Durch die Cañadas - Teneriffas Weltnaturerbe am Fuß des Pico del Teide

Bewegend ist der Weg durch die Cañadas. Teneriffas Weltnaturerbe am Fuß des Pico del Teide besticht durch eine grandiose Naturarena und eine wunderschöne Pflanzenwelt.

Die zwei höchsten Berge Teneriffas im ersten Schnee

Teneriffa liegt nur 300 Kilometer westlich vom afrikanischen Festland. Das Bild der Insel bestimmt der über allem thronende Teide, mit 3.718 Metern Spaniens höchster Berg und gewaltiger Vulkan, zu dessen Füßen sich eine grandiose Vulkanlandschaft ausbreitet. In einem Oval ist sie 17 km lang und 12 km breit. Es ist die Caldera der Las Cañadas. In diesem Fall ist die Caldera das Überbleibsel einer eingebrochenen Magmakammer, die Wissenschaftler sind sich da aber nicht ganz so einig. Einige behaupten, dass die Flanke des Urvulkanes einfach nur nach Norden abgerutscht sei und damit das Valle de la Orotava bildete. Wir wollen uns nicht streiten mit den Studierten und lassen es einfach bei einer großartigen Vulkanlandschaft. Ursprünglich war der Zentrale Punkt Teneriffa ein gewaltiger tinerfeñischer Urvulkan, der bis zu 6.000 Meter über dem Meeresspiegel aufstieg. Was von ihm übrig blieb ist der heute noch sichtbare Rand, die Caldera, die besonders im südlichen Bereich sichtbar ist mit einer Kette mehr oder minder hoher Erhebungen, deren höchste der Guajara mit 2.715 Metern bildet.

Der nördliche Calderarand ist abgerutscht beziehungsweise wurde überdeckt durch die jüngeren Vulkane Pico del Teide und den vorgelagerten Pico Viejo, der zuletzt 1798 ausbrach. Seine schwarzen Lavafelder waren noch warm, als Alexander von Humboldt 1799 Teneriffa besuchte. Noch heute findet sich in dieser letzten Ausbruchszone so gut wie keine Vegetation.
Nach Westen hin fällt die Caldera in einer gewaltigen Stufe ab zur Llano de Ucanca, an deren oberem Rand die Roques de Garcia als Reste der Erosion aufragen. Sie sind ein Publikumsmagnet für die Millionen Touristen, die jedes Jahr die Vulkanarena besuchen. Filme wurden hier schon gedreht, so der Planet der Affen und zuletzt Kampf der Titanen. Die topfebene Llano de Ucanca darunter -Llano heißt Ebene - mit ihren monströsen Büschen des Teideginsters, wird mit dem Abtauen nach schneereichen Wintern zu einem besonderen Schauspiel; dann sammelt sich dort das Schmelzwasser zu einem riesigen flachen See an, nachts gefriert es zu einer spiegelglatten Schlittschuhbahn. Auch nach Osten hin fällt das Gelände ab und geht über in den dicht bewaldeten oberen Bereich des Valle de la Orotava.

Insgesamt wurde der eingebrochene oder abgerutschte Calderaboden durch jüngere Vulkanausbrüche teilweise wieder aufgefüllt, so dass sich eine sehr variable Landschaftsform mit runden Vulkankegeln, schroffen Lavafeldern und zyklopischen Obsidiantürmen gebildet hat. Es ist ein ständiges Auf und Ab in dieser Hochebene mit sieben kleineren Tälern, was ihr den Namen Siete de Cañadas eingebracht hat. Siete heißt sieben. Von Ost nach West durchzieht ein Wanderweg die Siete de Cañadas. Er beginnt an der Gastwirtschaft El Portillo, dem östlichen Tor zu den Cañadas und führt durch die abwechslungsreiche Landschaft bis zum staatlichen Parador-Hotel nahe den Roques de García. Im Verlauf des 16 km langen Weges zweigen weitere Pfade und Wegstrecken ab, unter anderem eine die an der Auffahrt zur Teide-Seilbahn endet. Die beeindruckende Pflanzenwelt der Hochgebirgszone begleitet den Wanderer auf Schritt und Tritt.

Überreich stehen die Cañadas im Mai und Juni in Blüte. Violett leuchten Teidelack und Lavendel, durchsetzt von weißen Margeritensträuchern. Der Teideginster mit seinen weißen Blüten betört durch honigsüßen Duft. Zwischen den Sträuchern stehen Bienenkörbe, deren Bewohner fleißig den süßen Nektar sammeln. Der Teidehonig ist berühmt für sein Aroma und seine Geschmacksfülle. So wie die meisten Pflanzen hier ist auch die Königin der Cañadas ein Endemit, kommt sogar nur hier auf Teneriffa vor. Es ist Wildprets Natternkopf, die Tajinaste. Im Herbst treibt sie einen Kranz unscheinbarer länglicher Blätter aus dem Boden, kaum 25 cm hoch, doch mit dem beginnenden Frühjahr wächst aus dieser Rosette ein Blütenstand mit tausenden kleiner roter Blüten empor. Bis zu drei Meter hoch wiegt sich seine süße Last Mitte des Jahres im Wind und tausende Bienen umschwirren sie. Da, wo die Erosion Brocken des Obsidians auseinander riss, glänzt das Vulkanglas schwarz in der Sonne, eine weitere Nuance im Spiel der Farben unter dem Teide. Schon 1954 erkannte man den Wert dieser einmalig schönen Landschaft und erklärte den Teide und die Cañadas zum Nationalpark. 2007 wurde sie dann zum Weltnaturerbe der UNESCO ernannt.

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Autor: voyager  16.09.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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