Kiribati - Das verlorene Paradies

Die 30 Atolle von Kiribati liegen zwischen Hawaii und Australien im Südpazifik - und dazwischen ist beinahe nichts außer einer Menge Wasser und einer paradiesischen Inselwelt.

Der Inselstaat Kiribati (ausgesprochen „Kiribass“) besteht aus 32 Atollen und liegt in der Mikronesischen Region des Südpazifiks, etwa auf halben Weg zwischen Hawaii und Australien - und dazwischen ist beinahe nichts außer einer Menge Wasser. Der pazifische Inselstaat umfasst ein Meeresterritorium von 5,2 Mio. km2, was in etwa der 20-fachen Fläche der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Die Ost-West-Ausdehnung von der westlichsten Insel Banaba bis zur östlichsten Insel im Caroline-Atoll beträgt 4.854 km, was in etwa der mit der Ost-West-Ausdehnung der USA vergleichbar ist. Die Nord-Süd-Ausdehnung verzeichnet 1.973 km.

Aufgrund seiner Lage am 180° Breitengrad verlief zwischen den Gilbert- und Phoenixinseln bis 1994 die internationale Datumsgrenze. Um aber ein einheitliches Datum auf allen Inseln des Staates verwenden zu können, wurde die Datumslinie verschoben, so dass mittlerweile alle 32 Inseln westlich der Datumslinie liegen.

Die Atolle werden zu drei Inselgruppen zusammengefasst: Gilbertinseln (16 Atolle), Phoenixinseln (8 Atolle) und Line Islands (8 von insgesamt 11 Atollen). Von den 32 Inseln sind jedoch lediglich 20 bewohnt. Mit einer Landfläche von 811 km2 und etwa 100.000 Einwohnern ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von ca. 130 Einwohnern pro km2, was in etwa der Bevölkerungsdichte Tschechiens entspricht. Für einen kleinen Inselstaat wie Kiribati ist damit die Bevölkerungsdichte besonders hoch. 95% der Bevölkerung lebt auf den Gilbert-Inseln, wobei die meisten Einwohner auf der Hauptinsel Tarawa leben. In South Tarawa, dem administrativen und ökonomischen Zentrum des Landes, ist die Bevölkerungsdichte mit 2.558 Bewohnern pro km2 besonders stark ausgeprägt. Die Lebenserwartung der Bewohner, die I-Kiribati genannt werden, liegt bei 60 Jahren (57 männlich und 63 weiblich). Die Kindersterblichkeit ist zusätzlich sehr hoch.

Ein Großteil der Landfläche ist nicht höher als zwei Meter über NN gelegen, abgesehen von der Vulkaninsel Banaba, die mit 81m über NN eine Ausnahme bildet. Banaba stellt auch aus geomorphologischer Sicht eine Besonderheit dar. 1990 entdeckten Forscher, dass das gesamte Felsgestein aus Guano besteht – was nichts anderes als ein Konglomerat aus versteinerten Exkrementen von Seevögeln, wie Pinguinen oder Kormoranen und Kalkstein ist. Bis Mitte 19. Jahrhundert war Guano ein beliebter biologischer Dünger in der Landwirtschaft, aber auch günstig zur Herstellung von Sprengstoff und wurde sogar bis nach Europa importiert. Weiterhin fand man auf Banaba reichhaltige Phosphatvorkommen, die Großbritannien im großen Stil abbauen ließ. Nachdem fast alle Ressourcen ausgebeutet waren, entließ Großbritannien die Gilbertinseln 1979 in die Unabhängigkeit. Weitere Bodenschätze besitzen die Inseln von Kiribati leider nicht. Die Menschen ernähren sich hauptsächlich von Fisch und Agrarprodukten, die sie selber anbauen, wie Kopra und Babai.

Bezahlt wird auf Kiribati mit Australischen Dollar. Visa & Master Cards werden allerdings auch in einigen wenigen Geschäften akzeptiert – jedoch nicht auf den entlegenen Inseln. Daher sollte der Besucher über ausreichend Bargeld bei der Einreise verfügen.

Das tropische immerfeuchte Klima hat eine durchschnittliche Temperatur von 25°C bis 33° ganzjährig. Der vorherrschende Ostwind  verschafft dabei jedoch angenehme Kühle. Mit einer Summe von 4135 Sonnenstunden jährlich wirkt Kiribati aus europäischer Sicht paradiesisch. Die Regenzeit verläuft in der Regel von Dezember bis Mai und ist gekennzeichnet von sehr hohem Niederschlag.

Kiribati wurde erst im 17. Jahrhundert von spanischen und englischen Seefahrern entdeckt. Ab 1892 gehörte das Territorium zum britischen Protektorat und wurde 1916 britische Kolonie. Im 19. Jahrhundert besiedelten die ersten Europäer im Zuge der christlichen Missionierung das Gebiet. Zu dieser Zeit kamen auch die ersten Händler, Walfänger und Sklaventreiber ins Land. Der europäische Einfluss brachte viel Unheil über die Ureinwohner, wie etwas Ansteckung mit europäischen Krankheiten und Stammeskonflikte. Auch während des zweiten Weltkrieges wurden die abgelegenen Atolle nicht von dem Einfluss der westlichen Hemisphäre verschont. Die japanische Armee besetzte einen Teil der Inseln, um sich eine Art Festung auszubauen. In einer dreitägigen Schlacht (20.-23.November 1943) wurde Tarawa Schauplatz einer der heftigsten Kämpfe zwischen Japan und der USA. Noch heute sind viele Relikte, wie alte Panzer auf der Insel zu sehen. Für den Touristen sind sogar World War II Touren buchbar.

Touristisch erschlossen ist die Region mittlerweile richtig gut. Herausragende touristische Attraktion sind die fischreichen Riffe, die sich exzellent zu Tauchexpeditionen eignen. Aber auch zum Wassersport, wie Segeln, Angeln oder Surfen lädt Kiribati ein. Aufgrund des Artenreichtums der Vogelwelt bieten einige Anbieter auch Vogelexkursionen an. Nicht zu vergessen sind auch die exotisch anmutenden kulturellen Veranstaltungen, die je nach Region und Reiseanbieter gebucht werden können. Die warmherzigen I-Kiribati lieben das Tanzen und das Singen. Die traditionellen Tänze sind für die Bevölkerung nicht nur Amüsement, sondern auch ein besonderer Ausdruck der Kunst- und Meinungsfreiheit. Die Bewegungen der Füße, Hände und natürlich des ganzen Körpers ahmt die Bewegung der Fregattvögel beim Gehen und Fliegen nach. Der Fregattenvogel symbolisiert viele wichtige Dinge in der Tradition der I-Kiribati. Er bietet Navigation für die Fischer auf See, bietet Wetterinformationen für die Menschen und ist gleichzeitig ein Zeichen des Friedens und der Harmonie. Der Fregattenvogel als Symbol der Nation, ist deutlich auf der Nationalflagge zu sehen, wo der er im Sonnenaufgang über dem Ozean fliegt. Die Kostüme der Tänzer werden aus lokalen Materialien von Hand gefertigt. Kristallisationspunkt der kulturellen Aktivitäten auf Kiribati sind die meaba - ein traditionelles Versammlungshaus. Hier finden alle wichtigen Community Treffen statt. Die Homepage der Regierung zeigt eine gute Übersicht an allen Aktivitäten, die auf Kiribati angeboten werden.

Wer das Abenteuer der Fischerei sucht, findet in den Gewässern rund um Kiribati einen der besten Angelplätze in der Welt. Ob Das kristallklare tiefblaue Gewässer ist ein Mekka für Big Game Fischer. Besonders beliebt das Hochseeangeln von Knochenfischen (bonefish) auf Kiritimat (Christmas) Island. Aber auch das große Vorkommen von gigantischen Trevally, Sail Fischen und Marlins wird den Besucher beeindrucken. 

Nicht nur die Datumslinie hat sich in den vergangenen Dekaden verschoben, sondern auch das besonders empfindliche Kräfteverhältnis, welches Jahrtausende lang (erste Besiedlung der Region begann schätzungsweise vor 3000 Jahren) das Ökosystem der entlegenen Region bestimmte. Dadurch, dass die Atolle so niedrig über dem Meeresspiegel liegen und auch sonst nicht über große Erhebungen verfügen, ist das Ausmaß des Klimawandels in der mikronesischen Region besonders drastisch. Schätzungen zufolge werden zwischen 2060 und 270 die Atolle im Meer versunken sein.

Reisebericht als PDF
Autor: sonjaceri  31.05.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (2) | Nein

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