Flug zum Mount Everest

Den höchsten Berg der Welt mit eigenen Augen sehen? Einmal in Nepal ist der Flug zum Mount Everest von Kathmandu aus in einer knappen Stunde möglich.

Auf einer Reise nach Nepal den Mount Everest nicht zu sehen, das ist für mich fast wie München ohne Hofbräuhaus. Es geht einfach nicht. Da ich selbst jedoch weder die Kondition noch das nötige Kleingeld für eine Besteigung des höchsten Gipfels der Welt mein eigen nenne, gebe ich mich auch gern mit einem Blick auf ihn zufrieden. Glücklicherweise lässt sich dieser Wunsch direkt vom Airport Kathmandu aus verwirklichen.

Notwendig ist es hierzu, in einen kleinen Flieger vom Typ Beechcraft zu steigen. Das ist sehr angenehm, denn man wird von Pilotinnen, welche von der Coolness her locker mit Leibwächterinnen von Muammar al-Gaddafi konkurrieren könnten, souverän zum Berg seiner Träume geflogen. Nicht einmal eine Landung auf dem berüchtigten Flughafen von Lukla ist notwendig. Der Flug ist nämlich ein Rundflug, der obendrein sogar noch eine Garantie enthält. Einmal bezahlt, werde ich den Berg nämlich garantiert sehen. Und sollte er sich heute in Wolken hüllen, wird mich Buddha Air solange hinfliegen bis es klappt.

Zunächst besteht allerdings Frustgefahr, denn das eigentliche Ziel des Fluges zeigt sich natürlich nur voraus und somit im Cockpit. Wir Passagiere schauen zur Linken nur auf unzählige auftauchende B- und C-Klasse Berge. Doch die Lösung naht. Da die Sicherheitsvorkehrungen in Nepal nicht so groß geschrieben werden wie in anderen Teilen der Welt, ist das Cockpit nämlich frei zugänglich. Und so tappen wir einzeln, nach Aufforderung der bisher Bonbons verteilenden Stewardess, nach vorn. 

Welcher der Mount Everest ist, dass lässt sich beim Anblick der unzähligen Gipfel dann allerdings nur schwer erkennen. Die Copilotin gibt sich jedoch redlich Mühe dies zu erklären und der Ausblick ist auf jeden Fall grandios, so dass ein jeder zufrieden auf seinen Platz zurückkehrt. Nachdem ob dieses Erlebnisses beseelte Ruhe im Flieger eingekehrt ist, sehe ich meine Chance auf eine Zugabe und eile nach einem positiven Nicken der Stewardess nochmals nach vorn. Und wirklich, ich sehe den Mt. Everest direkt vor mir. Den Balanceakt der plötzlich notwendig wird, weil wir in diesem Moment scharf abdrehen und uns auf den Rückflug begeben, vollführe ich fast unbewusst, so gebannt starre ich auf den Berg. Und ein paar gute Fotos habe ich natürlich auch im Kasten.

Selbige zeigte ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland natürlich begeistert. Eine Freundin welche beruflich für die Sicherheit von Flugzeugen verantwortlich ist, fragte mich warum unsere Beechcraft denn nur von einer Copilotin und einer Flugbegleiterin gesteuert wurde. Kleinliche deutsche Sicherheitsbedenken werden meine Erinnerungen an diesen Flug aber sicher nicht trüben. Er war der Höhepunkt meines Aufenthaltes in Nepal und sei hiermit allen empfohlen.

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Autor: karic  17.06.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

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