Hamburg – St. Pauli - Kult-Kneipe „Zur Ritze“

Auf Hamburgs sündigster Meile gibt es ein „Schätzchen“, das man unbedingt besucht haben sollte – die Kult- und Boxerkneipe mit dem für den Kiez passenden Namen „Zur Ritze“.

Der knapp zwei Meter breite und zwanzig Meter lange Gang auf einen Reeperbahn-Hinterhof, sorgen bei vielen Touristen für den so genannten Stopp-Effekt. Wie gerne würden sie sich die Kneipe, die bereits in so vielen Serien und Filmen der heimliche Star war, einmal von innen ansehen. Aber sie trauen sich einfach nicht – die zwischen Döner-Imbiss und Pizza-Stube rund zwanzig Meter entfernte Tür, bemalt mit ein paar gespreizten Frauen-Beinen in halterlosen Strümpfen und Pumps, scheint unerreichbar. Und der Besuch dieser Kultkneipe bleibt für viele Besucher ein kleiner Traum.

Es muss kein Traum bleiben man muss sich nur einfach trauen. Durch den schweren roten Samt-Vorhang hindurchgehen und sich für einen Moment fühlen, als ob man dazu gehört, zur großen Kiez-Familie. Es erwartet einen eine andere Welt. Die ehemalige öffentliche Toilette war in den siebziger und achtziger Jahren der Zuhälter-Treff für die Luden auf St. Pauli. Deshalb gibt es in dieser Kneipe auch zwei Tresen. Der hintere war durch einen schwarzen Vorhang abgetrennt, damit die Luden ungestört über ihre Geschäfte sprechen konnten. Der vordere Tresen war für herkömmliche Gäste bestimmt. Heute erinnern nur noch einige Fotos, in dem Meer von Stars und Sternchen-Schnappschüssen, an die großen Milieu-Bosse von damals.

Und da die Jungs nicht nur während ihrer Geschäftsbesprechungen am liebsten unter sich waren, ließ der Inhaber die unter der Kneipe liegende Parkgarage kurzerhand zu einem Boxkeller umbauen. Seither zieren vergilbte und teils mehrfach überklebte Plakate die Wände der ehemaligen Parkgarage. Inmitten des Raumes steht ein Boxring, der von sechs mehrfach geflickten Sandsäcken umgeben ist, die schon von so manchem Profi-Boxer als Trainingsgerät genutzt wurden – darunter unter anderem Henry Maske, Darius Michalczewski und Graciano Rocchigiani. Wer an der Bar nett fragt, dem wird mit großer Sicherheit ein Blick in die heiligen Gemächer gewährt. Doch nicht nur Profi-Boxer machten hier Sparring, auch Schauspieler, wie Heinz Hoenig oder Ben Becker, zeigten ihr Können.

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Die Kneipe „Zur Ritze“ hat täglich ab 14.00 Uhr für Boxfreunde geöffnet. Heute trainieren hier noch immer die Jungs vom Hamburger Kiez, unter ihnen Zuhälter und Türsteher. Doch diente der Boxkeller nicht immer nur dem Boxen. So nutzte Boxlegende Max Schmeling den legendären Boxkeller nicht zum Trainieren, sondern für eine Lesung aus seiner Biografie. Wer lieber zum Trinken kommt sollte ab 22.00 vorbeischauen. Bei Box-Live-Übertragungen sichert frühes Kommen vielleicht noch ein Steh-Plätzchen. In der Woche hat das letzte, noch vorhandene Stück Hamburger Kiez-Geschichte bis 4.00 Uhr, an den Wochenenden sehr oft bis 8.00 Uhr geöffnet.         

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Autor: Nadean  21.06.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (2) | Nein

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