Gibraltar- britische Enklave in Spanien
Die Halbinsel Gibraltar gehört immer noch zu Großbritannien und liegt am südichsten Zipfel der iberischen Halbinsel. Das Leben ist britisch, worauf die Einwohner stolz sind.
Gibraltar mit einer Größe von 6,5 km² liegt auf einer felsigen Halbinsel, die mit seiner 1,2 Kilometer langen Grenze direkt an Spanien anschließt und die Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik bildet. In vergangenen Zeiten oft heiß umkämpft, steht die Halbinsel von Gibraltar bis zur heutigen Zeit unter der britischen Krone. Mit seinen 28.750 Einwohnern, ist Gibraltar gegenüber dem übergroßen Nachbarn Spanien ein richtiger Zwerg, der sich bis zur heutigen Zeit gegen den diesen zu behaupten weiß.
Verhältnis zu Großbritannien
Als Überseeterritorium von Großbritannien besitzt Gibraltar seine eigene Regierung, die sämtliche Aufgaben der Selbstverwaltung übernimmt. Sie umfasst alle Bereiche des öffentlichen Lebens außer der Verteidigungs-, Außenpolitik und der inneren Sicherheit. Diese Aufgaben werden vom Königreich Großbritannien wahrgenommen. Staatsoberhaupt ist immer noch die britische Königin, sie wird in Gibraltar von Gouverneur Sir Adrian Johns vertreten. Er verfügt über die Vollmacht, die Interessen des Königshauses in Gibraltar durchzusetzen.
Anfahrt
Die Halbinsel von Gibraltar ist aus Spanien, sowohl von südlicher, als auch von nördlicher Richtung, über die Autobahn A 7 sehr gut zu erreichen. Jedoch muss man aufpassen, um nicht die richtige Abfahrt zu verpassen, denn der Weg nach Gibraltar ist nicht ausgewiesen. Dies hängt wohl damit zusammen, dass den Spaniern die britische Besetzung des Felsens von Gibraltar immer noch ein Dorn im Auge ist. Als Ausfahrt nimmt man am Besten jene, die in die Stadt La Linea de la Concepcion abzweigt. Sie ist Gibraltar als letzte Stadt auf spanischem Gebiet vorgelagert.
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Parken in Gibraltar
Es ist empfehlenswert, seinen Mietwagen direkt vor der Grenze an einem der vielen gebührenpflichtigen Parkplätze (Gebühr ein Euro/Stunde) abzustellen, denn Mietwägen sind in Gibraltar nicht versichert. Außerdem wälzt sich täglich eine lange Autokolonne in Richtung Grenzstation, die nur sehr langsam vorwärts kommt. Daher ist die Zeitersparnis als Fußgänger nicht unerheblich gegenüber dem Autoverkehr. Weiterhin sind Parkplätze in der Stadt sehr rar und somit entsprechend teuer. Aufpassen muss man beim Steuern seines Fahrzeuges, denn in Gibraltar gilt so wie in Großbritannien der Linksverkehr.
Kuriosität nach der Grenze
Es ist aber kein Problem, zu Fuß die kurze Strecke über die Grenze in die Stadt Gibraltar zurückzulegen. Kurios dabei ist, dass der gesamte PKW- und Fußgängerverkehr die Landebahn des örtlichen Flughafens kreuzt. Wenn ein Flugzeug startet oder landet, wird kurzerhand mittels einer Schranke der Straßenverkehr angehalten. Hierbei handelt es sich um den einzigen Flughafen der Welt, dessen Piste von einer vierspurigen Straße gekreuzt wird. Mit dem Mutterland Großbritannien gibt es täglich mehrere Flugverbindungen.
Verkehr
In Gibraltar selbst gibt es für weitere Strecken entweder die Möglichkeit der Nutzung von Taxis oder des gut erschlossenen öffentlichen Bussystems. Die drei örtlichen Buslinien haben direkt hinter der Grenze ihre Stationen. Die Grenzkontrolle erfolgt sehr rasch und ist für EU Bürger unbürokratisch; gleich anschließend findet man einen Informationsschalter, wo Stadtpläne und Infobroschüren erhältlich sind. Besonders in den Ferienmonaten ist das Stadtzentrum mit Staus verstopft, und es gibt kaum ein Weiterkommen. Hier ist man zu Fuß mit Sicherheit schneller unterwegs!
Britisches Lebensgefühl
Durch das Landport Tor und den Landport Tunnel erreicht man als Fußgänger schließlich über den Casemate’s Square die Altstadt von Gibraltar. In früheren Zeiten war dieses Tor die einzige Verbindung mit dem Festland, ansonsten konnte Gibraltar nur über den Seeweg erreicht werden. Heute führt die breite Smith Dorrien Avenue direkt in die Stadt und zum Hafen. Für Besucher ist die Mainstreet mit ihrer Fußgängerzone von Interesse, hier befinden sich die meisten historischen Gebäude und Geschäfte.
Die Mainstreet ist die Lebensader von Gibraltar, hier finden Paraden statt, und es werden Geschäfte getätigt. Schon kurz nach dem Betreten der Altstadt fühlt man sich nach Großbritannien versetzt. Telefonzellen, Briefkästen und englische Straßenschilder vermitteln britisches Lebensgefühl. Daneben runden viele britische Geschäfte und Pubs das Erscheinungsbild ab. Das offizielle Zahlungsmittel von Gibraltar ist das britische Pfund, wobei ein Pfund ca. 1,22 Euro entspricht. Es ist empfehlenswert, während des Aufenthaltes Geld zu wechseln, da bei der Bezahlung mit Euro gerne der Kurs zu Gunsten des Händlers gerundet wird.
Gibraltar ist zwar unter britischer Verwaltung, es genießt aber den Status der Befreiung von der Mehrwertsteuer. Somit können elektronische Geräte, Zigaretten, Alkohol und viele andere Produkte in den zahlreichen Geschäften sehr günstig gekauft werden. Besonders in der Mainstreet reihen sich die Geschäfte mit günstigen Waren aller Art aneinander und locken die Besucher mit ihren niedrigen Preisen. Aufpassen muss man nur bei der neuerlichen Einreise nach Spanien, denn hier gelten die Einreisebestimmungen der EU.
Mit Glück kann man auf der Mainstreet die Wachablöse des Royal Gibraltar Regiment in ihren historischen Uniformen erleben, sie findet mehrmals täglich statt. Der recht pompös gestaltete Aufmarsch der Soldaten mit Dudelsackmusik und Trommelschlag ist bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Hiermit demonstriert Großbritannien seine Präsenz gegenüber Spanien auf diesem kleinen Fleckchen Erde. Obwohl beide Länder der europäischen Union angehörig sind, denkt Großbritannien in keinster Weise daran, Gibraltar an Spanien zu übergeben.
The Convent
Auf der Mainstreet stehen einige sehenswerte Gebäude, wie der Sitz des Gouverneurs von Gibraltar, genannt Convent. Erbaut im Jahre 1531 ist es eines der wenigen Gebäude im spanischen Stil. Ursprünglich diente das Convent als Kloster für die Franziskaner-Mönche. Doch mit der Eroberung der Halbinsel durch die Engländer wurde das Gebäude im Jahre 1704 zum Sitz des Gouverneurs umfunktioniert. Im 19. Jahrhundert wurde die Fassade mit roten Ziegelsteinen und gotischem Stil umgestaltet.
King´s Kapelle
Gleich neben dem Convent findet man die King´s Kapelle, wo der ehemalige Gouverneur Champbell mit seiner Frau seine letzte Ruhestätte hat. Auch die Frau eines spanischen Gouverneurs, der 1648 hier regierte, wurde in der Kapelle begraben. Weiterhin gibt es eine Reihe von Wappen britischer Regimenter an den Wänden zu bewundern. Nach der Machtübernahme durch die Briten erfolgte die Integrierung der ehemaligen Franziskanerkapelle in die anglikanische Kirche. Neben der King´s Chapel gibt es noch eine Reihe weiterer Kirchen in Gibraltar wie die anglikanische Kirche oder die St. Andrew´s Kirche.
Gibraltar Museum
Abseits der Mainstreet in der Bomb House Lane befindet sich das Gibraltar Museum, in dem die Geschichte der Halbinsel von Anbeginn der Erde dargestellt wird. Das Gebäude, welches heute das Museum beherbergt, war ursprünglich im 18. Jahrhundert ein Munitionslager. Eröffnet wurde das Museum am 23. Juli 1930 durch den Gouverneur Sir Alexander Godley. Heute kann man anhand von Fundstücken, Bildern und Fotografien sowie einer audiovisuellen Präsentation die Besiedelung der Halbinsel nachverfolgen.
Trafalgar Cementry
Hinter der südlichen Befestigungsmauer mit dem South Gate ist auf der linken Seite, ein wenig unter dem Straßenniveau, der Friedhof Trafalgar Cementry zu sehen. Hier ruhen allerdings nur zwei Gefallene der Seeschlacht von Trafalgar aus dem Jahre 1805. In allen anderen Gräber sind Gefallene verschiedenster Seeschlachten zwischen den Jahren 1708 und 1835 begraben. Zwischen Palmen und Büschen stehen verfallene und teilweise verblichene Grabsteine. Sie sollen an den heldenhaften Kampf der Briten gegen die französisch-spanische Übermacht erinnern.
Alameda Gardens
Angelegt wurde die Parkanlage vor 200 Jahren unter Leitung von Lieutnant General Sir George Don, dem damaligen Gouverneur von Gibraltar. Ursprünglich war er als Erholungsort für die Bewohner in der sonst so lauten und geschäftigen Stadt gedacht. Heute findet er als botanischer Garten mit vielen tropischen Pflanzen und Bäumen aus der ganzen Welt Verwendung. Zusätzlich befindet sich hier ein schönes Freilichttheater, in dem in den Sommermonaten unterschiedlichste Aufführungen zu sehen sind.
The Rock- der Felsen
Die Hauptattraktion von Gibraltar ist zweifelsohne der Felsen (genannt The Rock) mit seinen Bewohnern, den Affen. Auf den Felsen führt eine im Jahr 1966 errichtete Seilbahn hinauf, deren Talstation nur wenige hundert Meter von der Altstadt entfernt liegt. Die Bergstation liegt auf dem 367 Meter hohen Signal Hill, wo im Jahre 1968 eine Aussichtsplattform mit Restaurant und einem Souvenirladen errichtet wurde. Der Fahrpreis beträgt zehn Euro für Erwachsene und fünf Euro für Kinder, Kreditkarten werden nicht akzeptiert. An der Bergstation angekommen, wird man sofort von den Affen empfangen. Sie sind sehr neugierig, daher sollte man seine Tasche und Rucksack stets verschlossen halten. Von der Aussichtsplattform am Signal Hill bietet sich eine spektakuläre Aussicht auf die Bucht von Algeciras, die Stadt Gibraltar, und an klaren Tagen ist sogar Marokko in Afrika zu sehen.
Der höchste Punkt des Gibraltar Felsens liegt im südlichen Teil mit einer Höhe von 426 Meter über dem Meeresspiegel und trägt den Namen O Harras Battery. Die östliche Bergflanke fällt sehr steil zum Meer ab, die Westflanke hingegen ist durch sanftere Stufen Richtung Hafen und Stadtzentrum gekennzeichnet. Hier befinden sich auch die Sehenswürdigkeiten wie das Moorish Castle oder der Great-Siege Tunnel. Das gesamte Gebiet am Gibraltar Felsen wird als Upper Rock Nature Reserve genannt und steht unter Naturschutz.
Die bequemste Art, den Felsen von Gibraltar zu erforschen, ist jene, die verschiedene Ausflugsunternehmen anbieten. Sie veranstalten Rundfahrten (Rock Tours) mit Minibussen zu den Sehenswürdigkeiten am Felsen von Gibraltar, wodurch man sich das lange Gehen in der sommerlichen Hitze erspart. Die Touren werden in verschiedenen Sprachen angeboten, so auch auf Deutsch. Startpunkte der Besichtigungstouren sind bei der spanischen Grenze oder beim Kreuzfahrterminal im Hafen.
Affen am Felsen
Ursprünglich sind die Affen, eine Marcaquenart, von den Mauren aus Nordafrika eingeschleppt und hier angesiedelt worden. Da aber schon früher die Affen in Süd- und Mitteleuropa heimisch waren, ist ihre tatsächliche Herkunft nicht ganz eindeutig geklärt. Daher könnten die Affen auch von ihren europäischen Vorfahren abstammen. Der Legende nach bleibt Gibraltar so lange unter britischer Herrschaft, solange die Affen hier am Felsen leben. Somit hegen und pflegen die Briten ihre Affen, deren Anzahl 24 nie unterschritten werden darf. Der Hintergrund dieser Legende reicht bis in die Belagerung Gibraltars durch die Spanier und Franzosen in den Jahren 1779 bis 1783 zurück. Damals sollen die Engländer von den Affen vor einem Nachtangriff der Belagerer gewarnt worden sein.
Der ehemalige Premierminister Winston Churchill verfügte, dass die Affen zu schützen sind und deren Erhaltung am Felsen gesichert sein muss. Gleichzeitig ließ er zusätzliche Berberaffen aus Marokko einführen, damit der durch Inzucht geschwächte Affenstamm gestärkt wird. Das funktionierte so gut, so dass das Fortbestehen der Affenkolonie bis heute gesichert ist. Die Affen gehören mit Abstand zur größten Touristenattraktion in Gibraltar. Besonders beliebt bei den Touristen sind die frechen Jungtiere.
St. Michael Höhle
Es führt ein befestigter Weg von der Bergstation der Seilbahn zu einer großen beleuchteten Tropfsteinhöhle mit dem Namen St. Michael Cave. Schon die Römer entdeckten die Höhle, und seither zeigten die jeweiligen Eigentümer von Gibraltar immer schon Interesse an der Erforschung der Höhle. Lange Zeit glaubte man, dass die Höhle keinen Boden besitzt und somit unterirdisch, mit dem 24 Kilometer weit entfernten Afrika verbunden ist. Doch dies stellte sich als falsch heraus. Den Namen bekam die Höhle von dem römischen Geografen Pomponius Mela, der sie nach einer ähnlich geschaffenen Höhle in seiner Heimatstadt Tigentera in Italien benannte.
Moorish Castle
Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit ist das Moorish Castle aus dem Jahre 333 mit seiner markanten Silhouette. Der Name Moors steht im Englischen für Berber, Schwarzafrikaner und Araber. Von Afrika stammende Araber hatten den Felsen von Gibraltar zwischen 711 und 1309 und von 1350 bis 1462 besetzt und errichten als Erste eine befestigte Anlage an der Stelle, wo die Burg auch heute noch steht. Der Gebäudekomplex samt Turm stammt aus der Zeit der 2. Besetzung zu Beginn des 14. Jahrhunderts, die Besichtigung der Wehranlage ist möglich.
The Great Siege Tunnels
Während der Belagerung Gibraltars durch die Spanier und Franzosen vom Juli 1779 bis Februar 1783 überlegten die Engländer, wie sie ihre Kanonen zur besseren Verteidigung zum nördlichen Teil des Felsens bekommen konnten. Sergant Major Ince von den königlichen Pionieren hatte die Idee, ein Tunnelsystem zu graben. Noch heute gilt das Tunnelsystem als eine der imposantesten Verteidigungsanlagen, die von Menschenhand erschaffen wurde. Den Namen The Great Siege Tunnels erhielt das Tunnelsystem deshalb, da bei der vierzehnten Belagerung (siege) dieses gebaut und somit eine Eroberung Gibraltars verhindert werden konnte. Im 2. Weltkrieg kam dem Tunnelsystem nochmals eine große Bedeutung zu, denn General Eisenhower plante hier die Invasion in Nordafrika.
Europa point
Am südlichsten Spitz der Halbinsel liegt der Europa point mit seinem Leuchtturm, der eine Leuchtkraft von 37 Kilometern besitzt. Errichtet wurde der Leuchtturm im Jahre 1841 auf einer 49 Meter ins Meer abfallenden Klippe. Auch heute ist der Turm noch in Verwendung und wird regelmäßig gewartet und überholt. Von diesem Punkt aus hat man einen freien Blick über die Straße von Gibraltar nach Marokko/Afrika. Weiterhin hat man von hier einen guten Ausblick auf die Verteidigungsanlagen der Southern Ridge Batteries und des Windmill Hill. Unweit des Leuchtturms steht ein dem Leuchtturm ähnliches Gebäude, hierbei handelt es sich jedoch um eine Moschee. Die Ibrahim-al-Ibrahim Moschee ist ein Geschenk des saudi-arabischen Königs Fahad Al Saud aus dem Jahre 1997.
Weiterführende Inhalte zu Gibraltar- britische Enklave in Spanien
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