Die Teufelsley - Des Teufels mächtiger Quarzit Felsen über dem Ahrtal
Die Teufelsley ist ein einziger Felsen aus Quarzit, so groß wie keiner in Europa. Auf den Höhen des mittleren Ahrtales überragt er Respekt einflößend seine Umgebung.
Kaum waren die Hausaufgaben gemacht, da hat uns damals Jugendliche - da waren wir noch jung und schön, heute... - nichts mehr im Haus gehalten. Der nahe Wald war unser eigentliches Zuhause, die Berge der mittleren Ahr unser Territorium. Keinen Weg gab es, den wir in steilen Hängen und auf den Höhen oberhalb von Hönningen nicht kannten, keinen Pfad, den wir noch nicht erkundet hatten und kaum eine Höhle, deren Inneres wir nicht erforschten. Wie war das erst aufregend, als uns die Fledermausforscher vom Museum König in einen alten Bergwerksstollen mitnahmen.
Die Ahr hat sich hier an ihrer Mitte schon tief in die 400 Millionen Jahre alten Ablagerungen von Schiefer, Grauwacken, Sandsteinen und Quarziten des Devon-Meeres eingegraben. Überall findet man Fossilien aus diesem Zeitalter der Erdgeschichte. 45 km ist die Ahr dort lang, hat von der Quelle in Blankenheim bis nach Hönningen so manchen Eifelbach mitgenommen, um stärker und stärker zu werden. Noch ist sie umgeben von hohen bewaldeten Hängen, bevor sie, nur ein paar Kilometer weiter, flankiert von Weinbergen zum Tal der roten Trauben wird.
Ganz oben auf einem Bergrücken, da gab es, und gibt es immer noch, einen etwas sagenumwobenen Felsen, der uns besonders anzog. Wohl mindestens einmal in der Woche waren wir dort oben, egal, ob die Sonne vom Himmel brannte oder der Herbstwind den Regen peitschte und uns durch die Haare zauste. Wir machten uns einen Spaß daraus, die etwas mehr als 200 Höhenmeter in einer dreiviertel Stunde zurückzulegen. Einen uralten Pfad ging es hinauf auf den Berg. Unser Ziel war die Teufelsley, die auch heute noch den Geologen Rätsel aufgibt, ragt sie doch wie ein riesiger Fremdkörper aus dem kargen Mischwald auf, der sie umgibt. Fast 20 Meter hoch und 80 Meter lang ist dieser Quarzitblock, wie es in ganz Europa keinen größeren gibt. Schroff und kantig, mit Vorsprüngen, Spalten und Kaminen steht er seit Jahrmillionen da. Die Sage geht, dass der Teufel sich im Widerstreit mit Gott ein Schloss gebaut hat, doch dass Gott mit einem einzigen Stoß dieses Schloss vernichtet hat. Was davon übrig blieb, das ist die Teufelsley.
Von der westlichen Seite ragt der Felsen senkrecht auf, auf der östlichen nicht ganz so steil und man kann über einige natürliche Stufen und Rinnen bis auf den Gipfel gelangen. Ganz ungefährlich ist das nicht, aber was war für uns denn schon Gefahr! Wir fühlten uns wie die Könige, wenn wir dort oben saßen, und unsere Blicke über die Eifelhöhen schweifen ließen. Ganz allein mit uns und der Natur waren wir und fühlten uns vogelfrei. Vom Felsen fiel unser Blick hinunter zwischen die Bäume. Überall liegen dort immer noch verstreut die großen und kleinen Quarzitbrocken, zum Teil überwachsen mit Moos. Manchmal sahen wir die Bergkristalle aufglitzern, wenn sich ein Sonnenstrahl durch die Wipfel stahl. Und so kleinere glitzernde Steine stahlen sich auch schon einmal in unsere Hosentaschen, um dann nachher in den Zimmern zu liegen und die Mütter am Staubwischen zu hindern.
An der nördlichen Seite, na ja, mehr Ecke als Seite, da hat die Teufelsley einen richtigen Kamin, einen Schlot, der genug Platz lässt, dass ein Mensch hineinpasst. Das war in unserer Geschichte der Ort, an dem der Teufel seine Großmutter verbrannt hatte. Irgendwelche Leichtsinnsbrüder machten dort auch immer wieder Feuer, und so waren die Wände rauchgeschwärzt - genug Stoff für Mythologien. Das Eigenartige an der Teufelsley ist nicht, dass sie aus Quarzgestein besteht. Das gibt es in der Eifel oft zu finden. Aber ihre Einzigartigkeit und ihre Rätselhaftigkeit macht die Größe aus, mit der sie aus dem Boden ragt und dass sie ein einziger Quarzitblock ist. Was mag da an Masse noch im Boden drin stecken?
Das mögen sich auch die Herren bei der Bezirksregierung Koblenz gedacht haben. Schon 1926 stellten sie die Teufelsley und ihre nähere Umgebung unter Naturschutz unter der Maßgabe, dies solle „der Erhaltung des Felsgebildes der Teufelsley nebst den dort vorhandenen Ansammlungen von Felsblöcken“ dienen und es sei „verboten, die auf dem geschützten Gelände befindlichen Felsgebilde und die dort vorhandenen Felsblöcke zu beseitigen, zu beschädigen oder sonst wie zu verändern“. Schon in unserem jungen Alter haben wir uns gefragt, warum der Deutsche Alpenverein dann trotzdem zu Übungszwecken Haken in den Fels schlägt, schraubt und betoniert. Aber irgendwo muss man ja schließlich üben! Die Teufelsley wird auch weitere Millionen Jahre und die Menschheit überdauern und ich denke gerne an unbeschwerte Jugendzeiten in ihrem Schatten zurück. Später, bei Wanderungen auf gut ausgebauten Forstwegen von Hönningen oder Ahrbrück aus, war ich noch manches Mal dort. Man erreicht die Teufelsley auch mit dem Auto, wenn man von der Straße im Ahrtal, der 'B 257' zwischen Liers und Dümpelfeld die Ommelbachstraße hinauf fährt.
Weiterführende Inhalte zu Die Teufelsley - Des Teufels mächtiger Quarzit Felsen über dem Ahrtal
Weitere Inhalte zeigen
Weiterführende Reisetipps
Verwandte Artikel
- La Palma - Durch die Caldera de la Taburiente Teil 2
- Ganesh Chaturthi - Mumbai feiert den Elefantengott
- Rundreise Australien - Sydney, Outback und das Riff
- Hochgebirgstour im Tannheimer Tal, Teil 2
- Elberadweg von Dresden nach Hamburg
- Von St. Jost bis Bürresheim - Durchs romantische Nitztal in der Eifel
- Cabo Blanco - Das erste Naturreservat in Costa Rica
- Auf verschlungenen Windungen - An der Ardèche, Frankreichs Grand Canon
