Eine Reise durch die Kimberleyregion - Teil 3 - Great Northern Highway
Der Great Northern Highway führt mitten durch die australische Kimberley Region im Nord Westen des Landes. Über ihn erreicht man abenteuerliche Naturschauplätze und atemberaubende Nationalparks.
Der letzte Teil meiner Reise durch die Kimberleys führte über den Highway von Westen nach Osten. Für viele mag dieser Teil der erste und gar der einzige Teil der Kimberleys sein. Der Vorteil ist, dass dieser Teil auch ohne Allrad Fahrzeug zu bewältigen ist. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen jedoch abseits des Highways und sind dann eben doch nur mit Allrad zu erreichen. Viele Menschen umgehen dieses Problem, indem sie ihr Auto an den Einfahrten stehen lassen und dort Leute mit Allrad-Fahrzeugen fragen, ob sie sie mitnehmen. Das ist zwar ein Verzicht auf Komfort, könnte aber sicherlich dazu führen, einige interessante Menschen kennenzulernen.
Ich stieß auf den Highway ca.40 Kilometer westlich von Fitzroy Crossing. Nach einer Woche Outback sollte Fitzroy Crossing die erste Zivilisation sein, auf die ich traf. Die Biervorräte waren längst aufgebraucht und ich freute mich auf Nachschub, denn ein Bier am Lagerfeuer in der Mitte der Wildnis ist unersetzlich. Zu meiner Enttäuschung gab es in Fitzroy Crossing und jeder weiteren Ortschaft durch die der Highway führt, nur Light Bier mit 2,4% Alkohol. Einen schlechteren Bierersatz wird man unter der Sonne dieser Erde kaum finden. Alles darüber hinaus ist in dieser Gegend aber verboten. Fitzroy Crossing hat einen legendären Pub, der aber ebenfalls nur das leichte Bier verkaufen darf. Ansonsten gibt es in den Ortschaften entlang des Highways nicht viel zu entdecken.
Die erste Sehenswürdigkeit ist der Geikie Gorge National Park ca.30 Kilometer westlich von Fitzroy Crossing. Hier kann man Bootstouren buchen. In dem Fluss sind reichlich Krokodile und Bullenhaie zu entdecken. Dass so viele hundert Kilometer von jedem Meer entfernt Bullenhaie in einem Fluss leben ist sehr ungewöhnlich. Als nächstes liegt 290 Kilometer östlich von Fitzroy Crossing der Ort Halls Creek. 16 Kilometer von Halls Creek führt ein Weg Richtung Süden. Hier gelangt man zu dem Wolfe Creek Meteoriten Krater.
Um diesen sensationellen Ort zu besichtigen muss man ca.140 Kilometer unbefestigte und je nach Jahreszeit, schwer beschädigte Straße in Kauf nehmen. Ich kann es trotzdem nur jedem empfehlen. Berühmt geworden ist der Krater durch den Horrorfilm Wolf Creek, in dem zwar eine Luftaufnahme des Kraters gezeigt wird, sonst aber nicht dort gedreht wurde. Der eigentliche Grund, warum es sich lohnt sich Wolfe Creek anzuschauen ist, dass der Krater der zweitgrößte seiner Art ist und in diesem flachen Land befällt einen das Gefühl von Unwirklichkeit, dass man, so lange man auf dem Kraterrand steht, nicht wieder los wird. Obwohl der Rand gerade einmal 20 Meter hoch ist, scheint man unendlich weit blicken zu können und vor einem erstreckt sich ein Loch im Boden mit über 900 Metern Durchmesser. Hier und da sitzen Agamen auf den warmen Steinen und schauen einem mäßig interessiert beim staunen zu. Der Abstieg ist zwar erlaubt aber nicht empfohlen, da das Gestein sehr lose ist und man sich recht schnell verletzen kann, was soweit abseits nicht die beste Idee wäre. Ich habe auch keine Notwendigkeit darin gesehen, da der Anblick von oben sicher der spektakulärere ist. In der Nähe des Kraters ist ein Campingplatz eingerichtet. Man muss also nicht die 140 Kilometer zurück zum Highway fahren. Schatten gibt es dort jedoch nicht und auch kein fließendes Wasser.
110 Kilometer hinter Halls Creek führt ein Weg Richtung Osten in den Purnululu National Park, besser bekannt als die Bungle Bungles. Dieser Name basiert aber auf einer falschen Interpretation der Weißen. Der Weg in den National Park ist etwas über 50 Kilometer lang aber man sollte über drei Stunden einplanen und in der Regenzeit ist er gar nicht passierbar. Es ist abenteuerlich und das Auto kann einem nur leid tun. Mit einem Fahrzeug ohne Allrad ist bereits der Versuch verboten, da es keine Chance gibt, dass das Auto den Weg heile übersteht. Normalerweise wird darum gebeten, sein Feuerholz außerhalb der National Parks zu sammeln. Hier ist es verboten, das Holz mit hinein zu nehmen. Das sammeln ist aber ebenfalls verboten. So wird auf den nicht ganz günstigen Campingplätzen das Holz gestellt. Auf Grund der Trockenheit dürfen nur Feuer in den vorgesehenen Feuerstellen gemacht werden. Diese sind leider nicht besonders zahlreich, was ein großes Minus für diesen National Park ist.
Zu sehen gibt es dort sehr alte Felsformationen, die sich als runde, gestreifte Hügel aneinander reihen. Durch Schluchten mit gelegentlichen Wasservorkommen bahnt man sich seinen Weg durch eine ganz erstaunliche Landschaft. Hier habe ich einen kleinen Waran gesehen, den ich in keinem Bestimmungsbuch finden konnte. Weiter wäre ich beinahe auf eine junge, sich sonnende Braunschlange getreten. Ein Beweis dafür, dass Schlangen nicht zwingend verschwinden, bevor man sie erreicht hat. Weiter gibt es viele Papageien und andere Vogelarten zu entdecken. Die zwei Campingplätze haben fließendes, nicht trinkbares Wasser, jedoch keine Duschen. Weiter ist in diesem National Park mehr los als man erwarten würde.
Zurück auf dem Highway: hier gibt es zahlreiche Rastplätze auf denen man über Nacht parken und schlafen kann. Häufig sind auch Toiletten vorhanden. Möglichkeiten zum Duschen gibt es häufig für wenig Geld an den Tankstellen. Mein nächster Halt war Kununurra, dort wo meine Reise durch die Kimberleys begann. Hier hieß es wieder Vorräte auffüllen, denn in den Orten entlang des Great Northern Highway sind Lebensmittelpreise schwindelerregend hoch. So sollte man vor längeren Ausflügen in das Outback stets so viele Vorräte einkaufen, wie möglich. Die Kimberleys sind ein riesen Abenteuer und unbedingt eine Reise wert.
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Bungle Bungle National Park