Eine Reise nach München - Metropole zwischen Tradition und Moderne
München ist nicht nur die bayrische Hauptstadt, sondern auch die deutsche Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Dirndlkitsch und Hofbräuhaus treffen hier auf topmoderne Gastronomie und eine perfekte Infrastruktur.
München lässt sich nur schwer in Worte fassen. Die südlichste Hauptstadt Deutschlands ist so ganz anders als Berlin oder Hamburg – intimer, kleiner, offener mit einem im Sommer schon fast italienisch anmutenden Flair. Der echte Münchner, wie man ihn aus Fernsehserien kennt, existiert zwar noch, und es kann passieren, dass man in einem der unzähligen Biergärten neben einer Gruppe alter Männer mit Schnurrbärten, Hüten mit Gamsbart und Lederhosen sitzt, die bei einer Maß Bier und mitgebrachter Jause die Politik diskutieren, doch mindestens genauso oft trifft der Reisende auf „zuagroaste“ Nordlichter.
Der Zuzug nach München ist enorm, haben hier doch internationale Firmen und Banken in großer Zahl ihren Sitz und ziehen so junge und karrierebewusste Menschen aus ganz Deutschland, ja eigentlich ganz Europa, hierher. Das bekommt München gut: Die Atmosphäre ist international, viel schicker als in Berlin, aber weniger hanseatisch distanziert als in Hamburg. Veronica aus Spanien, die seit kurzem hier lebt, bringt es auf den Punkt: Wenn das Wetter nur besser wäre, wäre es hier fast wie in Rom oder Madrid. Und so schlecht ist das Wetter eigentlich gar nicht. Bei Föhn, einem Südwind, der aus Italien über den Alpenhauptkamm nach München weht, scheinen die Berge direkt hinter der Frauenkirche zu liegen, und die Fernsicht auf schneebedeckte Gipfel ist grandios.
Eine Weißwurst auf dem Markt und dann ab auf den Alten Peter
Die Anreise nach München ist denkbar einfach – die Stadt hat einen der modernsten Flughäfen Europas, der mit der S-Bahn perfekt an das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen ist und der Bahnhof liegt wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt. So kann der morgens frisch angekommene Besucher einen kleinen Spaziergang über den auch als „Stachus“ bekannten Karlsplatz bis zum Marienplatz mit seinen zwei Rathäusern, den Gauklern und der namengebenden Mariensäule machen, dort hinter dem Alten Rathaus scharf nach rechts einbiegen und schon ist man auf dem Viktualienmarkt. Wer in Bayern nicht auffallen möchte, der spreche diesen bitte mit einem „F“ am Anfang aus und nicht mit einem „W“, und um sich weiter auf das süddeutsche Lebensgefühl einzustellen, sollte man sich zur Stärkung eine morgendliche Weißwurstjause gönnen.
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Wer jetzt ungläubig-angeekelt den Kopf schüttelt, muss wissen, dass der Bayer die Weißwurst nur bis Mittag „zuzelt“. Früher waren die brühfrischen Würste natürlich nicht so gut konservierbar wie heute, und es war aus gesundheitlichen Gründen ratsam, diese rasch vor dem Mittagsläuten zu verzehren, doch das „Zuzeln“ ist schwer sinnvoll zu erklären. Der Darm der angeblich hier auf dem Viktualienmarkt erfundenen Wurst wird im Normalfall nicht mitgegessen, und der initiierte Esser saugt sie aus gekonnt diesem heraus. Wer das Zuzeln nicht so gern mag, kann natürlich auch Messer und Gabel verwenden. Auf jeden Fall aber gehören ein süßer Senf und eine Brezel oder Semmel dazu. Bei dieser andächtig-traditionellen Form des Brunches kann man ungestört die Marktfrauen beobachten, die sich liebevoll-schnippisch um ihre Stammkundschaft bemühen. Auf dem Viktualienmarkt trifft sich Jung und Alt, Reich und Arm, und der aufmerksame Voyeur wird hier seinen Spaß haben.
Und nur unweit vom Viktualienmarkt liegt der Alte Peter, Die Peterskirche ist sogar älter als die Stadt München, wurde sie doch von Tegernseer Mönchen gegründet, die bereits im zehnten Jahrhundert eine kleine Siedlung an dieser Stelle anlegten, die später als „Munichen“, bei den Mönchen, bekannt wurde. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut und nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg renoviert. Trotz der Zerstörungen sind die 20 Altäre und Opferstöcke und der hauptsächlich gotische Baukern einen längeren Aufenthalt wert. Wer sich die Kalorien von der Weißwurst abtrainieren möchte, der erklimmt am besten die 302 Stufen auf den Turm, der liebevoll Alter Peter genannt wird und von dem man einen prachtvollen Blick auf die Stadt und mit ein bisschen Glück bis auf die Alpen hat.
Wittelsbacher Prunk, kindsraubende Affen und schäumendes Bier
Wenn man vom Viktualienmarkt nach links zurück über den Marienplatz bummelt, stößt man auf die Theatinerkirche mit ihrer charakteristischen gelben Barockfassade und den schwarzen Türmen. Gleich in der Nähe liegt der Hofgarten, in dem die prunkvolle Residenz der Wittelsbacher besucht werden kann. Im Hofgarten rastet es sich zwar auch schön, aber die prunkvollen Säle, die weiten Fluchten und das vor Rokoko-Stuck überbordende Cuvilliés-Theater sind auf jeden Fall mindestens einen halben Tag wert. Beeindruckend ist auch, wie perfekt die Anlage nach den massiven Zerstörungen von fast 90 Prozent im Zweiten Weltkrieg restauriert wurde. Hier ist jeder Schritt historisch bedeutsam, und jeder bayrische Herrscher ab 1569 hat hier seine Spuren hinterlassen.
Davor residierten die Wittelsbacher im benachbarten Alten Hof. Ludwig der Strenge, der auch bereits die Löwen als Wappentier führte, hielt hier echte Exemplare und spazierte mit diesen gern auch durch München. Er hatte scheinbar eine Vorliebe für exotische Tiere: Einer Legende nach hielt er auch einen Affen, und dieser raubte eines Tages den Thronfolger, der erst nach langem Zureden wieder von diesem freigegeben wurde. Der Affe hatte das Kleinkind auf einen Erker verschleppt, der heute noch als „Affenturm“ jedem Münchner Schulkind bekannt ist.
Nach soviel Geschichte ist eine erneute Rast notwendig, und praktischerweise ist das berühmte Hofbräuhaus nur wenige Schritte entfernt. Hier kann auch außerhalb des Oktoberfestes typische Bierfeststimmung genossen werden, die Kellnerinnen tragen Dirndl und servieren frisch gezapftes Bier und deftige Köstlichkeiten. Bis 1828 durften hier nur die Angestellten des Hofes speisen, während heute teilweise bis zu 10.000 Liter Bier ausgeschenkt werden. Natürlich ist ein Besuch für alle Touristen Pflicht, und auch wenn es schon fast ein Klischee ist, so hat das Hofbräuhaus eine Atmosphäre, die man zumindest einmal im Leben geatmet haben muss. Schön ist im Sommer der Gastgarten im Arkadenhof. Doch München hat natürlich auch noch diverse andere Biergärten, und jeder Münchner hat seinen Lieblingsplatz. Am besten spricht man einfach mit den Einheimischen und testet sich genussvoll von Löwenbräu zum Augustinerbräu und natürlich in den Garten um den Chinesischen Turm im Englischen Garten.
Entspannung beim Monopteros und Wissen zum Angreifen im Technischen Museum
Zu jeder Jahreszeit ist der Englische Garten einen Besuch wert. Der alte Baumbestand, der Kleinhesseloher See und der klassizistische Rundtempel, der den klangvollen Namen Monopteros trägt, machen diesen Park zu einem der schönsten Gärten Europas. Hier kann man Stunden im weichen Gras liegen oder „Leut’ schauen“, was der Münchner gern hat. Wird dies zu langweilig, so lockt Schwabing mit seinen Kneipen und den Stammlokalen und Wohnhäusern der hier lebenden Bohéme des 20. Jahrhunderts von Thomas Mann über Lenin bis zu den Geschwistern Scholl. Diese beiden verteilten in der Universität in Schwabing ihre Flugblätter gegen den Nationalsozialismus, und der Platz vor dem Universitätshauptgebäude trägt ihren Namen. Ihr letztes Flugblatt wurde in Metall gegossen und mahnt auf diesem Platz zum Innehalten.
München ist nicht nur bis heute eine Studentenstadt, sondern auch eine Stadt der Museen. Für Schulausflüge aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zu Recht populär ist das Technische Museum auf der nördlichen Isarseite. Nicht nur die Zahl der Ausstellungsstücke ist beeindruckend, das beste ist, dass man hier fast alles selbst ausprobieren darf. Didaktisch wunderbar aufbereitet, verlieren Naturwissenschaften und Technik ihren Schrecken. Für Kunstliebhaber ist München fast unerschöpflich: Die Glyptothek mit ihren Statuen, die drei Pinakotheken, die Gemälde vom Mittelalter bis heute präsentieren, das Lenbachhaus mit einer großartigen Sammlung, die hauptsächlich der Künstlergruppe des Blauen Reiter gewidmet ist. Ein Städtetrip nach München schreit definitiv nach Wiederholung!
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