Im Schlauchboot zu den Wasserfällen von Iguazu

Im Schlauchboot zu den Wasserfällen von Iguazu – der beste Weg die größten Wasserfälle der Welt hautnah zu erleben.

Auf die Frage nach den größten Wasserfällen der Erde wird man hier in Deutschland wohl nur selten die richtige Antwort erhalten. Und ich muss gestehen, auch ich war bislang ein Unwissender. Rein bekanntheitsmäßig liegen die Wasserfälle von Iguazu weit hinter den Niagarafällen zurück – zu Unrecht, wenn man deren Breiten betrachtet. Denn mit rund 2500 Metern Absturzkante sind sie mehr als doppelt so breit wie ihre nordamerikanischen Vertreter und sie übertreffen auch die afrikanischen Victoriafälle.

Zwei Möglichkeiten gibt es nun für den Besucher, sich dem Naturspektakel zu nähern. Die sanfte, herantastende von argentinischer Seite aus, oder das plötzliche Hervortreten vor ein überwältigendes Panorama, wie es von Brasilien aus möglich ist. Wir entscheiden uns für die argentinische Variante und sitzen ein paar Stunden später schon in einer kleinen Bimmelbahn, in welcher man seinen Mitreisenden erstaunlich nahe kommen kann. Ein kilometerlanger Bohlenweg führt uns danach über zunächst sanft dahin plätscherndes Wasser immer weiter in Richtung des Rauschens, welches sich jedoch bald zu einem ohrenbetäubenden Donnern wandelt. Und dann stehen wir vor dem Garganta do Diabo dem Teufelsschlund. Wir starren fasziniert auf die riesigen Wassermassen, welche die Felsen hinab stürzen.

Wer eine Steigerung wünscht und das Naturschauspiel von oben betrachten möchte, der kann zu einem Flug mit dem Helikopter starten. Allzu stark sollte das grüne Gewissen des Reisenden aber nicht ausgeprägt sein. Die Flüge sollen die Vogelwelt, bzw. deren Eier schädigen und werden derzeit nur noch von brasilianischer Seite aus angeboten. Eine umweltverträglichere und dennoch intensive Begegnung mit den Wasserfällen gibt es jedoch. Die Fahrt im Schlauchboot bis direkt an die herabstürzenden Wassermassen. Kaum habe ich die rotorangen Boote entdeckt, bin ich wie elektrisiert. Das muss ich erleben!  Dreißig Minuten später stehe ich schon in einer Schlange aus überwiegend jüngeren Erlebnissuchenden.

Nachdem wir alle die obligatorische Schwimmweste angelegt haben und unnötige Kleidung und Dokumente in einen wasserdichten Aufbewahrungsbeutel gestopft haben, geht es los. Ob der wasserdichte Beutel wirklich nötig sein wird? Unser Bootsführer lässt den Außenborder jedenfalls gleich ordentlich hochdrehen und wir jagen mit weit aus dem Wasser ragenden Bug auf die tobende Gischt zu. Wir stoppen noch einmal für eine kurze Fotopause. Dann aber gibt es kein Zurück mehr. Hektisch verstauen wir noch unsere Kameras in den gummierten Beuteln. „Fährt der da jetzt wirklich rein?“ ist mein letzter Gedanke. Doch ich befinde mich schon in einer Wolke aus Gischt, welche mir schlichtweg den Atem nimmt.

Klitschnass und glücklich kommen wir am Ufer wieder an. Das gemeinsame Auswringen von Hosen und Hemden bildete den Abschluss unserer Fahrt. Der  wasserdichte Beutel hat seinen Zweck erfüllt. Die Ureinwohner haben sich den Wasserfällen übrigens nie so weit genähert. Vom Rauschen und den tosenden Wassermassen schon von Ferne beeindruckt, hielten sie den Ort für von bösen Geistern beherrscht und mieden ihn.

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Autor: karic  15.06.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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