Kambodscha - Angkor Wat und Phnom Penh
Kambodscha hat eine glorreiche Vergangenheit - und eine schlimme. Die Kultur um Angkor Wat ist einmalig und die Tragödien von Phnom Penh sind noch immer zu spüren.
Es tropft. Nach einer Weile bemerke ich, dass es nicht mehr mein eigener Schweiß ist, sondern dicke Tropfen des sich anbahnenden Monsunregens. Wer mit dem Fahrrad die großartigen Tempel von Angkor erkunden möchte, sollte sich auf einiges gefasst machen: Strömender Regen, brütende Hitze, unerträgliche Schwüle und ein paar der beeindruckendsten Bauten der Geschichte der Menschheit. Als ich im August 2009 meine kleine Rundreise in Südostasien begann, war ich mir nicht bewusst, dass Kambodscha wohl eines der schönsten, kulturell bedeutendsten, tragischsten und spannendsten Länder der Welt ist. Spätestens beim durchnässten Anblick vom Fahrrad aus auf Angkor Wat, der Königin der Tempel, war dieser Moment gekommen.
Das historische Königreich der Khmer existierte vom 9. bis zum 15. Jahrhundert und war seiner Zeit um einiges voraus. Nicht nur das ausgetüftelte Bewässerungssystem des gigantischen Areals weiß zu beeindrucken, insbesondere seine riesigen und kaum zählbaren Tempelanlagen sind wohl das Unglaublichste, das ich jemals gesehen habe. Sie sind oft so gut erhalten und von solch architektonischer Wucht, dass man einen Besuch von Angkor mehr als empfehlen kann. Einmal mit den Touristenmassen den Sonnenaufgang vor Angkor Wat beobachten gehört ebenso zu den wichtigen Dingen, wie sich ein Fahrrad oder Tuk-Tuk mit Fahrer mieten, um die Tempel von Angkor ganz individuell erkunden zu können. Siem Reap ist die Stadt, die an die Tempel grenzt und dient als guter Ausgangspunkt für Touren. Die Schönheit des Landes ist jedoch nicht nur bei den Tempeln zu beobachten, auch die fünfstündige Busfahrt von Siem Reap zu Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh hat ihren Reiz und man bekommt einen guten Einblick von der Anmut der südostasiatischen Natur.
Doch Kambodscha hat auch andere, geradezu dramatische Seiten. Der Genozid ist noch nicht sehr lange her, die Menschen haben noch nicht verdaut, dass in den 1970er Jahren mehr als ein Viertel der Einwohner Kambodschas ihr Leben verloren haben. Die Herrschaft der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 brachte viele Tote durch Hunger oder Ermordung. In Phnom Penh habe ich diese Tatsache besonders als Tourist jeden Tag zu spüren bekommen. "Killing Fields" ist eine der Attraktionen der Stadt. Besonders angenehm ist diese Art Tourismus sicherlich nicht, doch bringt sie einen näher an das Volk Kambodschas. Nur wer die Geschichte des Landes kennt und versteht, kann überhaupt seine Menschen kennen lernen und versuchen diese zu verstehen. Besonders beeindruckend ist eine Besichtigung des Tuol Sleng Museums, auch bekannt als Gefängnis "S-21". Hier wurden etliche Menschen von den Roten Khmer gefoltert und ermordet.
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Phnom Penh hat aber über die dramatische Historie hinaus auch Anderes zu bieten: Dem Leben auf der Straße zu folgen, einen der zahlreichen Märkte zu besuchen oder einen der Tempel der Stadt zu besichtigen, zeigte mir das Phnom Penh von heute. Wat Phnom ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Der Tempel ist auf einem Hügel gelegen und das spirituelle Zentrum Phnom Penhs. Hier lassen sich mit etwas Glück eine Menge frei lebender Affen beobachten. Wenn man sich traut - einige Male hab ich mich überwunden - sollte man auch unbedingt Snacks von einem der Straßenstände kaufen und fremdes Essen probieren. Mangels Übersetzungsmöglichkeit wird das Probieren der Speisen immer wieder zu einem amüsanten Ratespiel.
Eine Reise nach Kambodscha kann ich jedem wärmstens empfehlen. Es ist diesem jungen und immer noch sehr armen Land nur zu wünschen, dass es sich von seiner Vergangenheit erholen und einer glücklicheren Zukunft entgegenblicken kann. Leider habe ich bisher nur die vermeintlichen Höhepunkte des Landes, Angkor Wat und Phnom Penh, kennen lernen dürfen. Das Umland dürfte nicht minder interessant und wird mich wohl ein weiteres Mal nach Kambodscha führen. Ins Land der Tränen, Tragödien und Träume.
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