Hochgebirgstour im Tannheimer Tal, Teil 2
Aufregung verspricht die Hochgebirgstour im Tannheimer Tal. Teil zwei bringt uns zum Schrecksee und dann machen Wolken, Nebel, steile Abgründe und Schneefelder aus einer leichten Wanderung beinahe einen Horrortrip
In Teil eins der Hochgebirgstour im Tannheimer Tal bin ich aufgestiegen bis zum Traualpsee und stehe gerade dort, wo ich den ersten Einblick in das Hochtal habe. Linkerhand liegt die Traualpsee Hütte. Hoch darüber schickt die Lachenspitze das prägnante, ins Gold der Morgensonne getauchte Panorama ihres Gipfelkamms in den Himmel. Der Weg verläuft jetzt links oberhalb des Alpsees durch die Wiesen und dann wieder hinauf zu einem Sattel steil nach oben. Die Lache, ein Karsee, mit der darüber stehenden, jetzt noch gewaltiger wirkenden Lachenspitze erwartet mich. Viel kleiner ist sie als der Traualpsee. Zu meiner Rechten, nur ein kurzes Stück entlang der Kante, die ich zuvor erklommen hatte, liegt die Landsberger Hütte. Es ist wohl so 11.00 Uhr herum und da wird es Zeit für einen Durstlöscher. Mit meinem Frühstücksbrot hatte ich mich schon am Traualpsee gestärkt und so darf es auf der Terrasse der Berghütte ruhig ein Radler sein. Man gönnt sich ja sonst nichts! Schön fällt der Blick auf die Lache und in die senkrechte Wand der Lachenspitze, in der ich hier und da ein paar Farbkleckse ausmachen kann. Wahrscheinlich sind es Bergsteiger, die sich an der schroffen Flanke des Berges versuchen.
Die Landsberger Hütte in rund 1.800 Metern Höhe ist eine der Größeren des Alpenvereins. Mehrere Gebäude gehören dazu, natürlich die Gaststätte und rund 200 Schlafmöglichkeiten. Die meisten davon sind Matratzenlager. Versorgt wird die Hütte über eine Materialseilbahn und geöffnet hat sie vom 30. Mai bis 15. Oktober. Frisch gestärkt mache ich mich auf meiner Hochgebirgstour im Tannheimer Tal wieder auf den Weg, die alte Richtung beibehaltend. Es geht wieder empor und wieder in Richtung eines Sattels, zu dessen Linken die Karspitze aufragt. Gleichzeitig mit mir ist ein junges Paar losgelaufen, wir haben das gleiche Tempo und so laufen wir jetzt zusammen. Die Namen weiß ich nun wirklich nicht mehr, aber sie sind nett und gemeinsam macht das Laufen noch mehr Spaß. Das Übliche: wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin wechselt seine Besitzer und bald sind wir oben am Joch, das wir auf 1.960 Metern überschreiten.
Vor uns liegt ein abfallendes Kar, das gleich darauf noch einmal etliche Höhenmeter über eine Kante verliert. Dies wäre vielleicht der kürzere Weg auf dieser Hochgebirgstour im Tannheimer Tal hinunter zum Vilsalpsee. Links zieht sich ein Bergrücken in westliche Richtung. In dessen uns zugekehrter Flanke verläuft deutlich sichtbar ein Pfad, den wir nun einschlagen. Immer tiefer unter uns liegt das lang gezogene Kar, das zur westlichen Seite wieder zu einem Sattel aufsteigt. Weit unten, zu unserer Rechten, liegt in einem traumhaften Panorama der Vilsalpsee. Tannheim können wir nur vermuten hinter einer Bergkuppe. Einige Zeit später sind wir endlich an dem Bergsattel, der die ganze Zeit schon vor unseren Augen lag. Malerisch schmiegt sich vor uns in einen Talkessel ein weiterer See. Dunkelgrün blickt der Schrecksee umgeben von Blumenwiesen zu uns empor. Eine Insel liegt nahe seiner Ostseite. Sehr idyllisch wirkt das, ein richtiges Alpenmärchen! Hundert Höhenmeter trennen uns vom See und da der weitere Weg eh etwas tiefer verläuft, soll am Schrecksee Mittagspause sein. Übrigens, über dieses Joch verläuft die Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Davon merkt man zwar nichts, aber es ist so. Jetzt fragt mich bloß nicht, ob da oben ein Schild steht mit Republik und so, aber bestimmt ja, die brauchen das.
Zum Ritter Tannheim, Tannheim3 Tage Tirol, 4 Sterne DZ, Halbpension ab 207€ buchen
Im glasklaren Wasser des Schrecksees schwimmen noch kleine Eisberge. Wahrscheinlich heißt er deshalb so. Wir haben seit der Landsberger Hütte einen forschen Schritt vorgelegt und mir ist mächtig warm geworden, so wage ich ein Bad. Das dauert zwar nicht lange, es ist wirklich saukalt da drin, so kalt - ach so, könnt ihr ja nicht sehen - aber es erfrischt! Meine Mitwanderer zieren sich ein wenig, er weil's ihm zu kalt ist Sie wohl vor allem, weil sie meint, dass es ihr an der richtigen Badekleidung fehlt, ist ein bisschen gschamig, als wenn ich ihr was weg geguckt hätte. Nach der Brotzeit und dem See trennen sich unsere Wege auf der Hochgebirgstour im Tannheimer Tal. Meine weitere Tour soll jetzt Richtung Vilsalpsee zurückführen. Dazu quert der Pfad einen Hang unter einem Bergkamm und dem Grenzverlauf nach Norden, immer noch auf deutscher Seite. Mit einem Mal ziehen ganz schnell Wolken auf, dichter Nebel hüllt mich bald ein und es wird empfindlich kälter. Ausgerechnet jetzt, wo der Pfad in schroffem Fels verläuft. Wenn sich der Nebel mal kurz lichtet, fällt mein Blick links senkrecht in die Tiefe. Genauso steil geht es rechts hinauf, Abgründe tun sich auf.
Die Sicht ist meist auf wenige Meter beschränkt und ich bin froh, bald die Stelle zu erreichen, an der der Kamm sich in ein einen Sattel absenkt. Der Pfad verläuft jetzt auf die andere Seite, auf der des Vilsalpsees. Hier ist die Sicht auch wieder besser, noch sind dort keine Wolken. Dafür bleibt mein Blick an ziemlich ausgedehnten Schneefeldern hängen, die sich in schattigen Passagen hartnäckig halten. Der Weg ist mit Punkten markiert, doch seinen Verlauf kann ich im Fels nicht erkennen. Noch 800 Meter Höhe trennen mich vom Vilsalpsee, meinem Ziel auf der Hochgebirgstour im Tannheimer Tal. Ein ordentliches Stück Weg liegt noch vor mir. Ich muss durch die Schneefelder und der Schnee ist natürlich nicht fest. Elender Sulzschnee unter meinen Schuhen macht das Laufen zur Qual. Wegemarken, geschweige denn der Pfad selbst, sind schon lange nicht mehr zu erkennen. Die Schneefelder sind genauso schräg wie der Hang, zum Glück ist es hier nicht allzu steil. Aber bei jedem Schritt muss ich die Schuhe in den Schnee rammen, um sicheren Stand zu haben.
Irgendwie schaffe ich es, mich an einem Pfad zu orientieren, den ich weiter unten im Buschwerk ausmachen kann. Irgendwie schaffe ich es auch, ohne abzurutschen, ohne mir die Knochen zu brechen, dorthin zu gelangen. In ein Schneefeld zu geraten, damit hätte ich im Juli und in dieser Höhe nun überhaupt nicht gerechnet. Es hat mich um eine Erfahrung reicher gemacht und mir mal wieder vor Augen geführt, wie unberechenbar das Hochgebirge sein kann. Noch lang zieht sich der Weg, nachdem ich bei der Hochgebirgstour im Tannheimer Tal aus dem Schnee raus bin und endlich im hinteren Vilstal ankomme. Neun Stunden, die Pausen eingerechnet, war ich unterwegs. Auch wenn das Auto noch ein paar hundert Meter entfernt steht, auf halber Strecke zum hinteren Seeufer winkt jetzt ein köstliches Bier in der Vilsalpe. Das hab ich mir verdient.
Weiterführende Inhalte zu Hochgebirgstour im Tannheimer Tal, Teil 2
Zum Ritter Tannheim, Tannheim3 Tage Tirol, 4 Sterne DZ, Halbpension ab 207€ buchen
Weitere Inhalte zeigen
Verwandte Artikel
- Hochgebirgstour im Tannheimer Tal, Teil 1
- Hoch hinaus und schnell hinab: Vulkantour auf dem Cotopaxi in Ecuador
- Skifahren in Kaltenbach/Zillertal
- Skigebiete - Zugspitze
- Hahnenkammrennen in Kitzbühel - der sportliche Höhepunkt
- Rundfahrt Vierwaldstättersee
- Magic Winter in New Hampshire
- Chicago - Ein Stadtspaziergang
