Johanniterstadt Adenau - Im Zeichen des weißen Kreuzes
Zu Besuch in der Johanniterstadt Adenau und im Zeichen des weißen Kreuzes wandelt man dort auf den Spuren des mittelalterlichen und neuzeitlichen Ritter-Ordens der Johanniter und Malteser
Fährt man das Ahrtal hinauf bis Dümpelfeld, dann wendet sich der Fluss dort um 90 Grad. Folgt man jedoch der bisherigen Richtung, so erreicht man einige Kilometer weiter die Eifelstadt Adenau. Die mittelalterliche Stadt mit den hübschen Fachwerkhäusern und denkmalgeschützten Bauten steht ganz im Zeichen der Johanniter. Quasi an jeder Ecke begegnet einem Johanniter als Beiname eines Geschäftes oder einer Organisation. Wer oder was waren oder sind die Johanniter? Zuerst einmal waren die Johanniter, deren vollständiger Name >Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem< lautet, ein karitativer und rein christlicher Orden, der aus einem Pilgerhospital in Jerusalem, dem so genannten Muristan, hervorging. Dieser Orden wurde 1048 gegründet und 1113 vom Papst anerkannt. Erheblichen Zustrom von Mitgliedern erlebte der Orden 1099 mit dem ersten Kreuzzug unter Gottfried von Bouillon.
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wandelte sich der Kirchenorden zu einem Ritterorden geistlicher Natur und sah zusätzlich zur Krankenpflege den Schutz der Pilger und die Bekämpfung des Heidentums als Aufgabe. Die Gliederung des Ordens wurde, was die Arbeiten anbelangte, zum einen weltlich / kirchlich, zum anderen streng hierarchisch geordnet nach Adeligen und Nicht-Adeligen. Auch in der Kleidung unterschied man sich, braune Mäntel trugen die Niederen, schwarze die Adligen. Später wurden im Kampf die roten Mäntel mit dem bekannten achtspitzigen weißen Kreuz getragen. Allen Mitgliedern gemeinsam war das Ordensgelübde. Das Oberhaupt wurde zunächst Meister, später Großmeister genannt. 1312 wurden die Besitztümer des zerschlagenen Templerordens vom Papst an die Johanniter übergeben.
Die erste Niederlassung der Johanniter auf deutschem Boden erfolgte 1154 in Duisburg. 1162 wurde Adenau Hauptsitz der Johanniter in Deutschland. Im gleichen Jahr übergab Graf Ulrich von Are seinen Besitz in Adenau an den Johanniterorden. Er zog aus Adenau auf die nicht weit entfernte Nürburg. Auch die Fisch- und Jagdrechte in seinem Territorium erteilte er den Rittern. Sein Sohn stärkte im 13. Jahrhundert den Sitz in Adenau durch weitere Besitztümer. 1214 erhielt der Johanniterorden auch die dortigen Pfarr-Rechte und die Kirche St. Johannes der Täufer. Die Niederlassungen der Johanniter nannte man zu dieser Zeit Kommende oder Komturei. Die Kommende Adenau wurde 1518 mit der trierschen zusammengelegt, um diese wirtschaftlich zu stärken. Wenig später wurde Malta internationaler Hauptsitz des Johanniter-Ordens, der mittlerweile Niederlassungen in aller Welt betrieb. Der Name des Ordens veränderte sich mit dem neuen Zentralpunkt zu Malteser-Orden. Im Zuge der Reformation spaltete sich die Organisation in den katholischen Malteserorden, der den ursprünglichen Johanniterorden fortführt und den evangelischen Johanniterorden.
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In Adenau blieben die katholischen Johanniter / Malteser bis Ende des 18. Jahrhunderts, sie ereilte mit der Vertreibung durch Napoleon das gleiche Schicksal wie den Hauptsitz auf Malta. Im 19. Jahrhundert erstand der Orden neu, nun mit Sitz in Rom. Er hat den Status eines exterritorialen Gebildes, dessen geistige und weltliche Hierarchien bis heute ungebrochen sind und der unter dem Namen vielgeschichteter Malteser-Hilfsdienste in der ganzen Welt humanitäre Hilfe leistet. 1991 wurde in Adenau die Deutsch-Maltesische Gesellschaft gegründet, 1996 entstand eine Städtepartnerschaft mit Mellieha und damit ein enger Verbund zu Malta. Von den zahlreichen Gebäuden der Niederlassung besteht heute noch das Hauptgebäude, die Komturei, in der sich eine Begegnungsstätte befindet. Die Kirche St. Johannes mit dem heute als Atrium dienenden ursprünglichen Bereich aus der Johanniter-Zeit liegt gleich nebenan. Nur wenige Meter trennen diesen Komplex vom Marktplatz, um den sich viele historische Gebäude gruppieren. In der angrenzenden Hauptstraße finden sich viele Kulturdenkmäler, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. Unweit des Marktplatzes befindet sich das Heimat- und Zunftmuseum, das auch das Johanniter- und Maltesermuseum einschließt.
Etwas weiter außerhalb, am südlichen Ende Adenaus, liegt der Buttermarkt mit einem Ensemble von Fachwerkhäusern und dem Burghaus, dem ältesten Haus Adenaus. Romantische Gaststätten machen den Buttermarkt ebenso wie den Marktplatz zum Treffpunkt des mittelalterlich geprägten Eifelstädtchens. Eine ständige Ausstellung des international anerkannten Malers und Bildhauers Bernhard Müller-Feyen ist in einem der Häuser am Buttermarkt zu sehen, entlang des Skulpturenwegs von der Marienkapelle zum Buttermarkt zeugen großartige Plastiken von seinem Schaffen. Einen weiteren berühmten Namen hat sich Clemens de Lassaulx gemacht. Er war von 1844 bis 1886 Oberförster und Kreisoberförster in Adenau und forstete ungezählte Kahlschlagflächen wieder auf. Ihm gilt die Ehrung als Vater der Eifelwälder. In Adenau wohnte auch Max Funke und gründete dort 1951 seine Firma. Wer heute Nachrichten sieht, der begegnet auf dem Bildschirm der ARD-Korrespondentin Marion v. Haaren, die in Adenau aufwuchs und Abitur machte.
Den meisten Menschen dürfte die Stadt bekannt sein durch den Nürburgring, dessen Nordschleife die Verlängerung der Adenauer Hauptstraße im Ortsteil Breidscheid kreuzt. Als freundliches Urlaubsziel und Station für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung, zur Nürburg, zur Hohen Acht, natürlich zum Ring und zu all den Burgen ist Adenau mit seinen Hotels die perfekte Basis. Besuche in den nahe gelegenen Eifeldörfern offenbaren auch immer wieder Spuren der Johanniter und ihres Wirkens, so zum Beispiel in der Pfarrkirche zu Kirmutscheid und allenthalben begegnet man dem weißen Kreuz mit den acht Spitzen.
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