendet war die Pfalzkapelle bereits 800 und wurde Maria und ihrem heiligen Sohn gewidmet. Nach der Kaiserkrönung am Weihnachtsfest 800 in Rom, bezog Karl der Große die vollendete Kaiserpfalz.
Die Kaiserpfalz besteht heute aus dem Aachener Dom, der Schatzkammer sowie dem Aachener Rathaus mit dem Katschof dazwischen. Der Aachener Dom ist frei zugänglich, Führungen finden fast stündlich statt. Der Eintritt ist kostenlos. Auch des Rathaus kann besichtigt werden. Hier werden zusätzlich themenbezogene Führungen angeboten, zu welchen man sich vorher anmelden sollte. Es ist täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet und kostet 5,00 Euro Eintritt. Die Schatzkammer ist täglich von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu besichtigen. Spezielle Führungen können vor Ort gebucht werden. Die Eintrittspreise variieren zwischen 3,50 Euro (ermäßigt) und 6,00 Euro (Vollzahler).
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