Festung und Steinkreise der Daker in Sarmizegetusa Regia

Sarmizegetuza war die Hauptstadt des Daker-Reiches zur Zeit von Decebal. Die beeindruckende Festung beinhaltet ein Heiligtum mit Steinkreisen als Kalendarium.

Von Sibiu kommend fährt man in westlich in Richtung Deva und biegt bei Orastie links in Richtung Cetatuia ab. Die Steinkreise von Sarmizegetusa Regia liegen auf einem bewaldeten Plateau im Orastie-Gebirge, ganz in der Nähe des höchsten Berges von Rumänien, dem Munte Batrana (alter Berg), wo die Daker einst eine Eisenmine betrieben. Das Sträßchen führt über kleine Dörfer und grüne Landschaft direkt bis zur Festung von Sarmizegetusa, jedoch wird der im letzten Teil unasphaltierte Weg etwa 2 km vor der Festung so schlecht, dass man einen Fußmarsch erwägen sollte, wenn man keinen Geländewagen hat. Sarmizegetzusa Regia sollte übrigens nicht mit der zwischen Hateg und Caransebes liegenden römischen Siedlung Sarmizegetusa Ulpia Traiana verwechselt werden (was oft geschieht, zumal beide Orte meist nur unter dem Namen Sarmizegetusa erwähnt werden).

Die Festung in Sarmizegetusa Regia

Weder die dakische Aussprache, noch Herkunft und Bedeutung des Wortes Sarmizegetusa sind gesichert bekannt. In der thrako-dakischen Sprache bedeutet „zermi“ Höhe und „zeget“ Festung, weshalb Sarmizegetusa möglicherweise als Festung in der Höhe übersetzt werden könnte. Bei der Festung von Sarmizegetusa handelt es sich um die größte Anlage, die der etwa 10.000 Jahre alten Kultur der Daker entsprang. Die ehemalige Hauptstadt und Sitz des Dakerkönigs Decebal befindet sich in 1.200 m Höhe und bildete das strategische Verteidigungszentrum der Daker in den Orastie Bergen. Die steinerne Festung beinhaltete sechs Zitadellen, wurde auf fünf Terassen auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern angelegt und von mehreren 3 m dicken und 4-5 Meter hohen Steinmauern umgeben.

Innerhalb der Festungsmauern befand sich eine Siedlung mit Wohnungen, Werkstätten, Geschäften, Wasserreservoirs und Lagern, zwei kreisförmige Heiligtümer und mehrere rechteckige Sanktuarien. Die Zivilbürger der Hauptstadt Sarmizegetusa wohnten neben der Festung auf Terassen am Fuße des Berges, von denen einige durch bis zu 14 m hohe Steinmauern gestützt wurden. Die dakischen Adligen hatten fließendes Wasser in ihren Wohnungen, welches in Keramikrohren geleitet wurde. Die Straßen waren gepflastert, steinerne Wasserleitungen und Dränagekanäle zogen sich durch die ganze Stadt. Archäologische Untersuchungen bescheinigen der Gesellschaft der Daker von Sarmizegetusa einen hohen Lebensstandard.

Für die Realisierung all dieser Steinkonstruktionen war ein enormer Aufwand nötig, zumal es in der Gegend keine als Baumaterial geeigneten Steine gab. Sarmizegetusa war umgeben von weiteren hunderten Festungen, über 5.000 km im Umfeld der Hauptstadt verstreut. Die Daker bauten in Höhen bis zu 2050 Metern, was einen Zeitzeugen zu der Aussage veranlasst haben soll „die Daker ummauern sogar ihre Berge“. In der Tat sind alle Berge um Sarmizegetusa terassiert, die Terassen mit Stützmauern stabilisiert. Auf allen Gipfeln fand man behauene Steine, bis zu 3 Tonnen schwer. Der Transport der Megalithblöcke zur Festung ist bis heute ein Rätsel. Die Daker waren jedoch nicht nur großartige Techniker und Baumeister, sondern auch gute Eisenschmiede, Mathematiker, Astronomen und militärische Strategen.

In den Jahren 101-102 und 105-106 führte der römische Kaiser Trajan zwei Feldzüge gegen den Dakerkönig Decebal und besiegte die Daker schließlich. Die Hauptstadt Sarmizegetusa wurde von den Römern erobert, in Brand gesetzt und weitgehend zerstört.

Das Heiligtum von Sarmizegetusa

Das Sanktuarium besteht aus einem großen Steinkreis von 29,40 m Durchmesser (dem sogenannten heiligen Kalender), zehn rechteckigen Heiligtümern mit Säulen aus Stein und Holz, einem kleinen Steinkreis und einer Sonnenscheibe mit Strahlenarmen. Der heilige Kalender gliedert sich in drei Teile: einer Apsis, die NNW - SSE ausgerichtet ist sowie zwei diese umgebende, kreisförmige Anlagen. Der Eingang der Apsis wird durch zwei Kalksteinsäulen markiert. Im Inneren definieren 4 Pfeiler aus Holz den Altar des Kultortes. Die beiden Kreise um die Apsis bestehen aus 84 bzw. 210 kleinen Pylonen aus Andezit.

Der dakische Kalender kann dem Historiker Vasile Dragomir zufolge an Präzision mit dem Kalender von Stonehenge konkurrieren – auch wenn die Steinkreise von Sarmizegetusa wesentlich kleiner sind und daher nicht annähernd so beeindruckend wirken. Ähnlich wie die Ägypter katalogisierten die Daker den Sternenhimmel auf der Basis von Stundenmaßen. Die rechteckigen Heiligtümer setzen sich aus Kalksteinpfählen, -scheiben und –blöcken, aber auch aus Holzpfählen zusammen. Am Westende der XI. Terrasse befindet sich ein kleines Sanktuarium aus drei Reihen Kalksteinsäulen mit je 5 Säulen. Das große rechteckige Sanktuarium besteht aus 3 Reihen mit jeweils 10 Andezitsäulen.

Funde aus Sarmizegetusa

Im Umfeld der Festung von Sarmizegetusa wurden mehrere kleinere Gegenstände gefunden, darunter Goldmünzen, Kalksteinblöcke mit griechischen Buchstaben und ein Gefäß mit der lateinischen Aufschrift „Decebalvs per Scorilo“ (Decebal ist der Sohn von Scorilo). Letzteres gibt Anlaß zu Spekulationen über die Herkunft der rumänischen bzw lateinischen Sprache, zumal der Dakerkönig Decebal vor der Zeit der römischen Eroberung in Sarmizegetusa herrschte. Die Römer fielen erst im Jahre 106 in Dakien ein und zerstörten die Festung von Sarmizegetusa. Welche Motivation hätten die Daker nach ihrer Niederlage gehabt, ein Gefäß im Namen ihres Königs auf lateinisch zu beschriften, wenn die Sprache nicht schon vorher schon im Land in Gebrauch gewesen wäre? Die Hypothese, dass die dem Lateinischen sehr ähnliche rumänische Sprache bereits vor dem Einfall der Römer existiert haben könnte, wird durch den Fund des Dakerschatzes von Pietroasa untermauert, der einen Ring mit einer Inschrift beinhaltet, die fast identisch mit der heutigen rumänischen Sprache ist.

Kurze Geschichte der Daker

Bei den Dakern (lateinische Bezeichnung) handelt es sich um einen nordischen Stamm der Thraker, die gelegentlich auch als Geten (altgriechischer Name) bezeichnet werden. Vor allem seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus sind steinerne Bauwerke und mit Steinmauern befestigte Städte der Daker bekannt. Erwähnenswerte sind neben Sarmizegetusa die kleineren Festungen Gradistea Muncelului, Costesti, Blidaru, Piatra Rosie, Banita und Capalna. Das Machtzentrum befand sich in der Hauptstadt Sarmizegetusa, die von zahlreichen Mauern umgeben war. Die Technik des dakischen Mauerbaus  wird als „murus dacicus“ bezeichnet und ist einzigartig in der Region, mit Ausnahme des römischen Limes.

Die Eroberung des Dakerreichs durch die Römer im Jahre 106 wurde in der sogenannten Trajanssäule festgehalten, die 113 in Rom errichtet wurde und eines der bedeutendsten römischen Kunstwerke darstellt. Im Jahre 2006 gab das rumänische Institut für historische Monumente (Institutul National al Monumentelor Istorice) eine Informationsbroschüre zu den dakischen Festungen in den Orastie Bergen heraus, die vor allem durch die Bilder des bekannten rumänischen Kulturfotografen George Dumitriu beeindruckt, der auch den Dakerschatz von Pietroasa fotografiert hatte (Photos zu Sarmizegetuza und dem Dakerschatz: siehe „National Geographic“, Juni 2003 und November 2004).



 

 

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Autor: Nina May  21.04.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein (1)

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