La Gomera - Sonne, Strand, Delfine, Hippies & viel Geschichte

Auf La Gomera kann man in der Sonne entspannen, Geschichte entdecken, bei der Arbeit zusehen, Esoterik erfahren, wandern, Wale & Delfine beobachten oder "El silbo" lernen !

Die zweitkleinste der kanarischen Inseln mitten im Atlantik, westlich vor der afrikanischen Küste gelegen, bezaubert durch frühlingshafte Temperaturen das ganze Jahr hindurch: La Gomera - Sonne, Strand, Delfine, Hippies & viel Geschichte, das kann man dort erleben, aber das ist noch längst nicht alles... Einst das Ziel vieler Hippies, die aus dem hektischen Alltag aussteigen wollten, ist sie auch heute noch ein Mekka für Esoteriker, Naturliebhaber, hier insbesondere für Freunde von Delfinen, Walen und anderen Meerestieren, sowie gleichermaßen für Wanderer und Taucher. Dem "normalen" Touristen bietet sie darüber hinaus noch eine sehr interessante Geschichte, so dass man nicht nur zum Faulenzen in der Sonne an den herrlichen, zumeist schwarzen Stränden gezwungen ist. An Originalität fehlt es auf La Gomera jedenfalls nicht, hier sei nur ganz kurz die Pfeifsprache "el silbo" erwähnt, doch dazu später mehr.

Zu erreichen ist La Gomera über den Flughafen Teneriffa-Süd nach ca. vierstündigem, bequemen Flug ab Deutschland. Eine etwa 15-minütige Busfahrt bringt den Reisenden direkt vom Flughafen Reina Sofia nach Los Christianos, wo er dann die Katamaran-Fähre zur Inselhauptstadt La Gomeras, San Sebastian, nehmen kann, welches er nach ca. 40 Minuten, je nach Wellengang, erreicht. Einen Leihwagen sollte man sich besser in La Gomera selbst nehmen, da sonst die Fährgebühr unnötigerweise zu Buche schlägt und zwar hin und zurück. Alle großen Leihwagenfirmen haben ihre Büros direkt am Hafen San Sebastian, jedoch zu teilweise recht eigenartigen Öffnungszeiten, also bitte vorher informieren. Trotzdem machen die dortigen Angestellten beinahe alles möglich, in irgendeiner Weise kommt man also zu den gebuchten Wagenschlüsseln, und wenn man sie sich in der Cafeteria abholen muss. Einige Brocken Deutsch und Englisch beherrschen ebenfalls die meisten oder sie sind gleich dort arbeitende Auswanderer deutscher oder englischer Staatsbürgerschaft..

San Sebastian, im Süden La Gomeras, ist ein sauberes, kleines Städtchen mit großer Vergangenheit: Hier nahm Christopher Kolumbus 1492 vor seiner überraschenden Entdeckung Amerikas letztmals Proviant und, noch wichtiger, Süßwasser auf. Sowohl der Brunnen, als auch die Wehranlagen der damaligen spanischen Besatzer La Gomeras sind noch heute sehr gut erhalten und in fünf Minuten vom Hafen aus zu erreichen. Besonders eindrucksvoll sticht hier der "Torre del Conde" ins Auge des interessierten Betrachters. Die Geschichte der Eroberung La Gomeras liest sich wie ein Roman von Liebe, Betrug, Verrat und Totschlag. Geschichtlich Interessierte finden ein kleines, aber feines Museum im Stadtkern San Sebastians. Im Museums-Innenhof befindet sich auch der Brunnen, aus dem Kolumbus Trinkwasser für seine Atlantiküberquerung aufnahm. Entspannung findet man nach einer solchen Tour auf der Plaza de San Sebastian, vorzugsweise in einem der dortigen Straßencafés bei einem Cortado, einem spanischen, kleinen Kaffee, ähnlich dem Espresso, und einem Sandwich Jamon y Queso, Schinken-Käse Sandwich, überbacken. Diese Kombination stellt das typische kanarische Frühstück dar.

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Die beinahe kreisrunde Insel umfasst 378 km² mit sage und schreibe sieben Klimazonen; von trocken-heißen Geröllwüsten bis hinauf in den nebelfeuchten Lorbeerwald, welcher einzigartig auf der Welt ist und schon seit der letzten Eiszeit unverändert besteht. Der gesamte Bergwald, Garajonay, wurde als Nationalpark anerkannt und gilt seit Mitte der Achtziger Jahre als UNESCO Weltnaturerbe. Der Name Garajonay setzt sich aus den Namen Gara und Jonay zusammen, ein tragisches Liebespaar aus der vorspanischen Geschichte La Gomeras. Bei den beiden handelt es sich um die sagenumwobenen Ureinwohner der kanarischen Inseln, die Guanchen. Beide Namen sind heute noch bei den Einheimischen sehr beliebt und entsprechend verbreitet, vor allem der Männername Jonay.

Die vorherrschende Flora im Nationalpark Garajonay wird von Lorbeerbäumen, Laurisilva, und Farnen gebildet, die im restlichen Europa von der Eiszeit ausgelöscht wurden. Nur auf einigen wenigen Inseln, wie Madeira und eben den Kanaren blieben kleine Restpopulationen übrig. Naturliebhaber finden viele endemische (nur hier vorkommende) Pflanzen- und Tierarten. Besonders reizvoll sind die von Ästen herabhängenden langen, graugrünen Flechten. Diese und der ganze Bergwald überhaupt, werden lediglich durch den Passatwind befeuchtet, daher auch die spanische Bezeichnung "bosque de niebla", Nebelwald. Regenfälle sind hier sehr selten, dennoch reicht die von den Wolken herangetragene Feuchtigkeit um Bäche und kleine Wasserfälle zu speisen. Ausgedehnte, saubere und hervorragend kartographisierte Wanderwege durchziehen die Insel und bieten eine Vielzahl an herrlichen An- und Aussichten für jeden Geschmack. Sehr informative, geführte Touren können vor Ort gebucht werden, sowohl auf deutsch, als auch in englischer Sprache.

Die knapp 30.000 Einwohner La Gomeras sind durchweg freundlich und hilfsbereit, sprechen jedoch fast nur die Landessprache, was einer lebhaften Konversation jedoch keinen Abbruch tut. Dafür beherrschen viele, meist ältere Gomeros noch die kuriose Pfeifsprache "el silbo", was eigentlich nur "das Pfeifen" bedeutet, jedoch eine richtige Sprache darstellt. Dazu nimmt der Pfeifende die Rückseite von Zeigefinger und Daumen in einer charakteristischen Haltung in und an den Mund, ganz anders als unser bekanntes "auf den Fingern pfeifen". Sie hat sich entwickelt, um einander beim Ziegenhüten von Berg zu Berg unterhalten und informieren zu können, ohne jedes Mal den langwierigen Ab- und Aufstieg durch die schwierigen Täler antreten zu müssen. Nachdem "el silbo" in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit zu geraten drohte, wird sie dank einer Bürgerinitiative nun sogar in den Grundschulen als reguläres Fach gelehrt. Der interessierte Tourist kann sich einen dementsprechenden Kurs buchen, Informationen dazu gibt es im Touristenbüro Valle Gran Rey. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese Pfeifsprache unbedingt einmal vorführen lassen, man kann sie wirklich kaum mit normalem Pfeifen verwechseln!

Hotels und Unterkünfte auf der ganzen Insel sind allen Preisklassen entsprechend gepflegt und sauber. Ob man nun entspannte Ferien am Strand unter den berühmten 3.000 Sonnenstunden im Jahr oder doch lieber aktiven Wander- oder Fahrradurlaub bevorzugt, La Gomera wird (fast) jedem Geschmack gerecht. Delfine und Wale können hier genauso beobachtet werden, wie das Schaffen mehr oder weniger künstlerisch begabter Aussteiger, die vor allem im Valle Gran Rey eine ganz eigene Kolonie gebildet haben. Gerade die Ortsteile La Calera bis hinauf nach Lomo del Balo bieten manch überraschende Kuriosität in und an von diesen Künstlern bewohnten kleinen Häuschen. In diesem Gebiet findet auch der Esoterik-Fan alle möglichen Angebote: Vom Schamanen bis hin zu Behandlungen, beispielsweise mit Edelsteinen, Reiki, spirituelle Reisen und natürlich auch Yoga, Massagen und Naturkosmetik, oft mit selbstangebauter Aloe Vera, die hier prächtig gedeiht.

Erreicht man das Valle Gran Rey - das Tal des großen Königs - mit der Fähre über den Hafen, kann man kurz vorher rechterhand die "Schweinebucht" sehen, eine Höhle direkt am Kiesstrand, in der finanzschwache Hippies mehr oder weniger geduldet werden. Da diese jedoch allabendlich zum Sonnenuntergang an die von Touristen gut besuchte Playa (Ortsteil Valle Gran Reys) kommen um dort zu trommeln und so ihren Lebensunterhalt verdienen, stellen sie einen festen Bestandteil des kulturellen Lebens dar. Leider werden sie von der Polizei "Guardia Civil" meist einmal im Jahr aus ihrer Höhle vertrieben, da sie sonst dort Wohnrecht erlangten, manchmal verbunden mit einer Schießübung der Küstenwache. Geschossen wird bei solchen Gelegenheiten vom Militärboot aus, allerdings nur auf die zuvor aufgehäuften Matratzen und sonstigen dort verbliebenen Habseligkeiten unserer Trommler, mit dem Ziel, diese in Brand zu setzen. Am nächsten Tag dürfen die Aussteiger und Hippies, wie sie in La Gomera selbst genannt werden, wieder dort "einziehen". Fragt man nach, warum denn alles in Brand gesetzt wurde, erhält man die Antwort, dass es sich um Hygienemassnahmen handeln würde. Wem das nicht spanisch vorkommt...

Eine weitere Einkommensquelle für Aussteiger und Hippies stellt die Fertigung von Trommeln aus Agavenstämmen dar. Die Stämme, eigentlich der Blütenstängel der Agave, werden geschlagen, getrocknet, dann mit glühenden Eisenstangen ausgebrannt, geschliffen, manchmal lackiert oder bemalt, bzw. mit eingeschnitzten Mustern versehen und zuletzt mit Ziegenhäuten, erstanden von einheimischen Ziegenhirten, bespannt. Da Agaven meist an unzugänglichen Stellen wachsen, hört sich das Ganze wesentlich leichter an, als es ist. Das Endprodukt ist jedoch ein sehr schönes Mitbringsel, wenn man noch genügend Platz im Koffer hat.

Manch einer hat bereits bei der Überfahrt von Teneriffa nach La Gomera das Glück, eine Gruppe Pilot- oder Grindwale, oder auch Delfine zu sehen. Wem das nicht vergönnt ist, der kann sich im Hafen von Vueltas, Valle Gran Rey, eine der Whale Watch Touren buchen und sich beinahe sicher sein, dass es auch zu einer Begegnung mit den Meeressäugern kommen wird. Zwischen den Inseln leben etwa 25 Arten, wobei der Fleckendelfin wohl die größte Zahl an Individuen stellt und außerdem durch seine große Verspieltheit und Neugier einfach toll zu beobachten ist. Oft spielen sie in der Bugwelle schon lange vor Erreichen des eigentlichen Zielgebietes der Fahrten, kommen also von selbst sehr nahe ans Boot heran. Die im Valle Gran Rey ansässigen Whale Watcher kann man durchweg empfehlen, von den im Süden Teneriffas aus startenden sollte man Abstand nehmen, dort geht es viel mehr um das Geld verdienen, teilweise mit lauter Musik und Unterhaltungsprogramm an Bord.

Mit viel, viel Glück sieht man eine Gruppe von Pottwalen, die zwischen La Gomera und Teneriffa auf Beutefang in unglaubliche Tiefen vorstoßen. Zwischen den Inseln senkt sich der Meeresboden auf bis zu 3.000 Meter Tiefe, dort findet der Pottwal seine Beute: Riesenkalamare und Tintenfische. Aber oft genug kann man auch Haie oder Mondfische, sowie Meeresschildkröten sehen und falls man wirklich mal gar kein Glück haben sollte, ist die Fahrt alleine auch schon ein Erlebnis für sich.

Apropos Fische: Auf allen kanarischen Inseln kann man hervorragend Tauchen gehen. Eine große Vielfalt an Fischen und Unterwasserleben siedelt dort und es mischen sich Flora und Fauna des Atlantiks mit Arten aus dem Mittelmeer und tropischen Gewässern. Rochen. Muränen, Grundeln, Haie, Barrakudas, Makrelen, Barsche, Thunfische und oben genannte . Delfine und Wale sind nur einige der hier zu beobachtenden Arten. Tauchschulen und die dazugehörige Ausrüstung findet man praktisch "an jeder Ecke", dazu kommt ein glasklares Meereswasser mit angenehmer Temperatur, die auch in den Wintermonaten selten unter 18 ° C fällt.

Da auf La Gomera fast immer die Sonne scheint, lässt sich jedwede Aktivität gut im Voraus planen, ohne auf größere Enttäuschungen durch Ausfälle gefasst sein zu müssen. Im Winter sei an dieser Stelle nur vor den zeitweise recht hohen Wellen gewarnt, die meisten Badestrände haben aus diesem Grund ein Farbwarnsystem installiert: Rote Flagge bedeutet Gefahr, gelbe Flagge mahnt zur Vorsicht, grüne Flagge zeigt sicheres Baden an. Dennoch handelt es sich um den Atlantik, also besser niemals lange aus den Augen lassen. So manche überraschende Woge hat schon unvorsichtige Touristen erwischt und zumindest gut durchnässt.

Wer La Gomera in den Frühlings- und Herbstmonaten besucht, wird sich nach Sonnenuntergang wahrscheinlich über seltsame Geräusche am Himmel wundern: La Pardela, der Gelbschnabel-Sturmtaucher, kommt dann von seinen Beutezügen auf dem Meer zurück in seine Bruthöhlen in den Klippen. Dabei lässt er seinen sehr eigenartigen, quäkenden Schrei ertönen, halb Frosch, halb Katze, was zu großer Belustigung führen kann. Der geschützte, möwenähnliche Vogel verbringt den ganzen Tag auf dem Meer, wo er auch bei der Suche nach Delfinen behilflich sein kann, da beide eine gemeinsame Jagdstrategie entwickelt haben: Pardelas zeigen einen oberflächennahen Fischschwarm an, die Delfine treiben und halten den Schwarm an der Oberfläche, wo dann beide Arten zu ihrem Futter kommen.

La Gomera ist eine unglaublich vielseitige Insel mit zumeist herrlichem Wetter, netten Menschen und großem Angebot an Freizeitmöglichkeiten. Besonders beeindruckend und noch unbedingt erwähnenswert ist die Nord-Westseite mit den früheren Piratennestern hoch in den Klippen und zwischen steilen Bergen versteckt. Da es hier auch besonders grün ist, weiß der Reisende sofort, warum La Gomera von den Einheimischen "Isla hermosa", die schöne Insel genannt wird. Sonne an ca. 300 Tagen im Jahr tut ein Übriges...

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Autor: Mahagony  03.09.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja (5) | Nein

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