Huánuco – Ein Geheimtipp im Norden von Peru
Der Tourismus in Huánuco im Norden von Peru steckt noch in den Kinderschuhen. Warum die Stadt dennoch ein sehenswerter Geheimtipp ist, verrät dieser Bericht.
Mildes Klima auf „nur“ rund 1.800 Metern Höhe: Wer aus dem Mantaro-Tal anreist und auf über 3.000 Metern gelegene Städte wie Cerro de Pasco, Junín oder Huancayo hinter sich hat, mag bei der Ankunft in Huánuco förmlich aufatmen. Die 120.000-Einwohnerstadt kann zwar nicht durch architektonische Schönheit bestechen, wohl aber durch ihre sympathische Entspanntheit, die sehenswerte Landschaft und das ein oder andere touristische Kleinod.
Huánuco entdecken: Die Ruinen von Kotosh
Dabei entdecken die Bewohner von Huánuco gerade erst das touristische Potential, das sie nutzen können. Ein Anziehungspunkt für Huánuco ist ihnen allerdings schon länger bewusst:, die Ruinen von Kotosh, die knapp vier Kilometer außerhalb der Stadt liegen. Um die viertausend Jahre ist der Komplex alt, sein Aushängeschild ist der Templo de las Manos Cruzadas, der Tempel der gekreuzten Hände.
In einem kleinen Innenraum mit abgesenktem Boden sind an der Wand zwei aus Ton modellierte gekreuzte Unterarmpaare zu sehen. Um die Originale handelt es sich gleichwohl nicht: eines davon wurde zerstört, das andere befindet sich im Museo Nacional de Antropología, Arqueología e Historia in Lima. Die genaue Bedeutung der gekreuzten Arme ist unbekannt. Allerdings hat man bei einem Besuch von Kotosh die Chance, sich wahrhaft haarsträubende Geschichten von nicht ausgebildeten Hobbyfremdenführern anzuhören, die „hauptberuflich“ eigentlich Kunsthandwerk am Eingang verkaufen.
Vorsicht vor falschen Fremdenführern in Kotosh
So lautet eine der populären Thesen, dass es sich um einen Frauen- und einen Männerarm handeln soll und dass in dem Tempel Hochzeitszeremonien durchgeführt wurden. Unterlegt wird das nicht mit archäologischen Fundstücken, sondern mit einem wilden Sammelsurium an Vermutungen und philosophischen Ideen aus allen Epochen. Wenn dann also die präkeramische Epoche lange vor den Inka mit einer Mischung aus Inka-Mystik und Aristoteles erklärt werden soll, ist das zwar keineswegs plausibel, mindestens aber amüsant.
Geheimtipps in Huánuco: Alte Haciendas
Hier besteht in Huánuco definitiv noch Nachholbedarf. Die Ruinen von Kotosh sind aber nicht das Einzige, das für Touristen interessant sein könnte. So kann man auf eigene Faust oder im Rahmen einer rudimentär organisierten Tour beispielsweise eine der nahegelegenen Haciendas besuchen, Anwesen im Schatten hoher Bäume, auf denen häufig über die Produktionsweise von Zuckerrohrschnaps produziert wird. Am häufigsten werden die einstige Hacienda von Andabamba (Kooperative Vichaycoto) oder die Hacienda Cachigaga besucht.
Das Haus der Perricholi bei Huánuco – Vorbild für Offenbachs „La Périchole“
Gerne fährt man mit Touristen auch in das nahegelegene Örtchen Tomayquichua, in dem die karminrote Fassade eines Hauses bewundert werden kann, das sich „Casa de la Perricholi“ nennt. Die Perricholi, das soll im 18. Jahrhundert eine junge Frau gewesen sein, die in jenem Haus gelebt hat – die Bewohner von Huánuco schwören darauf, dass es sich um Micaela Villegas handelte. Sie war eine bekannte Schauspielerin ihrer Zeit – und nicht ganz frei von Skandalen mit dem damaligen peruanischen Vizekönig liiert. Aus dieser Beziehung entsprang nicht nur ein Sohn, sondern sie diente auch als Inspiration für diverse bekannte Werke, wie beispielsweise die Oper La Périchole von Jacques Offenbach.
Anderen Quellen zufolge wurde die Perricholi gar nicht in Tomayquichua, sondern in Lima geboren. Dem Charme ihrer mutmaßlichen Wohnstätte bei Huánuco tut das aber keinen Abbruch. Wer für einen Aufenthalt in Huánuco mehr Zeit einplant, kann außerdem die Ruinen von Huánuco Viejo besichtigen oder diesen Besuch auf der Weiterreise Richtung Huaraz einplanen. Ansonsten bietet sich ein Kurztrip in das Städtchen Tingo María auf dem Weg ins Amazonastiefland an.
Huánuco – An- und Abreise auf dem Weg durch Peru
Trotz des touristischen Dornröschenschlafs verfügt Huánuco über eine gute Hotelstruktur mit günstigen Preisen. Von Süden aus, beispielsweise ab Huancayo, ist die Stadt gut per Bus erreichbar. Will man von Huánuco weiter nach Huaraz und in den Callejón de Huaylas reisen, Hochburgen des Trekkingstourismus, muss man zunächst per Bus oder Sammeltaxi nach La Unión fahren und kann von dort aus mit einem kleinen Bus nach Huaraz weiterreisen.
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