Giftschlangen Australiens - Schutzmaßnahmen und Erste Hilfe

Wer eine Reise durch die australische Wildnis plant, sollte sich zur eigenen Sicherheit ausführlich mit der heimischen Tierwelt auseinander setzen. Dieser Artikel gibt einige Tipps zum (Nicht)Umgang mit Giftschlangen.

Auch mit Bestimmungsbüchern konnte ich die Art nicht mit Sicherheit identifizieren.

Es gibt viele Berichte über die in Australien heimischen Giftschlangen. Meistens klingen sie dramatisch, auch wenn die Medien zu einer neutraleren Berichterstattung überzugehen scheinen. Vor meiner Reise bin ich häufig nach den Risiken gefragt worden, und da ich als Kind schon dort gelebt habe und immer ein Interesse an Reptilien hatte, beschloss ich, Informationen zu sammeln. Zuallererst ist es sinnvoll zu wissen, dass man Schlangen in giftig und gefährlich einstuft. Auch wenn fast jede gefährliche Schlange giftig ist, ist noch längst nicht jede giftige Schlange als gefährlich einzustufen. Warum manche Schlangen für den Menschen gefährlicher sind als andere, hat verschiedene Faktoren: Lebensraum und Gemüt können eine Rolle spielen aber unter Umständen auch das Alter des Tieres. Natürlich ist auch die Stärke und Menge des Giftes entscheidend, die ein Tier initiieren kann, aber es ist eben nur ein Faktor von mehreren.

Giftig gleich gefährlich?

So wird zum Beispiel die Inlandtaipan als giftigste Schlange der Welt gehandelt. Jedoch kommt sie nur in der Region der Simpson Wüste vor, wo Mensch und Schlange kaum aufeinander treffen. Zudem ist sie ziemlich scheu. In den meisten Quellen ist nachzulesen, dass keine Todesfälle durch die Inlandtaipan nachgewiesen sind. Damit ist sie sehr giftig, jedoch nicht als gefährlich einzustufen. Der Grund warum dieses Tier mit einem dermaßen potenten Gift bestückt ist, ist die geringe Beutedichte in der Wüste. Die Schlange kann es sich nicht leisten, ein Beutetier entwischen zu lassen.

Verwandte Arten wie die Küstentaipan und die verschiedenen Braunschlangen sind hingegen häufig weniger giftig, jedoch weit gefährlicher, da einige Arten menschliche Nähe nicht scheuen und so in von Menschen besiedelten Gebieten, also auch an und in Häusern angetroffen werden können. Zudem reagieren einige Arten weit temperamentvoller, wenn sie sich bedroht fühlen als andere. So ist für die meisten tödlichen Unfälle in Australien die gemeine Braunschlange verantwortlich. Aber auch das klingt dramatischer als es ist. Die meisten Unfälle in Australien passieren bei dem Versuch, die Schlangen zu töten oder zu fangen. Die Tiere können sich unheimlich schnell bewegen und geben einem Menschen kaum die Chance zur Reaktion. Sollte man sich also einmal in der sehr seltenen aber dummen Lage befinden, dass sich eine Schlange in die Unterkunft verirrt hat, sollte man immer professionelle Schlangenfänger kommen lassen und den Raum verlassen. Ebenso sollte man andere davon abhalten den Helden zu spielen.

Ein paar Fakten über Giftschlangen in Australien

Über die Hälfte aller Schlangenbisse in Australien sind so genannte „dry bites“. Das heißt, dass die Schlange zwar beißt, jedoch kein Gift abgibt. Das ist nur logisch, denn Schlangen beißen Lebewesen, die nicht in ihr Beuteschema fallen nur, um nicht selber Beute zu werden, also wenn sie sich bedroht fühlen. Das Gift brauchen sie jedoch zur Jagd. Also fehlt jeder Tropfen Gift, der zur Verteidigung verwendet wurde später bei der Nahrungsbeschaffung und verringert die Überlebenschancen des Tieres. So geben junge Schlangen häufiger Gift ab als ältere, da sie weniger Erfahrung haben.

Australische Schlangen können im Gegensatz zu vielen Schlangen in anderen Teilen der Welt keine Wärme sehen. Das heißt, sie nehmen Vibrationen und Bewegungen wahr. So ist das sinnvollste Verhalten, wenn man versehentlich einer Schlange zu nahe gekommen, sich nicht mehr zu bewegen, bis das Tier verschwunden ist. Für Leute die Angst vor Schlangen haben, scheint das unmöglich aber sollte der seltene Fall eintreten, wäre es besser sich dazu zu zwingen. Normalerweise sind die Tiere über alle Berge bevor man ihnen auch nur nahe kommt. Ich habe in zehn Monaten jedoch zweimal erlebt, dass die Tiere mitten auf dem Weg liegen geblieben sind, obwohl ich mit dem nächsten Schritt auf sie getreten wäre. Noch viel häufiger konnte ich mich den Tieren nähern, wenn ich langsam geschlichen bin. Davon ist aber dringend abzuraten, wenn man keine Erfahrung im Umgang mit Reptilien hat. Man sollte bei Spaziergängen sogar möglichst kräftig auftreten, um die Tiere zu verscheuchen. Weiter ist es wichtig, dass man immer sieht wohin man tritt oder greift, zum Beispiel wenn man über Baumstämme hinweg steigt oder klettert.

Australiens Giftschlagen haben im Vergleich zu beispielsweise Klapperschlangen sehr kurze Zähne. Das Tragen von langen Hosen und festen Schuhen bei Spaziergängen durch den Busch schützt also enorm. 90% aller Bisse gehen in Fuß oder Knöchel. Selbst bei einer Hose bleibt das meiste Gift im Stoff und der Rest geht nicht sehr tief in die Haut, wenn überhaupt. Wenn man zeltet ist dringend darauf zu achten, dass man den Reißverschluss mit einem Draht oder einem Schloss verschließt, da die Tiere warme Plätze mögen und man nach dem Ausflug möglicherweise einen ungebetenen Gast in seinem Zelt oder gar Schlafsack vorfindet.

Erste Hilfe im Ernstfall

Sollte man doch einer der wenigen Unglücklichen sein, der in Australien von einer Schlange gebissen wird, heißt es Ruhe zu bewahren. Das ist leichter gesagt als getan. Aber Panik beschleunigt den Kreislauf des Körpers und hilft das Gift schneller zu verteilen. Das Beste ist, man geht keinen einzigen Schritt mehr, sondern legt sich dort auf den Boden, wo man gebissen wurde, solange sicher gestellt ist, dass das Tier verschwunden ist. Das geht natürlich nur, wenn man nicht weit und breit der einzige Mensch ist, denn jemand muss einen Arzt rufen. Der Flying Doctor Service ist sehr gut ausgebaut und egal wo man sich in Australien befindet, Hilfe wird nie lange auf sich warten lassen. Dann bindet man die Bissstelle mit einem Druckverband ab. Dabei fängt man bei der Bissstelle an und verbindet Richtung Herz und wieder zurück. Der Verband wird nicht zum Abschnüren benutzt, denn der gebissene Körperteil muss noch durchblutet werden. Druckverbände sollten immer mitgeführt werden aber ein in Streifen gerissenes Shirt reicht im Notfall auch.

Sonst macht man nichts mit der Wunde! Sie auf zuschneiden, um Gift heraus bluten zu lassen ist absolut falsch. Der Blutverlust schwächt den Gebissenen nur noch mehr und das steht in keinem Verhältnis zu dem heraus gebluteten Gift, zumal sich dieses auch über das Lymphsystem verbreitet. Die Wunde reinigen wäre ebenfalls falsch, denn die Ärzte werden direkt aus der Bisswunde eine Probe entnehmen, um zu bestimmen welches Gegengift gegebenenfalls verabreicht werden muss. Weiter sollte man sich das Tier so gut es geht einprägen oder, im Fall dass es getötet wurde, den Ärzten übergeben.

Die Angaben, die in diesem Artikel gemacht werden sind ohne Gewähr. Besonders die zu den Verhaltensweisen der Tiere. Zwar sind bestimmte Verhaltensweisen typisch aber sie sind keine Garantie. Die wichtigste Verhaltensregel, die einem auch in jeder Fachliteratur und in jedem Ratgeber nahe gelegt wird ist, die Tiere zu meiden und in Ruhe zu lassen! Das gilt in Australien für alle Schlangen, solange man kein Fachmann ist. Auch wenn die Medizin große Fortschritte gemacht hat und viele Bisse überlebt werden, wirken die Gifte extrem zerstörerisch auf den Körper und können lebenslange Schäden zur Folge haben. Ganz zu schweigen davon, dass der Australien Urlaub gewiss ein vorzeitiges Ende findet.

Über Giftschlangen vor Reiseantritt informieren

Mich erstaunte auf meiner Reise immer wieder, wie viele Menschen sich überhaupt nicht mit den Gifttieren Australiens auseinander gesetzt hatten. Gedenkt man bei seiner Reise durch das Land viel Zeit in der Wildnis zu verbringen, ist es nur empfehlenswert, sich Informationen zu besorgen, die über die Information in diesem Artikel hinaus gehen. Literatur erhält man in jedem Buchhandel. Weiter habe ich mit Experten in Zoos, Reptilienhäusern und Museen gesprochen. All diese Leute bemühen sich, das Verständnis der Menschen für die australische Tierwelt zu erweitern und waren alle gern bereit Auskünfte zu geben. Jedoch sind die Schlangen gewiss kein Grund nicht nach Australien zu reisen. Ich selbst habe in zehn Monaten 60 Tiere und zehn verschiedene Arten in freier Wildbahn gesehen. Jedoch häufig nur kurz. Dazu sollte man sagen, dass ich nach den Tieren gesucht habe. Die meisten Leute sehen während eines einjährigen Aufenthalts höchstens einmal eine Schlange. Es ist also leicht die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts zu reduzieren. Ganz auszuschließen ist es natürlich nie.

Reisebericht als PDF
Autor: Eike Bussmann  19.04.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja (9) | Nein

Kommentare zu Giftschlangen Australiens - Schutzmaßnahmen und Erste Hilfe

Userbild Blinder Passagier Blinder Passagier: ganz toll, aber wieß jemand ob klapperschlangen zwiebelgeruch meiden ?? (19.07.11)
Userbild Blinder Passagier Blinder Passagier: Super Artikel!! (11.06.11)
Userbild uwe uwe: Großartiger Artikel, Gratulation! (26.04.11)
Userbild Blinder Passagier Blinder Passagier: interessanter artikel auf den ich jedoch nur zufällig gestossen bin,
aber ein australien urlaub steht auf dem plan, daher ein danke für den durchaus interessanten bericht, da ich im vorfeld die gifttiere wohl vernachlässigt hätte (22.04.11)
Userbild Gereon Gereon: Absolut klasse Artikel und ehrlich gesagt kann ich es auch nicht verstehen, dass man sich wenn man durch Australien reist, nicht mit dem Thema Schlangen beschäftigt hat. Für mich würde das gleich nach den Haien kommen, aber vielleicht bin ich ja auch ein Angsthase. (20.04.11)
Userbild Eike Bussmann23Eike Bussmann hat 23 Beiträge geschrieben und hat sich damit die Bronzemedaille verdient. ab 10 Beiträgen Bronzemedaille ab 25 Beiträgen Silbermedaille ab 50 Beiträgen Goldmedaille ab 75 Beiträgen Auszeichnung Bronze ab 100 Beiträgen Auszeichnung Silber ab 250 Beiträgen Auszeichnung Gold Als Beiträge zählen wir jede Nacht deine Reisetipps, Kommentare, Bilder, Trips, Fragen, Antworten & Reiseinformationen. Eike Bussmann: Um die Haie muss man sich wirklich keine großen Sorgen machen. Höchstens um deren Fortbestand, da ihre Zahl beängstigend schnell schrumpft. Wenn es in Australien zu einer Hand voll Angriffen mit Todesfolge in einem Jahr kommt, dann ist das schon viel. Bei den Menschenmengen im Meer ist das unwahrscheinlicher einer der Betroffenen zu sein, als vom Blitz erschlagen zu werden. Vielen Dank für den positiven Kommentar! (19.04.11)

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