La Palma - Durch die Caldera de la Taburiente, Teil 1

Auf La Palma wandern wir auf spannenden Wegen durch die Caldera de la Taburiente. In Teil 1 der Tageswanderung erreichen wir den Talgrund mit einem Fluss, über dem eine 1.600 Meter hohen Felswand aufsteigt.

Zerklüftete Felsspitzen hoch über dem Tal

Wie der Tropfen einer Träne liegt sie im Ozean. Grüner als die anderen, ein bisschen verschlafener als die anderen und noch viel steiler als ihre kanarischen Schwestern ist La Palma. Mehr westlich als nördlich von Teneriffa ist sie neben El Hierro der Außenposten des Archipels, bevor in Richtung Amerika halt nur noch Amerika auf den Reisenden wartet. Mit 700 km² ist La Palma gerade mal ein Drittel so groß wie Teneriffa hat aber weniger als ein Zehntel der dortigen Einwohner. Dafür, dass die Insel an ihrer breitesten Stelle mal so um die 30 km breit ist, misst ihr höchster Berg, der Roque de los Muchachos, 2.426 Meter. Zu seinen Füßen brechen wir heute auf zu einer Wanderung. Doch zuvor noch eines, und dann soll es auch genügen mit den Allgemeinheiten über La Palma; die Insel hat den jüngsten aktiven Vulkanismus der Kanaren. Ganz im Süden brach 1971 der Vulkan Teneguía aus, noch heute gibt es dauerhaft heiße Stellen, die zum Spiegeleier Braten ausreichen.

Der nördliche Teil der Insel ist der ältere und breitere, in seiner Mitte liegt die Caldera de Taburiente, ein riesiger Krater oder eine Caldera oder das Produkt der Erosion. Ja, so einig sind sich die Wissenschaftler da nicht. Tatsache ist, dass südwestlich des Kessels, auf dem Meeresboden, gewaltige Mengen Geröll liegen, die durch eine Schlucht, den Barranco de las Angustias - die Schlucht der Ängste - abtransportiert wurden. Er ist die einzige Öffnung des Kessels. Dieser Kessel misst neun Kilometer im Durchmesser, seine Wand steigt bis zu 1.800 m hoch über dem Talgrund auf und das gesamte Areal ist ein Nationalpark.

Kleine Vorbemerkung: Wir waren im Juli 2007 auf La Palma, was hier geschrieben steht, bezieht sich auf diesen Zeitraum, möglicherweise sind Angaben überholt. Ich habe versucht - etwa im La Palma-Forum - mich auf einen neueren Stand zu bringen und dies, so weit wie möglich, am Ende aufgeführt. Bitte aber vorher selber informieren, bevor man diese lange Wanderung angeht. Es gibt genug Möglichkeiten im Netz. Das betrifft auch zeitweise Schließungen der Caldera de la Taburiente aus Witterungsgründen. Es ist ärgerlich und mühselig, erst einmal in der Caldera zu sein und dann zu erkennen, dass man wieder zurück muss!

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Von Los Llanos del Aridane, der heimlichen Hauptstadt von La Palma, fahren wir mit unserem Auto nordwestwärts an den Rand der Schlucht. Die Straße verläuft auf ihrer Kante und nach links offenbart sich ein wunderbarer Blick in den frühmorgentlichen Barranco, der noch im tiefen Schatten liegt, während die Berge über ihm schon ins goldene Licht der Morgensonne getaucht sind. Nach ein paar hundert Metern geht die Straße über die Kante, quert jetzt den Abhang, um sich gleich darauf in Serpentinen nach unten zu winden. Ein Spektakel von ineinander verschachtelten Berghängen tut sich auf mit grau-braunen Felsen im Kontrast zum allgegenwärtigen Grün. Kurz vor Erreichen des Talgrundes steht ein Kiosk der Parkverwaltung, wo man Informationen erhält und eventuell notwendige Genehmigungen beantragen kann, zum Beispiel fürs Campieren.

Am recht breiten Grund der Schlucht stehen heute Morgen schon einige Autos auf dem großen Parkplatz, Wanderer warten auf ihr Taxi. Von den versprochenen Geländewagen-Taxis ist allerdings noch keine Spur zu sehen. Die Sache ist nämlich die, dass man auf der klassischen Tour vom 230 Meter hoch gelegenen Talgrund hinauf muss auf 1.090 Meter, zum Mirador de los Brecitos. Um sich den Aufstieg über 860 Höhenmeter zu ersparen, kann man sich von einem Taxi bringen lassen. Das kostet uns bei voll besetztem Wagen 11 Euro pro Person, 2009: 51Euro pro Taxi. Wenig später tauchen die Geländewagen auf - unser Vermieter hatte versprochen, um neun Uhr - und bald, nachdem die Rucksäcke verstaut sind, geht es aufwärts über die etwas zermürbende Schlaglochpiste. Der Fahrer schont weder Fahrzeug noch Gäste.

Am Mirador de los Brecitos gibt es keine Parkplätze und das zumindest aus einem guten Grund. Besonders in den Sommermonaten herrscht hier allergrößte Waldbrandgefahr und jedes geparkte Fahrzeug ist an der schmalen Straße und auf dem kleinen Wendeplatz ein Hindernis mehr für die Feuerwehr. Durch die Stämme und Äste der Kanarenkiefern schweift unser Blick weit über die Caldera - ich nenne sie so, weil es Bestandteil des Namens, wenn es auch geologisch eher falsch ist. Türme, Nasen, Gipfel und Grate, so liegt dieses gewaltige Halbrund, das wir von hier aus sehen, vor uns. Im unteren Bereich ist es bewaldet, darüber steht nackter Fels. Steil, fast senkrecht fällt der Hang zu unseren Füßen ab, uns schützt ein Holzgeländer vor dem Sturz. Endlich können wir uns lösen von dem Anblick und wir machen uns auf den Weg. Der quert gut ausgebaut den westlichen Hang des Kessels und führt durch den Pinienwald stetig abwärts. Erschreckend steil begleitet uns rechter Hand der Abhang, am Anfang auch durch ein Geländer gesichert.

Wir queren trockene und manchmal auch vor Wasser gurgelnde Barrancos, die von den Höhen über uns zu Tal führen. Felsbrocken gigantischen Ausmaßes wachsen uns entgegen, herunter gebrochen von steilen Felswänden da ganz hoch oben. Eine Brücke aus Holz bringt uns über den nächsten Bachlauf, unser Blick fällt wenig später auf die Gegenseite eines tiefen Barrancos. Die komplette Wand ist abgestürzt, nacktes Gestein von der Kante oben bis hinunter zum Grund der Schlucht zeigt uns, dass die Erosion ständig weiter arbeitet. Auf unserem Pfad geht es immer wieder bergab, dann folgt ein ebenes Stück und aus dem einen und anderen Barranco heraus geht es auch mal aufwärts. Je tiefer wir kommen, umso dichter werden der Wald und auch das Unterholz. Unvermittelt stehen wir zwischen Farnen und sogar Binsen, obwohl von der Feuchtigkeit sonst nichts zu sehen ist, sie muss vorhanden sein, sonst würden diese Pflanzen hier nicht wachsen. Viele Stämme der Kanarenkiefern tragen noch die Spuren des letzten Waldbrandes, schwarze Brandmale zwischen den schon wieder helleren Außenschichten der Borke. Aus dem dichten Wald treten wir nun hinaus, stehen an einem, selbst jetzt im Sommer sprudelnden Bachlauf, dem Taburiente.

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Autor: voyager  26.11.2010 |  Beitrag hilfreich? Ja | Nein

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