Hautnah am Vulkanausbruch: Der Santa María im Dept. Quetzaltenango
Der Aufstieg auf den Vulkan Santa María im Dept. Quetzaltenango ist ein Erlebnis der besonderen Art. Vom Gipfel aus kann man auf den benachbarten, aktiven Vulkan Santiaguito schauen, der stündlich Lava und Asche spuckt.
Der Aufstieg auf den Vulkan Santa María ist ohne Frage eine der spektakulärsten Aktionen, die man in Quetzaltenango, kurz Xela, und Umgebung unternehmen kann.
Der Vulkan Santa María gehört zu einer Kette von Stratovulkanen, die das guatemaltekische Hochland durchziehen. Santa María gilt als aktiver Vulkan, der letzte starke Ausbruch liegt jedoch über 100 Jahre zurück. Ungleich aktiver ist der Nachbarvulkan des Santa María, genannt Santiaguito, welcher eigentlich eine ständig wachsende Lavakuppel desselben ist. Die Lavakuppel ist bei dem letzten starken Ausbruch des Santa María 1902 entstanden. Der Santiaguito ist permanent aktiv, und im Durchschnitt kommt es mindestens einmal pro Stunde zu Eruptionen. Diese sind durch lautes Grollen und durch den Ausstoß von Asche wahrzunehmen. Vom Gipfel des Santa María aus kann man auf den Santiaguito schauen und die vulkanische Aktivität beobachten. Der Santa María hat eine Höhe von 3.772 Meter.
Seine Besteigung unternimmt man am besten mit einem Tourguide. In Xela findest Du viele Touranbieter, die diese Aktivität in ihrem Programm haben.
Morgens um 4.00 Uhr klingelt der Wecker, um 5.00 Uhr ist Treffpunkt, und in einem kleinen Bus geht es nach Llanos del Pinal, den Ausgangspunkt für die Wanderung. Zunächst führt die Route eine knappe Stunde durch Wiesen und Felder an den Fuß des Santa María. An dieser Weggabelung hat man bereits einen tollen Blick auf den Vulkan. Kaum vorzustellen, dass dieser gigantische Berg in den nächsten paar Stunden bestiegen werden soll. Von diesem Punkt aus erhebt sich der Santa María über 1.000 Meter über den Köpfen.
Ging es zu Beginn nur zaghaft bergauf, so beginnt nun der anstrengende Teil des Aufstiegs. Der Tourguide führt die Wandergruppe steil hinauf über Steine, Felsen und ausgetretene Pfade. Der Aufstieg ist anstrengend; immerhin müssen insgesamt 1.300 Meter Höhendifferenz geschafft werden auf einer Strecke von nur 6,5 km. Der Weg ist sehr steil, teilweise muss man die Hände zu Hilfe nehmen oder einen Wanderstock, mit dem man sich sichern und abstützen kann. Die Luft wird mit jedem Schritt dünner. Für den Körper stellt das Bewältigen des großen Höhenunterschieds eine große Belastung dar, insbesondere, wenn er Anstrengungen in der Höhe nicht gewohnt ist. Wichtig ist deshalb, immer wieder kleine Pausen einzulegen und viel Wasser und auch einen kleinen, energiespendenden Snack im Gepäck zu haben.
Auf halber Strecke liegen die sterblichen Überreste eines jungen Pferdes auf dem Pfad. Das Pferd war von ahnungslosen Touristen völlig überladen und hatte den schweren Aufstieg nicht geschafft. Kurz vor dem Gipfel weht auf einmal ein bekannter Duft durch die Luft – das riecht doch wie Kuhstall? Tatsächlich trifft man kurz vorm Ziel auf eine kleine Kuhherde, die am steilen Abhang in den Blumen- und Graswiesen steht und gemächlich Gras zermalmt. Angekommen auf dem Gipfel, bietet sich einem ein atemberaubendes Panorama. Die Vulkankette des guatemaltekischen Hochlandes erstreckt sich in der Ebene. Bei gutem Wetter kann man den Tajumulco, den höchsten Vulkan Zentralamerikas sehen, ebenso die Pazifikküste mit dem glitzernden Meer im Hintergrund. Das Wolkenspiel um die verschiedenen Berggipfel und die einstrahlende Sonne sorgen für ein faszinierendes Farbenspiel.
Tritt man hinter dem Gipfel einige Meter hinab, so rückt langsam der Santiaguito ins Blickfeld. Auf einem kleinen Absatz kann man sich einen Felsen suchen, sich einen Moment von den Strapazen des Aufstiegs erholen und mit Spannung auf die nächsten Eruptionen des Santiaguito warten. Mit einem tiefen Grollen kündigt der Berg seine Aktivität an. Rauchwolken und Dämpfe werden ausgestoßen, als würden im Berg viele Hexen an einem Zaubertrank köcheln und von Zeit zu Zeit den Dampf ablassen. Die Eruptionen lassen eine große Rauchwolke über dem Vulkan entstehen. Der Blick auf den aktiven Vulkan und das gleichzeitige Lauschen auf das Grollen und Poltern sind unvergessliche und sehr beeindruckende Erfahrungen. Die Naturgewalten sind hier hautnah zu erleben und ziehen jeden Beobachter in ihren Bann.
Der Abstieg ist um einiges einfacher, allerdings ist wegen des starken Gefälles Vorsicht geboten. Der Pfad ist sehr steil und kann daher rutschig sein. Vor allem in der Regenzeit besteht die Gefahr, Teile des Weges auf dem Hosenboden zurückzulegen, da sich der Weg dann in eine wahre Schlitterpartie verwandelt.
Diese Tour sollte man am besten in einer geführten Gruppe unternehmen. Die Tourguides kennen sich im Gelände super aus, motivieren die Gruppe, können im Notfall Hilfe holen und geben interessante und nützliche Tipps rund um den Santa María. Natürlich kann man auch auf eigene Faust starten. Die Route ist recht einfach zu finden; man kann sich also eigentlich nicht verlaufen. Allerdings sollte jedem klar sein, dass es sich um eine recht anstrengende Wanderung handelt und daher bestenfalls Bergsteigererfahrung mitbringen. In der Vergangenheit soll es auch zu Überfällen gekommen sein, weshalb es sicherer ist, in einer Gruppe zu wandern.
Es ist tatsächlich wichtig, sich so früh am Morgen auf den Weg zu machen. Vormittags ist das Wetter meist gut, und der Blick vom Santa María ist klar. Gegen Mittag oder am Nachmittag ziehen oft dicke Wolken auf; in der Regenzeit kommt es nachmittags zu starken Schauern.
Check den Mondkalender, wenn Du einen Aufstieg planst. Einige Touranbieter klettern bei Vollmond auf den Vulkan, um dann morgens den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu beobachten.
Rechne für den Aufstieg drei bis fünf Stunden ein, je nach körperlicher Verfassung. Der Weg zurück geht natürlich etwas schneller, ist jedoch auch recht anstrengend wegen des starken Gefälles.
Bring ein wenig Verpflegung mit und warme Klamotten, vielleicht ein Wechselshirt, damit Du Dein durchgeschwitztes T-Shirt auf dem Gipfel ausziehen kannst. Oben, in 3.772 Meter Höhe, kann es nämlich empfindlich kalt werden. Auf keinen Fall darfst Du Deinen Fotoapparat vergessen – das Schauspiel des Santiaguito ist atemberaubend und bietet ein spektakuläres Motiv für Deine Urlaubsfotos.
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