Kerala - Eine Rundreise durch Südindien

Bei einer Rundreise durch Südindien erlebt der Besucher wilde Tiere, koloniale Städte, Teeplantagen, Backwaters und tropische Küche. Ein traumhafter Einstieg in ein interessantes Reiseland!

Kokospalmen so weit das Auge reicht, tropische Natur in den Kanälen der Backwaters, scharfe Gewürze, wilde Tiere und sanftes Ayurveda – das liest jeder Besucher in seinem Reiseführer zu Südindien, wenn er seine Rundreise durch Kerala, „God’s own country“, plant. Warum Gottes eigenes Land? Immer wieder heben auch die Keraliten selbst dieses Motto hervor, sind zu recht stolz auf ihren kleinen Bundesstaat am südlichsten Zipfel des riesigen indischen Subkontinents. Die Armut ist hier weniger schockierend als im Norden des Milliardenlandes, die Alphabetisierungsrate ist die höchste des Landes und Hunger leidet hier fast niemand. Sehr angenehm also auch für einen ersten Einblick in Indien, das zwar ein faszinierendes, aber nicht immer einfaches Reiseland ist.

Cochin – Gewürze und koloniale Geschichte

Die meisten Reisenden kommen gleich zu Anfang ihrer Kerala-Rundreise nach Cochin, einer Stadt, die auf einer Insel vor dem Festland gelegen ist und geprägt ist von der kolonialen Vergangenheit und vom Gewürzhandel. Gleich beim verfallenen Fort wird der Charme der kleinen, für indische Verhältnisse sehr ruhigen Stadt klar: auf einer Bank beim Betrachten des Sonnenuntergangs, wenn die Fischer ihre chinesischen Netze einholen, wird sich der Reisende bewusst, dass er angekommen ist in einem Land, in dem die Uhren langsamer gehen. Und wenn soviel Einsicht nun von Hunger gefolgt wird, dann kann man sofort frischen Fisch bei einem der Händler erstehen und diesen in einem Restaurant seiner Wahl zubereiten lassen – am besten in einem Bananenblatt, sodass der zarte Fischgeschmack so richtig zur Geltung kommt, eine Köstlichkeit! Wer gern Gewürze mit nach Hause nehmen möchte, wird auf einem Spaziergang nach Mattancherry fündig – das Judenviertel hinter dem Palast der Holländer ist noch immer Zentrum des Gewürzhandels und man kann hier ungestört alten Männern zusehen, die Berge von Reis oder Safran gegen altmodische Gewichte aufwiegen oder Bündel von Rupien zählen, ein Abglanz des Reichtums, der mit dem Gewürzhandel nach Kerala kam.

Die Backwaters – tropische Natur und indischer Alltag hautnah

Natürlich muss eine Reise nach Kerala auch zu den Backwaters führen, einem Netz von Kanälen, die sich zwischen Cochin im Norden, Kollam im Süden und Kottayam im Osten erstreckt. Am einfachsten lässt sich ein Hausboot in Allepey mieten, einem Örtchen, das – vielleicht ein wenig übertrieben – gerne mit Venedig verglichen wird und in dessen Hafen eine ganze Flotte an umgebauten Reisbarken auf Gäste wartet. Der kluge Reisende informiert sich am besten bei einer der ausgezeichneten Touristeninformationen, die überall in Südindien sehr zuverlässig gute Information geben, oder geht direkt zum Hafen und vergleicht die Boote und Preise. Ein gepflegtes Boot mit Klimaanlage - wichtig in der schwülen Nacht, in der wegen der Insekten die Fenster nicht geöffnet werden sollten - darf pro Übernachtung nicht mehr als 3.000 bis 4.000 Rupien kosten.

Hat man nun sein Lieblingsboot gefunden, so kann es losgehen! Auch wenn man selten allein auf den Wasserstraßen unterwegs ist, so sind die Backwaters von Kerala doch zu Recht so beliebt. Reisfelder, Kokospalmen, fröhlich bunte Kirchen und Tempel mit plärrend-lauter Musik, Frauen in prächtigen Saris waschen ihre Töpfe im Wasser, Kinder planschen lachend, alte Männer überqueren im Boot den Kanal, um auf einen Tratsch beim Nachbarn vorbeizuschauen. Eine Welt wie aus dem Katalog, und doch ist sie wirklich. Das Abendessen ist ein Fest für die Sinne – unser Koch hat einen fantastischen Fisch gezaubert, Chutneys, Joghurt, Entencurry, Linsendal. Wir fühlen uns wie Maharajas, auch wenn alles für zwei Personen viel zu viel erscheint. Unsere liebenswerte Crew freut sich, dass wir bereits gelernt haben, mit der rechten Hand (und bitte nur mit dieser! Die Linke wird für ganz andere Zwecke verwendet...) zu essen, auch wenn ihnen so manches Lächeln übers Gesicht huscht ob unserer wohl nicht so ausgefeilten Technik.

Periyar – Elefanten ganz hautnah

Von Allepey reisen wir weiter zum Periyarnationalpark – schon die Fahrt mit dem überfüllten Bus über die Haarnadelkurven der Western Ghats ist ein Erlebnis, das wir nicht so schnell vergessen werden. Die Landschaft ist überwältigend, Kaffee- und Kakaobäume, Pfeffer, Kautschuk und natürlich allgegenwärtig der Tee. Kumily, Zentrum des Nationalparks, ist ein gemütlicher Ort, nicht schön, aber sehr angenehm, und perfekt für Trekking in den Park. Hier sollte man unbedingt einen Ranger vom offiziellen Park buchen. Es gibt unzählige Schwarzführer, und sollte der Reisende mit einem solchen erwischt werden, schützt Unwissen nicht vor der saftigen Geldstrafe von mehreren hundert Euro. Die Nationalparkorganisation bietet verschiedene Touren unterschiedlicher Länge an, und diese sind auch wirklich für jede Kondition geeignet.

Bei den dreistündigen Touren und beim Tiger Trail mit Übernachtung sehen die Touristen so gut wie immer eine Herde Elefanten, die in der Nähe des Eingangs des Nationalparks lebt – ein Erlebnis mit Gänsehautfaktor, wenn man die grauen Riesen plötzlich in geringer Distanz vor sich sieht. Seltener - Gott sei Dank - sind Begegnungen mit den noch ungefähr vierzig Tigern, die hier im Reservat Schutz finden. Ein Besuch der Connemara-Teeplantage und eines Gewürzgartens sollten im Programm nicht fehlen, und wer noch Lust und Zeit hat oder nicht so gut zu Fuß ist, kann auf dem Periyar-See eine Rundfahrt mit dem Boot machen und dabei meist auch Elefanten sehen, zudem Damwild, Wasservögel und andere Tiere.

Relaxen bei Ayurveda am Strand

Wer nun genug Aktivitäten gesetzt hat, dem sei als entspannender Abschluss einer Rundreise durch Kerala der Aufenthalt an einem der traumhaften, palmengesäumten Strände empfohlen, am besten in einem der zahlreichen Ayurvedahotels. Ayurveda ist die uralte indische Heilkunst, die auf der Harmonie der Körpersäfte aufbaut und die in den letzten Jahren im Westen ganz stark in Mode gekommen ist. Eine richtige Ayurveda-Kur mit Diät und Behandlungen nimmt Zeit in Anspruch, wer diese nicht hat, der findet Wellness mit Massageölen eigentlich überall in Kerala, vor allem aber in Varkala, dem Urlauber- und Hippieparadies, das dem nördlichen Goa als Strandparadies Konkurrenz macht. Die Gelassenheit und das offene Lächeln der Menschen, die unberührte Natur und die gekonnten Wellnessbehandlungen machen einen neuen Menschen aus dem stressgeplagten Europäer!

Reisebericht als PDF
Autor: jujulia  06.05.2011 |  Beitrag hilfreich? Ja (1) | Nein

Dein Kommentar zu Kerala - Eine Rundreise durch Südindien

Weiterführende Inhalte zu Kerala - Eine Rundreise durch Südindien

Chrissie´s, Thekkady, Kumily | ReisetippChrissie´s ist eine kleine Anlage mit Zimmern, in Indien auch...
Palmenküste | SehenswürdigkeitDie Palmenküste in der Region Kerala zieht sich fast 900 Kilometer an...
Sehenswürdigkeiten State of Kerala | KategorieReisende, die die Kultur und die Menschen Indiens kennenlernen wollen,...
Reisetipps für Indien - Kerala im.. | ArtikelIndien ist ein Land voller Farben, Gerüche und fremder Sitten und ist...
Backwaters – Indiens malerische.. | ArtikelDas Netz der Backwaters erstreckt sich zwischen den Städten Kochi im...


Weitere Inhalte zeigen
Kerala – Den südindischen.. | ArtikelIn Kerala gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel Gewürzgärten,...
Gesund in Indien: Ayurveda-Reisen | Artikel Eine gute Möglichkeit der Ayurveda-Reisen Indien ist ein Besuch der...
Eine Reise mit dem Rucksack durch.. | Artikel Indien wird von vielen angeflogen, um im Ashram zu meditieren, an...
Reisetipps für Indien - Kerala im.. | ArtikelIndien ist ein Land voller Farben, Gerüche und fremder Sitten. Indien...
Rundreise durch Indien planen:.. | ArtikelWer eine Rundreise durch Indien planen will, sollte sich zuerst...
;