Heimat im Günderodehaus

Von Oberwesel führt unser Weg hinauf zum Günderodehaus, dem Fachwerkhaus aus Edgar Reitz' "Heimat 3". In romantischem und stilvollem Flair finden wir Heimat im Günderodehaus

Romantisches Mittelrheintal und das Epos „Heimat“ von Edgar Reitz, sie treffen hier in ungeahnter Weise zusammen. Doch zunächst fahren wir ins romantische Mittelrheinstädtchen Oberwesel. Auf dem linken Rheinufer gelegen und umgeben von Weinbergen und Wald, zeugen seine spätmittelalterlichen Bauwerke, allen voran die Stadtmauer und die Liebfrauenkirche, von hoher gotischer Baukunst des 14. Jahrhunderts. Doch heute ist uns nicht so nach Baukultur, wir haben sprichwörtlich „höheres“ vor, nachdem wir uns dann doch zunächst nicht dem Reiz uriger Fachwerkhäuser entziehen können. So bleiben wir, hier und dort fasziniert, auf ein Photo stehen und schlendern durch die Gassen des beschaulichen Ortes.

So langsam macht sich ein Hunger auf Kaffee und Kuchen bemerkbar. Beides müssen wir mal hintanstellen und uns zunächst einmal verdienen. Denn, wie gesagt, wir wollen etwas höher hinaus, zum Günderodehaus, genauer gesagt: zu Heimat im Günderodehaus. Schnell finden wir die Straße ‚Kloppchen’ die als Einstieg in die Weinberge, hier auf der Hunsrückseite des Rheins dient. In Serpentinen windet sich der Weg kurze Zeit empor, um dann auf die Straße ‚Siebenjungfrauenblick’ zu treffen, der wir nun folgen. Die Reben um uns herum hängen voll mit dicken Trauben, die uns verlockend anlachen. Das Lachen ist trügerisch und bestimmt sehr sauer, denn es sind noch einige Wochen bis zur Lese.

Unser Blick schweift über das Rheintal, das sich nun mehr und mehr zu unseren Füßen auftut, das Glitzern der Wellen im Sonnenlicht blinkt zu uns hinauf und die Bugwellen der Lastkähne und Fahrgastschiffe werfen aus der engen Fahrrinne weiße Gischt aufs nahe Ufer. Irgendwo dort hinten, verborgen hinter ein paar Flusswindungen, liegt die Loreley. Stetig führt uns der Weg bergauf und immer weiter. Nach einer knappen halben Stunde, wir haben uns Zeit gelassen, taucht hinter Bäumen schemenhaft ein Gebäude auf und rege Betriebsamkeit zeigt uns an, dass wir unser Ziel erreicht haben. Auf verschiedenem Niveau laden Terrassen, Ruheecken mit Liegestühlen und kleine Buchten mit Sonnenschirmen und Bänken zum Verweilen ein. Darüber große alte Bäume, die das Haus beschützen, das sich das Günderodehaus nennt. Es steht da, als hätte es nie etwas anderes getan!

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Das Haus ist alt, 200 Jahre, aber sein Standort ist neu, denn es stammte einst aus dem nicht weit entfernten Seibersbach im Hunsrück. Als Kulisse zu Teil 3 der legendären Heimat Trilogie von Edgar Reitz ist es 2002 wiedererstanden, wurde zu Heimat im Günderodehaus. Nach den Dreharbeiten sollte es wieder abgerissen werden. Doch nach heftigen Protesten und dank privater Initiative wurde es dann dennoch erhalten und hat heute seine Erfüllung in Heimat-Museum, Filmstube und Restaurant gefunden.

Trutzig steht es da mit seinen blass-gelben Putzfeldern zwischen grauen Fachwerkbalken, seinem hohen Giebel, der nach Süden weist. Von der Bergseite führt der Eingang, vorbei an der Küche, durch den heimelig gestalteten Gastraum hinaus auf die Terrasse, hoch über dem Rhein. Im Innern und treppauf haben Museum und Filmstube ihren Platz. Alles dreht sich um Heimat im Günderodehaus. Mit viel Flair und dem Blick aufs Detail besticht die Einrichtung des gastlichen Hauses. Wir fühlen uns rundum wohl hier und lassen im Geiste noch einmal Szenen des Films vorüberziehen, als das Haus baufällig, wie es dastand, das Sehnsuchtshaus von Clarissa wurde, als Gunnar und Udo, die Handwerker aus dem Osten, kurz nach dem Mauerfall aus der Ruine wieder ein Haus machen…. Wir gönnen uns ein Plätzchen auf der Terrasse, genießen die Aussicht auf Rheintal und Oberwesel, dessen Dächer und Türme zu uns heraufgrüßen. Unseren wohlverdienten Kaffee und den leckeren „Quetschekooche“ (Zwetschgenkuchen) genießen wir jetzt auch.

Wer mit dem Auto zum Günderodehaus fahren möchte, dem seien die Parkplätze in der Nähe des Hauses empfohlen. Die Anfahrt erfolgt vom Rheintal her über Oberwesel. Von den Hunsrückhöhen erreicht man das Günderodehaus über die Orte Damscheid oder Niederburg. Die Straßen sind zum Teil sehr eng und kurvenreich, führen aber durch einen besonders aparten Teil der Rhein-Hunsrück-Region mit Wäldern, Feldern und Streuobstwiesen bis hin zur Heimat im Günderodehaus.

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Autor: voyager  04.10.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (2) | Nein

Kommentare zu Heimat im Günderodehaus

Userbild Blinder Passagier Blinder Passagier: Einfach nur schön.. (13.06.11)
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