Die Kaiservilla in Bad Ischl - Sommerresidenz von Franz Joseph und Sisi
Die Kaiservilla in Bad Ischl - Hochzeitsgeschenk für Kaiser Franz Joseph und seine Braut Sisi - war als Sommerresidenz zugleich politisches Zentrum und privater Zufluchtsort.
Fast das ganze Jahr über ist die Kaiservilla in Bad Ischl für Besucher zugänglich, von Mai bis September kann sie von 9:30 bis 17 Uhr besucht werden, von Januar bis April jeweils von 10 bis 16 Uhr. Im Rahmen einer Führung erkundet man die einstige kaiserliche Sommerresidenz und entdeckt beispielsweise die Privatgemächer von Franz Joseph, der auf einem schlichten eisernen Kasernenbett nächtigte. Oder den Roten Salon, in dem Kaiserin Sisi gern Turnübungen machte.
Auch wenn die Kaiservilla mit bescheidenem Luxus eingerichtet ist, liegt ihr hauptsächlicher Reiz doch darin, dass sie an die Geschichte von Franz Joseph und Sisi gebunden ist. Deren Andenken ist in Bad Ischl mehr als lebendig geblieben. Einundachtzig Geburtstage feierte der Kaiser selbst in Bad Ischl, nach dem zweiten Weltkrieg rief die Stadt das Kaiserfest ins Leben: So wird noch heute alljährlich um den 18. August herum der Geburtstag von Franz Joseph begangen. Und man erinnert sich des Kaisers, für den Ischl nicht weniger als »der Himmel auf Erden« war.
Franz Joseph und Bad Ischl - eine besondere Beziehung
»Oh, wie sehne ich mich nach dem lieben, lieben Ischl!« Das soll der junge Franz Joseph einst seiner Mutter geschrieben haben, nur wenige Jahre bevor er – mit erst achtzehn Jahren – Kaiser von Österreich wurde. Ischl, der Kurort im oberösterreichischen Salzkammergut - seit 1906 Bad Ischl - , war für den Habsburgerherrscher von Geburt an bedeutsam. Fast alle Geburtstage seines Lebens verbrachte er hier. Und 1853 verlobte er sich – ebenfalls in Ischl – mit der bayrischen Prinzessin Elisabeth, besser bekannt als »Sisi«. Was uns von Romy Schneider und Karlheinz Böhm in bittersüßer Kinoerinnerung geblieben ist, entspricht zumindest in einigen Punkten der historischen Wahrheit: Franz Joseph sollte eigentlich Sisis ältere Schwester Helene heiraten, entschied sich aber gegen alle Widerstände für Sisi.
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Eine Sommerresidenz als Hochzeitsgeschenk
Die Kaiservilla in Ischl wurde dem Paar 1854 von Franz Josephs Mutter, der Erzherzogin Sophie, zur Hochzeit geschenkt. Schließlich brauchte das Kaiserpaar eine angemessene Sommerresidenz. Die im Biedermeierstil erbaute Villa mit der ockerfarbenen Fassade musste schon bald erweitert werden: Mit nur 14 Zimmern war die Kaiservilla einfach zu klein. Umfangreiche Bauarbeiten fanden über viele Jahre statt – sie streckten sich auch deshalb so lang hin, weil in den Sommermonaten, wenn Franz Joseph und Sisi anwesend waren, nicht gebaut werden konnte.
Der weitläufige Park im englischen Stil gehörte ebenso zu diesen Arbeiten wie das »Marmorschlössl«, das damals aber als »Cottage« bekannt war. Erbaut im englischen Landhausstil und aus rosagrauem Marmor, gehörte es Sisi ganz persönlich und unterscheidet sich architektonisch vom gesamten restlichen Komplex der Kaiservilla. Hier verbrachte die Kaiserin ihre Zeit mit Malen, Schreiben und Spielen. Seit 1978 beherbergt das »Marmorschlössl« ein Photomuseum. Die Kaiservilla selbst wurde im neoklassizistischen Stil erweitert. Ihr Grundriss veränderte sich so, dass er ein »E« zeigte – möglicherweise wollte Franz Joseph seiner geliebten Sisi damit eine Freude bereiten.
Franz Joseph und Sisi – politisch und ganz privat
Die Kaiservilla war als Sommerresidenz der kaiserlichen Familie unbestritten deren Privatsphäre vorbehalten – auch wenn Franz Joseph in den Sommermonaten die Regierungsgeschäfte von hier aus lenkte und durchaus schwerwiegende Entscheidungen traf. 1914 unterschrieb er hier die Kriegserklärung an Serbien. Manch hoher Staatsgast wurde in der Kaiservilla empfangen – besonderes Schmankerl der kaiserlichen Aufmerksamkeit: Franz Joseph hatte stets einen Zigarrenbehälter in den passenden Landesfarben parat.
Logieren durfte in der Kaiservilla aber niemand außer Franz Joseph, Sisi und dem Rest der kaiserlichen Familie. Staatsbesuch wurde in der Stadt Ischl untergebracht, und selbst die Dienstboten bewohnten Nebenräume – selbst die Küchen befanden sich außerhalb der Kaiservilla selbst.
Wie wichtig die Sommerresidenz in Ischl für den Kaiser war, zeigt sich an einigen Details. So wurde die Kaiservilla schon 1890 mit Elektrizität versorgt – Schloss Schönbrunn, aber auch die Stadt Ischl erst elf Jahre später. Außerdem wurde in Bad Ischl ein eigenes Telegrafenamt eingerichtet. Seit 1877 gab es eine direkte Eisenbahnverbindung nach Wien, die Kaiservilla liegt nur etwa fünf Gehminuten vom Bahnhof Bad Ischl entfernt.
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