Ein Spaziergang entlang der Weichsel in Krakau

Die Krakauer Wasserfront an der Weichsel überrascht mit zahlreichen Denkmälern und prächtigen Vistas an Polens längstem Fluss.

Die Weichsel fließt etwa 30 Kilometer durch Polens alte Hauptstadt. Hier ist der berühmteste Fluss Polens noch ein relativ schmaler Strom, an den meisten Stellen ist er sechzig Meter breit. Die Wassermenge ist auch noch nicht sehr eindrucksvoll, nur 60 m³ fließen an den Krakauer Denkmälern vorbei auf der Suche nach der noch sehr weit entfernten Ostsee. In dieser Stadt ist der Fluss ausnahmslos kanalisiert worden, im Gegensatz zu seinen meisten anderen Abschnitten. Die Gegend um die Stadt ist hügelig. Die neuen Schleusen ermöglichen erstmals den Binnenverkehr größerer Schiffe, zurzeit ist aber deren Anzahl nur auf die wenigen touristischen Fähren begrenzt. Die Schleusen regulieren außerdem den Wasserstand, katastrophale Überschwemmungen gehören nunmehr der Vergangenheit an. Einige dieser hydrotechnischen Objekte wurden als Brücken konzipiert.

Warum dann eigentlich entlang der Weichsel in Krakau spazieren gehen? Nur dann sieht man, wie sich diese Stadt entlang des Flusses entwickelte, wie die verschiedenen Landschaftsformen den Bau der Verkehrswege, industrieller Anlagen und sogar der Sakralbauten beeinflussten. Man sieht die Liebe der Krakauer für ihren Fluss, wie sie seit jeher, trotz der wechselhaften politischen und ökonomischen Bedingungen, für die Schönheit und Eleganz ihrer Wasserfront gesorgt haben. Sogar zu Zeiten des Kommunismus konnten die westlichen Besucher diese, für den Ostblock ungewöhnliche, Sorge der Stadtverwaltung bemerken.

Die Epoche des „realen Sozialismus“ verbesserte aber leider keineswegs die Wasserqualität. In den 80er Jahre lebten hier keine Fische und Wasserpflanzen, eine Studie stellte sogar fest, dass das Wasser salziger als das in der Ostsee war, aufgrund von Auspumpungen der Salinen aus den unweit gelegenen oberschlesischen Kohlbergen. Krakau selbst trug erheblich zu der Verschmutzung der Weichsel bei, vor allem das industrielle Abwasser aus den Lenin Stahlwerken. Eine Stadt mit 700.000 Einwohnern verfügte über keine Kläranlage, denn die Umwelt war für die Regierung nicht so wichtig wie die Erfüllung des nächsten fünf Jahre Planes. In den 1980er erkannten die Menschen, dass die Verschmutzungen im Namen des angeblichen Fortschrittes keine Verbesserung des Lebensstandards für die Bevölkerung mit brachten.

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Nach 1990 wurden die Kläranlagen endlich gebaut, die ökologische Mentalität der Gesellschaft wuchs mit. Die Verbesserung der Wasserqualität wächst seither, heute stinkt das Wasser nicht mehr, die Salzwerte liegen fast beim Null. Dutzende Fisch- und Pflanzenarten sind zurück gekehrt und gewannen ihren alten Lebensraum wieder. Man spricht sogar von der baldigen Eröffnung öffentlicher Schwimmplätze mitten im Stadtzentrum.

Krakau profitierte von der Wende auch in anderen Bereichen. Neue, dringend benötigte Brücken konnten endlich errichtet werden, man bemühte sich erstmals um den Bau von Radwegen, für eine bessere Beleuchtung am Ufer, neuer Belag für die bereits existierenden Fußgängerzonen und Asphaltierungen der neuen. Dank allen diesen Maßnahmen ist heuer einer Spaziergang entlang des Flusses leichter und angenehmer als je zuvor.

Ausgangsort des Spaziergangs ist der Stadtteil Tyniec. Die Benediktiner ließen sich in Tyniec bereits circa 1050 nieder, zwar datieren die meisten Gebäude des Klosterkomplexes auf dem Kalkhügel auf die Zeit der Gotik und des Barock, aber es gibt auch romanische Relikte in den unteren Teilen der Verteidigungsmauer und in den Krypten unter der Kirche. Einen Blick auf das andere Ufer zeigt eine, für die Umgebung Krakaus, typische Landschaft. Tyniec, obwohl es zur Stadt gehört, hat ihre kleinstädtische Atmosphäre gut bewahrt. Wenn man die Siedlung entlang des Hochwasserdamms verlässt, wird man sehr bald von Feldern umgeben. Aber nicht für lang. Die Autobahn A4 rückt in Sicht- deren Brücke dient nicht nur der sechsspurigen Trasse, sondern funktioniert auch als Schleuse. Nach dem polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko benannt, sie ist der erste Teil der Krakauer Weichselregulierung, der man auf einem Spaziergang begegnet. Ein schmaler Kanal auf der Südseite dient Liebhabern des Weißwasserraftings, ihr schneller Strom soll einen Gebirgsfluss imitieren.

Neben dem Ufer beginnt nun ein, mit grünen Zeichen markierter, Radweg zu verlaufen, wir folgen ihn durch friedliche Wiesen, wo ein paar kleine Bäche in die Weichsel münden. Auf dem linken (nördlichen Ufer) liegt die Villensiedlung Bielany. Dahinter erheben sich immer höhere Anhöhen. Auf einer, der Srebrna Gora, sieht man inmitten des dichten Laubwalds die weißen Türme eines Klosters. Sie gehören dem Kamaldulenser Orden, einer strikten katholischen Gemeinde, von der nur noch drei in der Welt existieren. Männer dürfen den Komplex an den meisten Tagen besuchen, Frauen dagegen nur an ein paar ausgewählten Tagen. Man kann Bielany und das Kloster mit den Buslinien 109, 209 und 229 vom Stadtzentrum erreichen. Ein Besuch des schönen, Anfang des 17. Jahrhunderts von Marschall Mikołaj Wolski gestifteten Klosters belohnt den langen Weg aus der Innenstadt.

Es bleibt hügelig auf dem anderen Ufer, hier erstreckt sich der ausgedehnte Wolski Wald, seit langem das beliebteste Naherholungsgebiet der Krakauer. Das weitläufige Gelände beherbergt u. a. einen Zoo und einen künstlich aufgeschütteten Berg zu Ehren von Jozef Piłsudski, ein führender polnischer Politiker der Zwischenkriegszeit. Mit 383 Metern stellt er die höchste Erhebung Krakaus dar, nur die oberen 50 Meter davon wurden künstlich aufgeschüttet. Zwischen den Hügeln und dem Fluss verlaufen der Damm und die Ksiecia Jozefa Straße. Über dem Weiler Przegorzały, auf dem weißen Kalkfelsen steht der Gasthof der Universität, eine wunderbare Unterkunft und ein Geheimtipp bei Besuchern Krakaus. Dann macht der Fluss eine Biegung und entfernt sich allmählich von den Anhöhen, das dazwischen liegende Flachland wird von den Gartenkolonien übernommen.

Auf der südlichen Seite der Weichsel erreichen wir den Stadtteil Bodzow, von hier gesellt sich der schwarz markierte Wanderweg zum Radweg. In Pychowice heben sich schneeweiße Kalkfelsen hoch über den Fluss, im Wald dahinter versteckt sich auch eine interessante Höhle - Jaskinia Twardowskiego- um sie zu besuchen, muss man nur der Beschilderung folgen. Die Tyniecka Str. folgt nunmehr direkt entlang des Ufers bis die Zwierzyniecki Brücke, Krakaus erster Hängebrücke aus dem Jahr 2000, erreicht wird. Auf einem gutgepflegten Pfad erreichen wir schließlich das Stadtzentrum.

Unweit der Brücke befindet sich das Kloster der Norbentannerinnen mit der Kirche des hl. Augustus, gestiftet bereits im 13. Jahrhundert und damit einer der ältesten erhaltenen Bauten der Stadt. Die Nonnen wählten diesen Platz an der Mündung des Rudawa Baches wohl aus strategischen Gründen, es half aber nicht gegen die Tataren die den Komplex 1241 verwüsteten. Höher auf dem Hang liegt der Zwierzyniecki Friedhof, letzte Ruhestätte vieler Prominenter. Noch weiter bergaufwärts sieht man die Spitze des Kościuszko Erdhügels, künstlich auf den Hügel der Hl. Bronisława geschüttet als Erinnerung an den kürzlich vorher verstorbenen polnischen Nationalhelden. Zusammen mit dem Hügel erreicht er die Höhe von 326 Metern und bietet unvergessliche Aussichten über der Stadt.

Die dichte Bebauung des Stadtzentrums beginnt jetzt an den beiden Ufern- auf dem linken das Zwierzyniec Viertel, dank seiner guten Lage einer der edelsten Krakaus, das Dębniki Viertel ist ebenfalls von den Prominenten hoch begehrt und bewährt den Charakter eines separaten Städtchens, mit einem eigenen Marktplatz und engen Gassen. Bis vor hundert Jahren war es eine von Krakau unabhängige Gemeinde.

Jetzt kommen wir zum berühmtesten Abschnitt der Weichsel, Motiv zahlloser Postkarten und Inspiration für etliche Künstler. Hinter der Dębniki Brücke beginnt eine scharfe Kurve, oben erhebt sich der Wawel Hügel mit der Kathedrale und dem Schloss. Auf dieser kleinen Anhöhe konzentrierte sich das politische und kulturelle Leben Polens zwischen den 11. und 16. Jahrhundert. Hier residierte nicht nur der königliche Hof, hier wurden auch Könige gekrönt und begraben. Kein Wunder, dass sie das am meisten besuchte historische Ensemble Polens ist.

Unten den Befestigungen sehen wir den Eingang zur „Drachenhöhle“, einst angeblich von einem schrecklichen Drachen bewohnt. Der Legende nach, tötete der erste Herrscher der Region, Prinz Krak, dieses menschenfressende Monster und gründete daraufhin die Stadt. Die von den Kindern sehr beliebte Darstellung eines eisernen Drachens, der regelmäßig Feuer spuckt, steht direkt am Ufer- man kann die Frequenz des Feuerspeiens mit einer gebührenpflichtigen SMS noch erhöhen- Kapitalismus pur!

Auf der südlichen Seite der Weichsel sieht man den modernistischen Bau des Manggha Zentrums für japanische Kunst, gefolgt von einem riesigen Verkehrkreis und der Grunwaldzki Brücke. Die Architekten dieser, und der Dębnicki Brücke, bauten die beiden Spannen nur ein paar Meter über den normalen Pegel des Flusses, sie wollten damit die Dominanz des Wawel Hügels nicht stören. Dies verursacht aber manchmal Probleme während eines Hochwassers, es gab sogar Zeiten, in denen die beiden Brücken geschlossen werden mussten.

In dem Park am linken Ufer vor der Brücke steht ein ungewöhnliches Denkmal. Er ist einem Hund gewidmet- und diese Geschichte ist keine Legende, sondern die Wahrheit. Anfang der 1990er Jahre wartete auf dem Verkehrkreis jeden Tag ein Hund namens Balto auf seinen Herrchen. Eines Tages kam der Besitzer nicht mehr- er starb in einem Verkehrsunfall. Der Hund wartete für Jahre vergeblich, gefüttert von den bewundernden Pendlern. Bevor er unter ebenfalls bei einem Autounfall starb, wurde das treue Tier zur Legende.

Hinter der von mehreren Straßenbahnlinien befahrenen Brücke sieht man den Betonklotz des ehemaligen Forum Hotels. An dieser Stelle soll bald ein neues Luxushotel entstehen. Hier mundet der Wilga Bach in die Weichsel und markiert den Beginn des Podgorze Viertels, einst eine separate Stadt. Gegenüber dieser Einmündung erstreckt sich Kazimierz, das früher eine eigenständige Stadt war, die erst später an Krakau angegliedert wurde. Der westliche Teil von Kazimierz wurde immer von der christlichen Bevölkerung bewohnt.

Vom Ufer aus sieht man das Pauline Kloster mit der barocken Kirche des hl. Stanisław, Schutzpatron Polens. Der im Jahre 1253 vom Papst heiliggesprochene Bischoff war ein mutiger Gegner von Königs Bolesławs, 1079 wurde er auf Befehl des Königs ermordet und sein Körper in einen Brunnen geworfen. Die Adeligen erhoben sich daraufhin in einem Aufstand, Bolesław starb im ungarischen Exil. Dieser Mord soll auf dem Fels auf der Stelle der heutigen Kirche stattgefunden haben- deswegen kommen hier noch immer Pilgerscharen.

Nun macht der Fluss wieder einen scharfen Bogen. Wir kommen an der Piłsudski Brücke hervor, eine elegante Bogenkonstruktion aus der Zwischenkriegszeit, zusammen mit der folgenden Powstancow Śląskich Brücke, sind sie die ältesten erhaltenen Weichselübergänge Krakaus. Auf dem linken Ufer, kurz vor der Brücke mundet das Flüsschen Wilga, danach beginnt das Viertel Podgorze. Wie Kazimierz war es einst auch eine separate Stadt, für eine Weile gehörte es sogar zu einem anderen Land .1772 fiel das ganze Gebiet südlich der Weichsel mit Podgorze unter die Herrschaft Österreichs. Die Stadt wurde danach in Josefstadt umbenannt, nach Kaiser Josef II, der zusammen mit seiner Mutter, Kaiserin Maria Theresia, an der Spitze des Habsburgerreiches stand. Erst 1795 besetzten die kaiserlichen Soldaten Krakau und Kazimierz, aber nicht langfristig. 1809 verloren sie die beiden wieder und sie fielen wieder an Polen. Bis 1846 bildete die Weichsel mal wieder die Grenze, dann fiel Krakau abermals unter die Verwaltung Wiens.

Die Geschichte von Podgorze, ein angenehmer, doch seit seiner Angliederung an Krakau eher unspektakulärer Vorort Krakaus sah ihren dramatischsten Moment während der Zeit der NS-Besetzung. Die Juden, die die westliche Hälfte von Kazimierz bereits seit dem Mittelalter bewohnten, wurden über den Fluss vertrieben. Podgorze wurde zu einem Ghetto, 1943 wurde es aufgelöst und ihre Insassen wurden nach Auschwitz deportiert. Auf dem südlichen Ende der Powstancow Śląskich Brücke erreicht man dem breiten Platz Bohaterow Getta. In der Mitte des Platzes stehen Dutzende leere Stühle aus Granit. Warum? Sie sollen an das Eigentum der deportierten Juden erinnern, die es genau an diesem Ort verlassen mussten. Das ist eine der bewegendsten Erinnerungen an das Ghetto.

Über der Brücke gibt es viel mehr Judaika aus den fröhlicheren Zeiten, dieser, an diesem Ort lang existierenden Glaubensgemeinde. Die Starowiślna Str. führt nach einigen hundert Meter zu ein paar denkmalgeschützten Synagogen und einem mittelalterlichen, jüdischen Friedhof. Nach durchgehenden Sanierungsarbeiten lockt das, durch Steven Spielbergs Film „Schindlers List“ berühmt gewordene, Viertel viele Besucher aus Israel und auch viele jungen Polen, für die die Zeit als ihr Land Heimat der meisten europäischen Juden war, von einer anderen Epoche erscheint.

Gleich nach der Powstancow Śląskich Brücke gehen wir unter der Eisenbahnbrücke durch. Erbaut als Teil der galizischen Krakau-Lemberg Magistrale, wird sie heute von den meisten Passagierzügen in Richtung der Berge benutzt. Früher diente sie auch Güterzügen, bis in den 1960er der Verkehr so stark wurde, dass zwei Schienen nicht mehr genügten. Eine zweite Eisenbahnbrücke wurde deshalb erbaut, ein Stück flussabwärts. Zuerst aber sieht man ein großes Einkaufszentrum, die Galeria Kazimierz. Vor wenigen Jahren war dies noch das städtische Schlachthaus, nun findet man hunderte mehr oder weniger luxuriöse Boutiquen. Ein gutes Beispiel des Umbaus alten industriellen Geländes in Tempel des Kommerzes. Das Einkaufszentrum gehört zu den stilvollsten in Europa. Teile des alten Komplexes wurden geschickt adaptiert und fügen sich sehr erfolgreich mit den neuen Passagen.

Die Kotlarski Brücke ist auch ein Symbol der neuen Zeiten. Über der post- modernistischen, bunt gefärbten Konstruktion verläuft der östliche Abschnitt des inneren Gürtels der Stadt. Der Platz zwischen den Fährbahnen wird für eine künftige Straßenbahnlinie frei gehalten. Die Weichsel macht eine leichte Kurve hier und die zweite Eisenbahnbrücke rückt in Sicht. Wie die meisten, in den 1960er Jahren erbauten Konstruktionen in Polen, sie ist schlicht und nicht bemerkenswert. Die nächste Straßenbrücke datiert aus dem gleichen Jahr, sie würde ebenso so uninteressant aussehen, hätte ihre Konstruktion nicht gleichzeitig als eine Schleuse gedient. Der Fluss breitet sich hier ein bisschen aus, der Strom verlangsamt sich, nachdem das Hindernis überwunden ist, kehrt sich alles zum Normalen zurück.

Bei der Dąbie Schleuse enden allerdings die bequemen Uferwege, wir verlassen endgültig die inneren Bezirke Krakaus, die Umgebung wird wieder wilder, das Gehen ist hier nicht mehr so einfach, dafür aber auch überraschender. Sollten wir dem rechten Ufer folgen blockiert die Mündung des Flüsschens Białucha das Weitergehen, man muss ihm ein Stück nordwärts folgen und die stark befahrene Al. Pokoju überqueren, erst danach gibt die Niepołomska Str. die Möglichkeit einer Wiederkehr zum Flussufer. Das rechte Ufer verursacht noch mehr Probleme, hier steht ein Hafen im Weg, eine lange Umleitung auf die Stoczniowcow und Nowohucka Straßen ist die Folge. Die Letztere verbindet die südlichen Bezirke mit dem einstigen Prestigeprojekt der Nachkriegszeit- die Arbeitersiedlung Nowa Huta und die größte Eisenhütte Polens.

Wenn wir direkt die Weichsel folgen, werden wir den endlosen Reihen der sozialistischen und später erbauten Wohnklötzen vermeiden können, der einzige Teil des Industriekomplexes der an den Fluss rückt ist der größte Kraftwerk Krakaus. Wir sahen ihn wohl viel früher, die 120 Meter hohen Schornsteine sind die höchsten Bauten Südpolens. Sonst bleiben die unbefestigten Uferwege friedlich und die Landschaft besteht vor allem von Weiden und Wiesen. Auf dem Südufer sehen wir die Überreste der Fort Lasowka, Element des Außenrings der Krakauer Festung. Hier gesellt sich der schwarz markierte Pfad und führt uns bis zur Wandy Brücke.

Hinten dieser Weichsel-Überquerung breiten sich die Wiesen immer mehr aus, die Anzahl der Häuser wird immer weniger. Am Horizont ziehen sich viele Schornsteine hoch in den Himmel. Die einst nach Lenin benannte Hütte ist zum großen Teil stillgelegt worden. Diese verrosteten Anlagen liegen gut 2 Kilometer von der Weichsel entfernt und stören die Ufer nicht mit ihrer seelenlosen Hässlichkeit. Wir folgen der Südseite des Flusses, die Nordseite wird von der Mündung des Baches Dłubnia und einem weiteren, 2 km langen Hafen unterbrochen- ein Abstecher, der sich nur im Fall einer Besichtigung des Hüttenkomplexes lohnt. Eine weitere Krümmung des Stroms erstreckt sich vor uns, wir kommen an der Schleuse „Kujawy“ hervor. Die östlichste der drei Krakauer Schleusen, sie ist wohl auch die schönste, bildet eine, teilweise von den Gartenkolonien besetzte, Insel.

Die letzten sechs km sind voll ländlicher Idylle, man befindet sich zwar noch innerhalb Stadtgrenzen Krakaus, aber fühlt sich bereits weit außen in kleinpolnischer Tiefebene. Die ehrgeizigen Stadtplaner der 50er Jahre, einer Ära in der alles möglich erschien, dachten, dass bis 1980 auch diese Wiesen und Felder dicht mit Plattenbauten bebaut sein würden. Wir folgen dem nördlichen Ufer unter einer Bahnbrücke durch, und erreichen schließlich die letzte Straßenbrücke der Stadt, die in das unweit gelegene Städtchen Niepłomice führt. Hier, auf dem Platz auf dem bis 1914 die russisch- österreichische Grenze verlief, endet unsere circa 30 km lange Begegnung mit der Weichsel. Mit den Buslinien 111 oder 116 ist die Endhaltestelle der Straßenbahnlinien 15 und 21 im Stadtteil Pleszew in weniger als 20 Minuten erreichbar, und von dort die Krakauer Altstadt in einer halben Stunde.

Reisebericht als PDF
Autor: bnabrdalik  15.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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