Einkaufen in Lissabon - von Mini-Lädchen und Mega Shopping Centers

In Lissabon gibt es alles, was das Herz des Power-Shoppers begehrt. Für jeden Geschmack und in jeder Preisklasse ist etwas dabei. Viele Läden haben auch sonntags geöffnet.

In Lissabon und Umgebung sind in den letzten Jahren große, meist autogerecht am Stadtrand gelegene Riesen-Einkaufszentren wie die Pilze aus dem Boden geschossen. Los ging es in den achtziger Jahren mit dem "Centro Comercial Amoreiras" im Stadtteil Campolide, das aber mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist. Beliebter, weil moderner und großzügiger, sind heute andere Einkaufszentren. Das "Shopping Vasco da Gama" befindet sich auf dem ehemaligen Weltaustellungsgelände der "EXPO 98" beim Oriente-Bahnhof. Es gilt als das noble Lissaboner Einkaufszentrum. Es ist mit der roten Metro-Linie leicht zu erreichen, die Station heißt ebenfalls Oriente. Das "Centro Comercial Colombo" ist Lissabons größtes Einkaufszentrum, bis vor kurzem war es sogar das größte auf der gesamten iberischen Halbinsel! Es liegt an der Haltestelle "Colegio Militar/Luz" der blauen Metro-Linie und gegenüber dem Fußballstadion "Estadio de Luz", der Heimstatt von Benfica Lissabon. Etwas außerhalb Lissabons liegt Europas größtes Factory Outlet Zentrum namens "Freeport". Es befindet sich in Alcochete am Lissabon gegenüber liegenden Tejo-Ufer und ist über die Ponte Vasco da Gama zu erreichen. Dort gibt es hauptsächlich Kleidung diverser Nobelmarken zu günstigen Preisen.

Das Angebot der meisten Einkaufszentren ist im wesentlichen gleich: Es gibt einen Riesensupermarkt, "Hiper Mercado" auf portugiesisch, daneben die allseits verbreiteten internationalen Ketten wie Zara oder Benetton und unzählige Bekleidungs-, Schuh- und Uhrenboutiquen. Ebenfalls nicht fehlen dürfen natürlich Handy- und Elektronikläden sowie Dekorations- und Sportgeschäfte sowie die üblichen Dienstleister wie Friseur und Schuhmacher. Im "Colombo" gibt es sogar einen Baumarkt und einen Abenteuer-Spielbereich für Kinder. Auch ein Kino ist meistens ins Einkaufszentrum integriert. Nicht entgehen lassen sollte man sich die diversen Restaurant-Bereiche der Einkaufszentren. Das Angebot geht weit über das übliche Einerlei aus Hamburgern und Hot Dogs hinaus und ist oft verblüffend günstig. Insbesondere zur Mittagszeit kann man schon für etwa fünf Euro ein komplettes Gericht mit Getränk bekommen. Die Einkaufszentren sind durchweg sieben Tage die Woche und in der Regel auch an Feiertagen geöffnet. Ladenschluss ist meist um 23.00 Uhr oder um Mitternacht. Im Gegensatz zu Spanien bleiben viele portugiesische Geschäfte auch während der mittäglichen Siesta geöffnet. Kreditkarten werden fast so gut wie immer akzeptiert, manchmal muss dazu ein Ausweis vorgezeigt werden.

Auch wer lieber durch kleine Lädchen und Boutiquen stöbert, kommt in Lissabon auf seine Kosten. Rings um den "Rossio" im Stadtzentrum und in der Fußgängerzone der "Baixa" rund um die Rua Augusta gibt es noch zahlreiche kleine Einzelhändler, darunter viele Schuh-, Lederwaren- und Bekleidungsgeschäfte in Familienbesitz. Viele kleine, spezialisierte Geschäfte, die aus den Innenstädten anderer europäischer Metropolen längst verschwunden sind, haben sich in Lissabon gehalten, etwa Geschäfte für Samen und Blumenzwiebeln, Kamm- und Bürstenmacher oder diverse Stoffgeschäfte.

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Das bei einem Brand vor einigen Jahren schwer beschädigte Kaufhaus "Armazens de Chiado" in der Rua de Carmo, oberhalb vom Rossio, wurde beim Wiederaufbau im Inneren komplett neu gestaltet und zu einer kleinen Shopping-Mall umgebaut. Unter anderem ist die französische Unterhaltungs- und Elektronik-Kette FNAC mit einem guten CD und DVD-Sortiment dort vertreten. Ebenfalls im FNAC befindet sich ein Kartenvorverkaufs-Schalter für fast alle Lissaboner Konzertbühnen. Ganz in der Nähe, im Chiado und Bairro Alto, gibt es viele stylishe Designerläden, in denen hauptsächlich angesagte Kleidung und Inneneinrichtung angeboten werden. Ebenfalls zahlreich vertreten sind Galerien und Buch-Antiquariate, daneben haben sich erstaunliche viele Schallplattenläden gehalten, die durchweg gut sortiert sind und oft sogar noch Vinylplatten führen. Die wirklich vornehmen Geschäfte wie Gucci und Prada finden sich auf der Avenida de Liberdade zwischen Rossio und Marques de Pombal. Die Rua de Sao Bento, gelegen zwischen Rato und Palacio de Sao Bento, dem portugiesischen Parlament, ist das Zentrum der Lissaboner Antiquitätenhändler. Im unteren Bereich der Straße, direkt gegenüber dem Parlament, gibt es auch einen Werksverkauf für Glas aus Marinha Grande, der führenden portugiesischen Glasmanufaktur.

In den engen Gassen von Graca und Alfama gibt es noch viele kleine, oft namenlose Geschäfte, vielfach in Kellern versteckt, die so winzig sind, dass man sie als ungeübter Tourist fast übersehen könnte. In diesen meist etwas düsteren Kramlädchen gibt es die erstaunlichsten Sachen - von diversen Mausefallen über Dichtungen von 50 Jahre alten Wasserhähnen bis hin zu drei einzelnen Nägeln. Die meist etwas älteren Inhaber/Verkäufer führen auch noch Sachen, die es offiziell schon längst nicht mehr gibt und finden für jedes Problem in Haus und Garten eine im Zweifelsfall unkonventionelle Lösung. Größer könnten die Kontraste kaum sein: Einerseits hat Portugal mit die größten und modernsten Einkaufszentren ganz Europas, andererseits gibt es in Lissabon noch jede Menge ausdauernde Kleingewerbetreibende, die sich irgendwie über Wasser halten und damit dafür sorgen, dass es noch so viele liebenswert-anachronistische Lädchen für alle nur erdenklichen Bedürfnisse gibt.

Insgesamt günstig sind portugiesische Lederwaren und Textilien. Auch Keramikwaren sind preiswert, ebenso diverses Kunsthandwerk, das sich gut als Mitbringsel eignet. Eher teurer als in Deutschland sind Lebensmittel im Supermarkt. Ein Kilo Pfirsiche ist erstaunlicherweise in Deutschland billiger als in Portugal, wo sie wachsen. Ausländische Nahrungsmittel haben oft happige Preise, was die meisten Touristen aber nicht weiter stören dürfte, weil Essengehen in den meisten Lissaboner Restaurants immer noch ein billiges Vergnügen ist. Das gilt auch für Alkohol und Zigaretten. Mindestens auf deutschem Niveau liegen die Preise für Kosmetika, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik. Teuer ist generell jede Art von importierter Technik, was die Lissaboner aber nicht daran hindert, grundsätzlich die neuesten Handys und Autos zu besitzen. Wer Preisvergleiche für Dinge des täglichen Bedarf anstellen will, oder es ohne Schwarzbrot und Florena-Creme nicht mehr aushält, begebe sich zu Schlecker in der Rua de Sao Paulo oder zu Lidl, etwa in Alcantara oder Campo Grande!

Noch eine letzte Bemerkung, um keine Verwirrung entstehen zu lassen: Das Wort "Shopping" hat sich auch im portugiesischen eingebürgert, bezeichnet aber nicht die Handlung des Einkaufens, sondern den Ort, wo dieses geschieht. "Shopping" ist auf gut anglo-portugiesisch also die Kurzform für "Shopping Center" oder ein anderer Ausdruck für "Centro Comercial", was oft abgekürzt verwendet wird, z.B. in "C.C. Colombo".

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Autor: Alemaolisboa  09.09.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (4) | Nein

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