Eine Beerdigung bei den Mon- Ein etwas anderes kulturelles Erlebnis
Eine Beerdigung ist immer ein tiefer Einblick in eine Kultur. Wir hatten die Ehre einer Bestattung bei den Mon beizuwohnen und ein Stück in ihre Kultur einzutauchen.
Beerdigungen sind in jedem Kulturkreis hochsensible Angelegenheiten. Auch in unseren Breiten ist es immer wieder seltsam einer Beerdigung beizuwohnen, aber in einem fremden Kulturkreis zu einer Beerdigung eingeladen zu werden, ohne in ein Fettnäpfchen zu treten, ist eine große Herausforderung.Wir lebten nun schon 5 Wochen im Mon Dorf Khung Phayom, in der Provinz Ratchaburi, Thailand. Diese meisten Dorfbewohner waren uns schon bekannt und auch an Kultur und Lebensgewohnheiten hatten wir uns inzwischen angepasst.
Eines Morgens begann früh um Fünf laut Musik durch das Dorf zu hallen. Es war für unsere Ohren fröhliche Musik mit leicht knatschigem Gesang. Für uns klang es heiter, den Bewohnern des Dorfes war sofort klar, jemand war gestorben. Eifrig begannen alle mit den Vorbereitungen für die Beerdigung, die schon am nächsten Tag stattfand. Die Musik spielte den ganzen Tag und beschallte alle.Am nächsten Morgen hieß es für alle früh aufstehen und die traditionelle Kleidung der Mon anziehen. Als Mann musste ich einen blauen Rock mit gelben Karos, ganz ähnlich einem Schottenrock, wickeln und eine pink grün karierte Schärpe überwerfen. Die Frauen trugen ebenfalls Röcke und eine Schärpenkombination aus schwarz und weiß.
Von den Kleidern und auch durch die Musik scheint eine Beerdigung bei den Mon nicht so negativ besetzt zu sein wie bei uns. Tatsächlich ist für die tiefgläubigen Buddhisten dieser Tag nur das scheiden aus dem diesigen Leben und der übertritt in das Nächste. Deshalb sieht man, auch wenn natürlich einige weinen, nicht so viele traurige Gesichter wie in westlichen Breiten.Wir aßen gemeinsam mit dem gesamten Dorf im Haus der Familie, in dem sich auch der reich verzierte Sarg befand. Das Mahl war traditionell Mon, unterschied sich jedoch nicht von den gewöhnlichen Essen, die wir bis dahin bekommen hatten, außer das die Leibspeise des Verstorbenen, eine Art Curry ( phwa hna ajep), aufgetischt wurde.
Nach dem Essen kamen Mönche und der gesamte Trauerzug zog, den Mönchen folgend, den Sarg an einer Schnur in den Tempel. Diese Schnur stellte nur symbolisch das gemeinsame Begleiten dar, vielmehr trugen die Männer des Dorfes die Sänfte, doch durch die Schnur hatten alle Anteil. Im Tempel beteten dann rund Achtzig Mönche für den Eintritt der Verstorbenen in Nirwana und jeder Gast überreichte am Ende der Zeremonie jeweils einem Mönch eine neue Robe. Nicht nur die Mönche erhielten Geschenke, auch jeder, der die Prozession begleitete, erhielt am Ende ein Amulett mit einer Schutzgottheit.Nach der Zeremonie im Tempel zogen alle abermals an der Schnur, nur diesmal in Richtung Krematorium, in dem der Sarg verbrannt wurde. Zum Zeitpunkt der Entzündung des Sarges hockten alle um das Krematorium herum und beteten, bis einer der Hinterblieben das letzte Kleingeld des Toten auf die Wiese warf und alle danach suchten.
Alles in allem ist so eine Beerdigung ein tiefer Einblick in eine fremde Kultur und es ist eine hohe Ehre einer Beerdigung beiwohnen zu dürfen. Um jedoch niemanden zu kränken, sollte man sehr vorsichtig agieren und am besten wie wir, jemanden dabei haben, der einem alles erklärt und solch einem Anlass gemäß Anweisungen gibt, damit man nicht doch in ein kleines Fettnäpfchen stapft.
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