Edinburgh und die Lothians

Touristen in Edinburgh haken in regelrechten Marathons die Sehenswürdigkeiten ab, obwohl es viel mehr zu sehen gibt als die Hauptstadt selbst. Ein Routenvorschlag für eine 6-tägige Reise durch Edinburgh und die Lothians.

Als die "Lothians" werden die drei Verwaltungsbezirke West Lothian, Midlothian und East Lothian um Edinburgh zusammengefasst. Ursprünglich lebte ein Stamm der Waliser in der Region, die mit der Bildung des angelsächsischen Königreiches von Northtumbria Mitte des 7.Jahrhunderts vertrieben wurde. Über die folgende Zeit ist wenig bekannt, da die Wikinger die Region oft plünderten. Erst 1018 wurde das Gebiet offiziell von Schottland annektiert.
Geografisch gesehen wird das Gebiet im Osten von der Nordsee begrenzt und liegt in den oberen Lowlands.

1. Tag:

Der erste Tag beginnt mit der Anreise und der Abholung des Mietwagens in Edinburgh. Wenn man auf die Angebote von Billigfliegern achtet, kann man schon für wenige Euro nach Schottland fliegen! Nach erfolgreicher Übergabe ist immer noch genügend Zeit, um sich einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen. Für eine Erkundungstour fährt man dazu direkt zum Schloss von Edinburgh, denn hier sind die meisten Sehenswürdigkeiten zu finden. Ein großer Parkplatz befindet sich in der Straße "Castle Terrace". Von da aus kann man schon das Schloss sehen. Nun liegt es an einem selbst, ob sich ein Besuch des Edinburgh Castle lohnt, da die meisten Ausstellungen von militärischer Natur sind und sich die Mächtigkeit des Schlosses am Besten von außen bewundern lässt.

Wenn man anschließend die Royal Mile (oder High Street) hinunter spaziert, kann man bald ein imposantes Gebäude im gotischen Stil erkennen, die St. Giles Kathedrale. Schon 854 stand auf dieser Stelle eine Kirche. Die St. Giles Kathedrale spielte eine besondere Rolle in der schottischen Reformation. Eine kleine Ausstellung in der Kirche erzählt über ihre Geschichte.

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Im Anschluss geht es weiter Richtung Osten bis zur Clerk Street, dann links über die North Bridge und am Parlamentsgebäude rechts auf die Regent Road. Wenn man die Straße weiter geht, kann man die Treppen nehmen, die hoch zum Calton Hill führen. Von da aus hat man einen herrlichen Blick über die gesamte Stadt, das Meer, bis hin zu den Bergen der Highlands.

Nach einer kleinen Verschnaufpause geht man wieder zurück auf die Regent Road, vorbei am Parlamentsgebäude und folgt der Straße bis zum 61 Meter hohen Scotts Monument. Dieses historische Bauwerk von 1846 wurde zu Ehren vom hiesigen Autor Sir Walter Scott errichtet. Wer möchte kann auch hier noch mal die 287 Stufen bis nach oben nehmen, um einen beeindruckenden Blick über die Altstadt zu erhaschen. Schlendert man danach wieder ein kleines Stück die Straße hinauf, kommt man zum Tourist Information Centre. Hier kann man sich über Festivitäten informieren, die zu jeder Jahreszeit stattfinden. Sollte man noch kein Zimmer gebucht haben, helfen einem auch gerne die Angestellten weiter. Man sollte sich vergewissern, ein Hotel oder B&B mit Parkplatz zu buchen!

2. Tag:

An diesem Tag geht es von Edinburgh in die Richtung North Berwick. Dabei fährt man auf der A1 Richtung Osten und nimmt die Ausfahrt, die auf die Landstraße A198 führt. Die Landstraße leitet einen durch verschlafene Orte, an der Küste entlang und direkt zum Tantallon Castle, dem Tagesziel. Das Tantallon Castle ist eine alte Burgruine aus dem 14. Jahrhundert, die auf einer Steilklippe liegt. Ein kleines Willkommenscenter informiert einen über die Umgebung und Geschichte. Von der Küste aus kann man den "Bass Rock" sehen, ein einsamer Fels in der Brandung mit einer großen Vogelkolonie und Leuchtturm. Anschließend fährt man wieder zurück nach North Berwick.

Dort kann man, je nachdem wie viel Zeit übrig ist, entweder am Strand entlang spazieren, auf der High oder Forth Street das schottische Kleinstadtleben beobachten, indem man sich in einen typischen Pub setzt, oder das "Scottish Seabird Centre" besuchen. Das ist ein Museum, das Ausstellungen über die Tierwelt in der Region bietet, mit einem Observationsposten. Mit etwas Glück könnte man sogar Robben sehen!

Das Landschaftsbild um den Ort wird von dem Hügel "North Berwich Law" bestimmt. Das ist ein alter Vulkan, der vor ca. 335 Millionen Jahren erlosch und während der Eiszeit "abgeschliffen" wurde. Übrigens steht das Edinburgh Castle auch auf einem lang erloschenem Vulkan. Wie viele Leute können schon von sich behaupten, sie hätten bewusst die Vulkane Schottlands besichtigt? Nach North Berwick sind es in etwa 45 km. Von dort zum Schloss ungefähr 5 km.

3. Tag:

Diesen Tag nutzt man, um von North Berwick nach Newtongrange zu kommen. Natürlich ist kein Schottlandbesuch perfekt, ohne eine Destillerie zu besichtigen! Auf dem Weg kommt man durch das Örtchen Peastonbank, ca. 4 km südlich von Pencaitland, in dem man die Glenkinchie Destillerie besichtigen könnte. Whisky aus den Lowlands ist für seinen milden Charakter bekannt und deswegen gut für Einsteiger geeignet.

Nach der Besichtigung macht man sich auf nach Crichton. Dort angekommen führen einen Schilder zu einem Parkplatz, von dem man aus zur Ruine des Crichton Castle wandern kann. Die Ruine des Crichton Castle (aus dem 15. Jahrhundert) ist in seiner Architektur in Schottland einzigartig. 1582 kehrte der Besitzer des Schlosses nach einer Italienreise wieder und war so beeindruckt von der Architektur des Palazzo dei Diamanti in Ferrara, dass er eine Hofwand nach dessen Vorbild gestalten ließ. Besonders für Architektur-Fans ist dieser Stopp ein Muss. Anschließend geht es weiter nach Newtongrange, um dort das Nachtlager aufzuschlagen. Ingesamt legt man an diesem Tag 50 km zurück.

4. Tag:

Am viertem Tag geht es zuerst in das in Newtongrange gelegene Scottish Mining Centre. Das ist ein mehrfach ausgezeichnetes Museum, dass zahlreiche Ausstellungen über den Kohleabbau beherbergt, von der Entstehung und Gewinnung der Kohle berichtet, warum dieser Industriezweig so wichtig für diese Region war und auch über das Leben des Kohlekumpels in den schottischen Gemeinden.

Nach der Besichtigung nimmt man die Landstraße in das unweit entfernte Örtchen Roslin. Hier sieht man die Rosslyn Chapel, eine ca. 500 Jahre alte Kirche mit bemerkenswerten Steinhauereien. Vor noch nicht allzu langer Zeit war die Kirche noch ein Insider Tipp und wenig besucht worden. Doch nach der Veröffentlichung des Buches "Sakrileg" von Dan Brown, erfreut sich die Rosslyn Chapel an den wachsenden Besucherzahlen. Tatsächlich gibt es viele Symbole in der Kirche, die Forschern weltweit den Kopf zerbrechen und viel Raum für Spekulationen lassen. Auch wenn man nicht den Heiligen Gral oder ähnliches findet, kann man die Schönheit der Kirche genießen und den Tag ausklingen lassen. Es wäre logistisch ratsam für zwei Nächte ein Zimmer in einer der Hotelketten an dem Edinburgh Bypass, also dem Autobahnring der Stadt, zu buchen. Von Newtongrange nach Rosslin sind es ca. 10 km.

5. Tag:

Der vorletzte Tag gilt ganz der Natur. Entlang der nahe gelegenen Landstraße A702 gibt es zahlreiche Parkplätze und Wanderwege, die in die Pentland Hills führen. Informationen über die Wanderwege und die Flora und Fauna gibt es entweder im Boghall Regional Park Headquarters (ca. 1 km nördlich von Easter Howgate) oder im Flotterstone Ranger & Visitor Centre (in etwa 1 km südlich von Easter Howgate). Zu empfehlen sind dabei die Wanderwege zum Allermuir Hill und Turnhouse Hill. Für beide Wege sollte man den Großteil des Tages einplanen. Wer nicht der Typ für lange Wanderungen ist, kann die Hügellandschaft auch bei einem ausgedehnten Spaziergang am Glencorse Reservoire genießen.

Abhängig davon, wie viel Zeit einem noch zur Verfügung steht, kann man entweder noch in die Stadt fahren und sich im Nationalen Museum von Schottland die Geschichte des Landes ansehen, oder in dem interaktiven Museum "Dynamic Earth" über die Entstehung der Erde informieren. Wenn einem nur noch der Abend bleibt, kann man die Reise auch mit einem Ale oder Cidre in einem Pub in der Royal Mile besiegeln. Vom Edinburgh Bypass bis Easter Howgate sind es in etwa 5 km und von Easter Howgate bis zur Stadtmitte Edinburghs ca. 10 km.

6. Tag:

An diesem Tag geht es zurück in die Heimat. Je nach Abflugzeit, könnte man noch einen kleinen Ausflug direkt an den Firth of Forth machen. Um den Meeresarm am Besten sehen zu können, sollte man nach Queensferry, ein Ort nördlich von Edinburgh. Wenn man dem Bypass folgt und später auf die Landstraße B924 abfährt, kommt man direkt in dieses kleine entzückende Örtchen. Angekommen geht es entlang der Hauptstraße bis zur Rose Lane, in der es einen Parkplatz gibt. Von hier aus sieht man die beiden mächtigen Brücken, die den Firth of Forth überspannen.

Die Autobrücke "Forth Road Bridge" wurde 1964 erbaut und war damals die längste Brücke in Europa. Die Eisenbahnbrücke "Forth Bridge" wurde 1890 erbaut und war bis 1919 die längste ihrer Art auf der Welt. Beide sind jeweils ca. 2,5 km lang. Anschließen geht es zurück zum Flughafen. Vom Bypass bis nach Queensferry sind es ca. 20 km und von Queensferry zum Flughafen ca. 10 km.

Art der Reise, Reisezeit & Englischkenntnisse:

Diese Tour eignet sich am Besten für Individualreisende, die neben touristischen Attraktionen auch das Alltagsleben in fremden Ländern erkunden möchten. In Vorbereitung auf die Reise ist von der Buchung des Fluges, Mietwagens und der Hotelzimmer bis hin zu dem banalen Supermarktgang vor Ort alles selbstständig zu übernehmen. Da die meisten Aktivitäten dieser Reise im Freien stattfinden empfehlen sich die Monate Mai bis August. Da ist es am wärmsten und die Chance auf Regen ist geringer, als in den anderen Monaten. Ein gutes Schulenglisch reicht für diese Reise aus, um die Museen und Ausstellungen genießen zu können.

Verkehr:

Vor dem Linksverkehr braucht man keine Angst zu haben, daran gewöhnt man sich schnell. Dazu kann man sich merken, dass die mittlere Fahrbahnmarkierung immer rechts neben dem Fahrer sein muss, denn kann man nichts falsch machen. Die Vorfahrtregel rechts-vor-links kennen die Schotten nicht. Alle Kreuzungen sind mit einem Schild oder der Bodenmarkierung "Give Way" geregelt. Innerorts darf man 30 Mph fahren, außerorts 50-60 Mph und absolute Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen betragen 70 Mph, das ist in etwa 112 km/h. Vor Blitzern wird man gewarnt und es sind zusätzlich große gelb-rote Kästen, die kaum übersehbar sind. Normales Benzin heißt "unleaded".

Übernachtungen:

Hotels sind in Großbritannien relativ teuer, deswegen greifen viele Gäste auf B&B Angebote zurück. Bei den Bed & Breakfasts kann man ab etwa 50 Pfund mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis rechnen. Am preiswertesten sind üblicherweise die Hotel- und Motelketten am Rande einer Stadt, da dort meistens nur Durchreisende nächtigen. Sie bieten jedoch auch oftmals nur den nötigsten Service. Dabei ist es strengstens zu empfehlen, die Zimmer schon vor der Reise buchen, um nicht vor Ort von ausgebuchten Hotels überrascht zu werden.

Essen & Trinken:

In dem Angebot der Getränke unterscheiden sich die Schotten nur wenig von den Deutschen. Nationales Softgetränk ist Iron Bru, welches auch wirklich nur in Schottland gefunden werden kann. Als alkoholische Getränke gelten Ale, Cidre und selbstverständlich Whisky als traditionell. In Thema Essen sind die Schotten denn doch schon etwas anders gestrickt, so überbacken sie enthusiastisch viele Mahlzeiten mit Blätterteig. Z.B. wird gerne eine Art Ragout mit Blätterteig überbacken, welches dann den Namen "Pie" trägt. Hühnchen Ragout mit Blätterteig ist ein "Chicken Pie". Eine besondere Spezialität ist "Haggis". Im Schafmagen gekochte Schafsinnerein vermengt mit Hafermehl, hört sich zwar nicht sehr appetitlich an, aber man sollte es durchaus mal ausprobieren, besonders, wenn man Gerichte wie z.B. Leber mit Zwiebeln mag.

Reisebericht als PDF
Autor: pascalolschewski  27.01.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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