Die SS Yongala - Wracktauchen an der Ostküste Australiens

Tauchausflüge zum Wrack der SS Yongala werden von Townsville und Ayr an der australischen Ostküste angeboten. Ein atemberaubendes Erlebnis, das kein Taucher bereuen wird.

Auf dem Meeresgrund, vor der Küste der australischen Stadt Ayer, liegt die SS Yongala. 1903 versank das 109 Meter lange Schiff in einem Zyklon. Niemand überlebte das Unglück. Heute jedoch bietet der Schauplatz dieser Katastrophe unzähligen Meeresbewohnern einen Lebensraum, sodass um das Wrack ein eigenes kleines Universum entstanden ist. Tauchausflüge an diesen Ort, der als einer der zehn schönsten Tauchplätze der Welt gehandelt wird, werden von Townsville und von Ayr angeboten. Der Ausflug mit dem Schnellboot dauert von Ayr 20 bis 30 Minuten. Von Townsville dauert es gut und gerne eine Stunde länger.

Zu dieser Zeit meiner Reise durch Australien besuchte mich ein Freund aus Deutschland, der leidenschaftlicher Taucher ist und sich mit über 500 Tauchgängen sicherlich als erfahren einstufen darf. Ich hingegen hatte zu diesem Zeitpunkt ganze sechs Tauchgänge hinter mir. Und die hatte ich alle in deutschen Seen gemacht. Zuerst planten wir an einer mehrtägigen Tauchsafari im Great Barrier Reef teilzunehmen. Wir mussten jedoch bald feststellen, dass das unsere Urlaubskassen sprengen würde aber auf der anderen Seite des Globus zu sein und nicht in diesem atemberaubenden Riff zu tauchen, schien uns auch keine Option zu sein. So stießen wir bei unseren Recherchen nach Alternativen auf die SS Yongala.

Wir buchten unseren Ausflug und als der Tag gekommen war, erreichten wir Alva Beach, der Ort an dem die Tauchbasis liegt, sehr spät. So startete alles in einer anstrengenden Hektik. Mir kam das sehr ungelegen, da ich ohnehin schon schrecklich nervös war. Einen Tauchgang im offenen Meer hatte ich noch nie gemacht und schon gar nicht auf über 25 Meter Tiefe. Die Tatsache, dass mein Open Water Schein er mir nur erlaubt, bis auf eine Tiefe von 18 Metern zu gehen, war jedoch kein Problem. Gegen einen kleinen Aufpreis bekam ich einen eigenen Guide und mit sechs eingetragenen Tauchgängen hatte ich so gerade die minimale Voraussetzung erfüllt. Wir würden in einer kleinen Gruppe von zwölf Personen plus drei Guides aufbrechen. Eine kleine Gruppe war uns wichtig.

Als die Ausrüstung gepackt und der Papierkram erledigt war, ging es zum Strand, wo das Boot bereits ins Wasser gelassen wurde. An dieser Stelle war ich schon so nervös, dass mir leicht übel war. Wir fuhren los und ließen sehr schnell das Festland hinter uns. Das Boot hüpfte mit hoher Geschwindigkeit von Welle zu Welle und mir wehte der salzige Wind ins Gesicht. Ich entspannte mich ein wenig. Nach knapp 20 Minuten hatten wir, leider ohne einen Wal zu sehen, unser Ziel erreicht. Offenes Wasser, weit und breit kein Land zu sehen und bei einem Blick nach unten zeichnete sich keine Riffkante oder sonstiges ab. Das Wasser war einheitlich blau, ebenso wie der Himmel.

Wir legten die Geräte an, setzten uns auf den Bootsrand und ließen uns ins Wasser fallen. Das Boot war an einer Boje befestigt, von der ein Seil runter zum Wrack führte. Mit dem Kopf unter Wasser war weder Wrack noch Grund zu sehen. Als wir die ersten fünf Meter abgetaucht waren, waren bereits rings um uns Fische zu sehen, die so groß waren, dass jeder Sportfischer vor Freude einen Salto gemacht hätte. Die SS Yongala liegt zum Glück in einer so genannten Grünen Zone und jegliche Fischerei ist strengstens verboten. So kann man sich an diesem Ort überhaupt nicht vorstellen, dass weltweit so viele Fischbestände vor dem Kollaps stehen. Auf 13 Meter wollte mir der Druckausgleich nicht mehr gelingen. So blieb mir nichts anderes übrig als diesen ersten Tauchgang abzubrechen. Für einen zweiten Versuch hätte mein Luftvorrat nicht mehr gereicht. So kehrte ich auf das Boot zurück und beobachtete Schildkröten und Seeschlangen, die zum Atmen an die Oberfläche kamen.

Als die anderen zurück kehrten und die vorgeschriebene Oberflächenpause vorbei war, ging es auf zum zweiten Tauchgang. Diese Mal gelang mir der Druckausgleich. Langsam schälte sich aus dem Blau der Rumpf des Schiffes. Es war nur schwer als solches zu erkennen, da es überwuchert war mit Korallen. Zudem standen kleine Glasfische in so großen und dichten Schwärmen beieinander, dass man manchmal kaum noch sehen konnte was sich darunter befand. Vom Seil entfernend trieben wir nun an dem Schiffkörper entlang und die Glasfische bildeten in einem synchronen Tanz eine Gasse. Rochen schwebten über dem Boden, große Barsche standen an Putzerstationen und ließen sich von Putzerfischen reinigen. Durch die Beladungsluken schlängelten sich olivefarbene Seeschlangen auf ihrem Weg zur Oberfläche. Ein Stück vor mir graste eine Meeresschildkröte. Neugierig kam sie auf mich zu geschwommen, hielt kurz vor meinem Gesicht inne und betrachtete mich, bevor sie gemächlich ihrer Wege zog. Alles um mich war voller Leben und es gab viel mehr zu sehen, als man aufnehmen konnte. Leider ist es nicht mehr erlaubt, in das Wrack rein zu tauchen, da es nicht mehr sehr stabil ist und früher oder später auseinander brechen wird. Der Rückweg zum Seil war ebenfalls großartig. Besonders weil man sich einfach mit der Strömung treiben lassen konnte und so ohne die geringste Anstrengung alles noch einmal Revue passieren lassen konnte. Auf dem Weg nach oben tauchte ein gigantischer Schwarm Barrakudas auf, die sich, wie die meisten anderen Tiere hier, nicht an unserer Anwesenheit störte.

Zurück an Bord schälten sich alle aus ihren Ausrüstungen und wir machten uns auf den Rückweg. An der Basis bereitete man uns Burger und Würstchen auf dem Grill zu. Die Verpflegung ist auf diesen Touren inklusive. Insgesamt dauerte der Ausflug einen halben Tag. Für Tauchfreunde, die die australische Ostküste bereisen, ist die SS Yongala ein unbedingtes Muss. Besonders wenn die Reisekasse ein wenig knapp ist und Mehrtages-Ausflüge finanziell nicht drin sitzen. Ca. 250 AUD sind für zwei Tauchgänge sicherlich schon recht viel aber dafür, dass man in einer kleinen Gruppe taucht und einen so spektakulären Tauchplatz geboten bekommt, ist das Geld dann doch gut investiert. Andere Tagesausflüge in das Great Barrier Reef kosten zwar weniger, dafür ist man auf einem Boot mit 80 bis 120 Leuten, von denen die meisten nur schnorcheln und deshalb eher im Wasser sind als die Taucher. Sind erst einmal 80 Leute im Wasser, wird man nicht mehr allzu viele Tiere entdecken können.

An der SS Yongala gibt es außer den bereits genannten Tieren noch Mantas, Bullenhaie, Riffhaie, vier verschiedene Schildkrötenarten, Barsche von der Größe eines VW Golf, mit Glück Buckelwale und viele, viele andere zu entdecken. Ich habe zwar an einem Selbstversuch bewiesen, dass man auch als Anfänger an der SS Yongala tauchen kann, dennoch muss ich sagen, dass das keine optimale Idee ist, da man noch sehr viel mit sich selbst und seiner Ausrüstung beschäftigt ist und in dieser Tiefe einen sehr hohen Atemluftverbrauch hat. Andere Leute konnten mit derselben Flaschenfüllung fast doppelt so lange tauchen wie ich. So verpasst man doch ein wenig und das ist etwas schade. Daher würde ich Anfängern, die vielleicht länger nicht getaucht sind, empfehlen, vorher noch einmal irgendwo zu üben und den Umgang mit der Ausrüstung noch einmal zu verinnerlichen. Alles in allem war der Tauchgang an der SS Yongala eines der spektakulärsten Erlebnisse auf meiner Reise durch den Roten Kontinent.

Reisebericht als PDF
Autor: Eike Bussmann  06.10.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja (12) | Nein

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